Aufarbeitung des Turnskandals Janine Berger wird deutlich – Ex-Turnerin erneuert im Landtag ihre Vorwürfe

Rund um die Zustände im Turnsport gibt weiterhin viele Fragen. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Erneut wurde im Bildungsausschuss des Landtags über die Aufarbeitung des Turnskandals diskutiert. Die ehemalige Turnerin Janine Berger erneuerte dabei ihre Vorwürfe gegenüber dem Deutschen Turner-Bund.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen war der Turnsport Thema in einer Sitzung des Bildungsausschusses im Landtag von Baden-Württemberg. „Es ist wichtig, dass wir weiterhin dafür sorgen, dass die Scheinwerfer auf diesem Thema bleiben“, sagte am Donnerstag der SPD-Abgeordnete Sascha Binder. Die Fragen, die sich rund um die Aufarbeitung des Turnskandals und zu den Perspektiven der Sportart für die Zukunft ranken, sind weiterhin zahlreich. Dass die teils gewählten Methoden weiterhin nicht akzeptiert werden, wurde ebenso deutlich.

 

Zu den Referierenden im Plenarsaal des Landtags gehörte unter anderen Janine Berger, die wie viele andere Turnerinnen in den vergangenen Monaten über ihre schlimmen Erfahrungen in ihrer eigenen Athleten-Trainer-Beziehung öffentlich berichtet hatte. Dass der Deutsche Turner-Bund (DTB) eine Frankfurter Kanzlei mit der Untersuchung der Zustände am Standort Stuttgart beauftragt hat, die schon einmal für den Verband tätig gewesen ist – rund um die Vorwürfe am Standort Chemnitz –, stellte sie erneut infrage und nannte das Vorgehen „eine Scheinuntersuchung“.

Dem ebenfalls anwesenden DTB-Präsidenten Alfons Hölzl warf sie vor, er habe die Zweifel der Athletinnen an der Aufarbeitung „verhöhnt“. Dies sei für die Betroffenen „erneut ein Schlag ins Gesicht“. Janine Berger betonte erneut: „Jahrelang wurden interne Meldungen ignoriert oder sogar vertuscht.“ Sie berichtete von Meldungen seit 2014 und forderte nicht nur den Rücktritt von Hölzl, sondern auch des DTB-Sportvorstands Thomas Gutekunst und des DTB-Generalsekretärs Kalle Zinnkann.

Ein Bild aus ihrer Zeit als Turnerin: Janine Berger bei den Olympischen Spielen 2012 in London Foto: dpa/Friso Gentsch

Hölzl verteidigte das Beauftragen der Kanzlei Rettenmaier, lobte deren Arbeit im Fall Chemnitz und betonte: „Wenn Pflichtverstöße der Kanzlei vorliegen würden, könnte man darüber reden. Ansonsten lege ich das Thema ad acta.“ Aktuell habe die Kanzlei noch keine Gespräche mit Beteiligten geführt. Der DTB will das Ende der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten, ehe der in Auftrag gegebene Aufarbeitungsprozess Fahrt aufnimmt. Derweil soll eine unabhängige Experten-Arbeitsgruppe, die der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) gebildet hat, bereits Anfang April ihre Arbeit aufnehmen. Bis Ende Juli sollen Ergebnisse vorliegen. „Wir haben menschliche, aber auch strukturelle Probleme“, sagte der LSVBW-Präsident Jürgen Scholz und sieht „eine Chance, strukturell reinzugehen“.

Markus Frank, der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes (STB), hatte zum Beginn seiner Ausführungen großes Bedauern über die von Athletinnen beschriebenen Vorfälle im Turnsport geäußert. Berger warf dem Funktionär derweil vor, er habe sich am Donnerstag erstmals und damit „83 Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe“ geäußert. Der SPD-Abgeordnete Binder zweifelte generell am „Aufklärungswillen und am Aufklärungskönnen“ der Turnverbände.

Markus Frank entgegnete, der STB als Organisation habe sehr wohl „früh Stellung bezogen“. Er berichtete von 19 Turnerinnen, die sich in den vergangenen Monaten gemeldet hätten, darunter seien drei aktuelle Fälle gewesen. In diesen Meldungen sei es um „verbale Gewalt“ vonseiten der Trainerinnen und Trainer gegangen. Also um anders gelagerte Vorwürfe als in den zurückliegenden Jahren. Daher hält er die Maßnahmen, die der STB seit 2021 entwickelt und umgesetzt hat, für „richtig“, die Umsetzung für „nicht falsch“.

Alfons Hölzl betonte, die DTB-Untersuchung sei keine interne, sondern eine unabhängige, da externe. „Mehr“, meinte er und verließ die Sitzung vorzeitig wegen weiterer Termine, „können wir nicht machen.“ Ob dem alle Beteiligten zustimmen, ist eher fraglich. Weshalb ein dritter Termin im Landtag durchaus möglich ist.

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