Mehr als 15 Meter ragt das ungewöhnlich geformte sogenannte Schwallbauwerk für Stuttgart 21 an der Willy-Brandt-Straße in die Höhe. Dominieren zur Straßenseite hin Metalllamellen, durch die einmal Luft aus den darunter liegenden Bahntunneln strömen soll, zeigen sich die beiden Seitenwände als große, glatte Betonflächen.
Die Genehmigung als größte Herausforderung
Auf die hat es der Stuttgarter Street-Art-Künstler Jeroo abgesehen. Schon seit längerer Zeit versucht er Unterstützer für die Idee zu finden, dort großflächige, farbenfrohe Grafitti anzubringen, die das triste Betongrau übertünchen sollen. Die großen Abmessungen schrecken den 42-Jährigen nicht. „Die Herausforderung besteht eher darin, eine Genehmigung zu bekommen“, sagt er. Für die zur Verfügung stehende Fläche gelte: „Je größer, desto besser“.
Jeroo, der bis zum Sprung in die Selbstständigkeit vor vier Jahren am Vaihinger Fanny-Leicht-Gymnasium als Christoph Ganter Sport und Englisch unterrichtet hat, hat schon an vielen Stellen in der Stadt legal seine Spuren hinterlassen. Die S-Bahnstation am Nordbahnhof ziert ebenso seine Kunst, wie die Pfeiler der großen Bundesstraßenviadukte in Heslach und beim Fasanenhof. 20 bis 30 solcher Murals gebe es wohl von ihm in der Stadt, sagt er. Zur Kunst mit der Spraydose ist er durch ein Projekt am Gymnasium in Weil der Stadt gekommen, an dem er zur Schule gegangen ist.
Bahn und Stadt sind in Gesprächen
Bei der Stadt verweist man in Sachen Gestaltung des Schallbauwerks auf laufende Abstimmungen mit der Deutschen Bahn. Die habe im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens zugesagt, „die Freianlagenplanung mit dem Amt für Stadtplanung und Wohnen abzustimmen“, erklärt ein Rathaussprecher. Die Bahn sei „an einer kurzfristigen kostengünstigen Lösung interessiert“, die Stadt wolle eine solche nur als Interimslösung gelten lassen. Denkbar sei „eine thematische Gestaltung der Fassade, eine Begrünung oder auch eine Kombination mit anderen Nutzungen wie zum Beispiel Spiel, Sport und Bewegung“.
An eine Begrünung glaubt Jeroo nicht so recht. „Bis das Riesending zugewachsen ist, dauert es ewig“, sagt er. Ihm schwebt stattdessen eine Kombination aus Begrünung und Bemalung vor. Für letztere hat er auch bereits konkrete Entwürfe gemacht. Sie zeigen drei Mal das Stuttgarter Wappentier. „Drei Pferde, die für die Zugkraft der Region stehen und voller Dynamik positiv in die Zukunft blicken“, sagt Jeroo.
Spraykunst am Botschaftsgebäude
Klar ist für ihn, dass die Betonflächen nicht lange kahl bleiben, wenn einmal die Baustellenabsperrungen außen herum entfernt sind. Dazu seien die Wände für die Sprayerszene zu attraktiv. Die Verkehrsmengen, die sich tagtäglich an dem Bauwerk vorbeiquälen, würden die nötige Aufmerksamkeit auf ein solches Sprayerwerk lenken.
Ehe er sich weiter mit dem Schwallbauwerk beschäftigen und um Unterstützung für seine Idee bei Stadt und Bahn werben kann, befasst sich Jeroo aber in den kommenden Tagen mit einer ganz anderen Aufgabe. Er gestaltet eine Wand der deutschen Botschaft in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston.