Im Kreis Esslingen sind vermehrt Fälle von Hasenpest aufgetreten. Die Infektion ist auch auf Menschen übertragbar. Die Behörden raten daher zur Vorsicht.
In den vergangenen Wochen wurden im Kreis Esslingen Fälle von Tularämie, auch „Hasenpest“ genannt, festgestellt. Chris Stoll, Stadtjäger der Gemeinde Neckartailfingen, meldet für seine Gemarkung eine auffällige Häufung. Bei zwei toten und einem lebenden Feldhasen sei demnach die Krankheit nachgewiesen worden. Laut dem Veterinäramt Esslingen handelt es sich bei der Tularämie um eine bakterielle Infektionskrankheit, die verschiedene Hasenarten und Nagetiere befällt. In erster Linie sind jedoch Feldhasen betroffen.
Die meldepflichtige Erkrankung ist auch auf den Menschen übertragbar und kann teils schwerwiegende Infektionen verursachen, heißt es in einem Pressebericht. Darin warnt die Behörde davor, kranke oder verendete Feldhasen und Wildkaninchen zu berühren. Tote Tiere sollten nicht mitgenommen, sondern dem jeweiligen Jagdrevierbesitzer oder der Polizei gemeldet werden.
Als Hundebesitzer vorsichtig sein
Um eine mögliche Ausbreitung zu stoppen, rät der Neckartailfinger Stadtjäger Hundebesitzerinnen und -besitzern, ihre Tiere beim Spaziergang angeleint zu lassen oder sie zumindest in der Nähe zu führen und genau zu beobachten. Auch Hunde könnten die Erreger weitertragen, etwa wenn sie an einem Kadaver schnuppern. Ihnen selbst kann der Erreger in der Regel nichts anhaben. „Ich möchte die Situation nicht dramatisieren“, sagt Chris Stoll angesichts der drei Fälle in seinem Gebiet, aber er nimmt sie zum Anlass, die Bevölkerung zu sensibilisieren und um Mithilfe zu bitten.
Ansammlung von Krähen könnte auf infiziertes Tier hinweisen
Wer zum Beispiel Feldhasen mit untypischem Verhalten beobachtet, sollte dies melden. „Wenn ein Hase apathisch ist, taumelt oder keine Scheu mehr zeigt und seinen Fluchtreflex verloren hat, können das Hinweise auf eine Infektion sein“, sagt Chris Stoll. Auch eine Ansammlung von Krähen auf engem Raum könnte darauf hinweisen, dass dort ein verendeter Hase oder anderes Wild liegt. Es sei wichtig, auch solche Tiere zu finden, die irgendwo versteckt liegen und möglicherweise infiziert sind.
Spaziergänger sollten ihre Beobachtungen den Jagdpächtern in dem Gebiet, der Polizei oder der jeweiligen Gemeinde mitteilen. Für Chris Stoll steht die Prävention im Vordergrund. „Wir möchten die Situation genau beobachten und mögliche Risiken frühzeitig erkennen“, betont der Stadtjäger von Neckartailfingen, „wir fahren lieber ein Mal mehr als zu wenig raus“.
Durchschnittlich erkrankt ein Mensch im Kreis jedes Jahr an Hasenpest
Bislang wird die Hasenpest nur vereinzelt nachgewiesen. Laut dem Landratsamt wurden im Landkreis Esslingen in den vergangenen Jahren vier Fälle bei Feldhasen und jährlich im Durchschnitt eine Erkrankung beim Menschen gemeldet. Die Krankheitszeichen, die sich bei infizierten Personen meist innerhalb von 14 Tagen zeigen, sind wenig spezifisch und sollten von einem Hausarzt abgeklärt werden. Betroffene leiden demnach unter grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Lymphknotenschwellungen, Schüttelfrost, Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Auch der Atmungs- oder Verdauungsapparat kann betroffen sein.
Jäger sollten sich vor Erreger schützen
Jäger seien dem Erreger unter Umständen stärker ausgesetzt und sollten weitergehende Schutzmaßnahmen einhalten, rät das Landratsamt. So sollten sie beim Umgang mit erlegten Feldhasen oder Wildkaninchen Mundschutz und Einmalhandschuhe tragen. Anschließend seien die Hände gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Beim Aufbrechen von Feldhasen und Wildkaninchen müssten Jäger auf bedenkliche Merkmale wie Milz-, Leber- oder Lymphknotenschwellungen achten. Im Verdachtsfall ist ein amtlicher Tierarzt hinzuzuziehen.