Aufforderung zum „Twerken“ bei Ballon-d’Or-Gala Sexismus-Debatte ausgelöst – Moderator entschuldigt sich

Von red/sid 

Die Norwegerin Hegerberg wird als weltbeste Fußballerin ausgezeichnet. Doch ihr gewonnener Ballon d’Or rückt schnell in den Hintergrund als Moderator Solveig sie zum „Twerken“ auffordert. Und eine Debatte auslöst.

Peinlicher Moment zwischen Moderator Martin Solveig und Fußballerin Ada Hegerberg. Foto: AFP 6 Bilder
Peinlicher Moment zwischen Moderator Martin Solveig und Fußballerin Ada Hegerberg. Foto: AFP

Paris - Ada Hegerberg warf ein verächtliches „No!“ in den Festsaal und wandte sich fassungslos ab. Zwar schien später alles wieder in Ordnung zu sein, die Geehrte posierte mit ihrem Goldenen Ball in der Nacht von Paris vor dem Triumphbogen - der sexistische Twerking-Spruch des Moderators Martin Solveig auf der Ballon-d’Or-Gala hatte aber längst einen Aufschrei ausgelöst. Ob sie „twerken“, also beim Tanzen anzüglich mit dem Hintern wackeln könne, hatte der populäre französische DJ die norwegische Spitzenfußballerin auf der Bühne gefragt.

Ein Raunen ging durchs edle Publikum, in der ersten Reihe senkte Weltstar Kylian Mbappe beschämt den Kopf. „Ein weiteres Beispiel für den lächerlichen Sexismus, den es noch immer im Sport gibt“, schrieb als einer von vielen Empörten der zweimalige Wimbledonsieger Andy Murray bei Instagram: „Warum müssen sich Frauen immer noch mit solchem Scheiß abgeben?“ Die Aufregung nahm besonders in den Sozial-Netzwerken große Ausmaße an, obwohl Solveig sich mit einer Entschuldigung aus der Affäre zu ziehen versuchte und Ada Hegerberg gelassen blieb.

Hegerberg will Mädchen Mut machen

Die 23-Jährige, in der Wahl von Fachjournalisten als beste Spielerin der Welt ausgezeichnet, willigte im Grand Palais sogar noch in einen Tanz ohne Hinter(n)gedanken ein. „Ich habe das überhaupt nicht als sexistisch empfunden“, berichtete sie, und sie schrieb bei Twitter: „Welch eine Nacht!“ Solveigs Geschmacklosigkeit wäre ohnehin zutiefst unangemessen gewesen, in direktem Zusammenhang mit Hegerbergs Rede wirkte sie absurd deplatziert. Erstmals war der Goldene Ball auch im Frauenfußball vergeben worden. „Ich will mit einer Aufforderung an alle jungen Frauen enden: Bitte, glaubt an euch!“, hatte Hegerberg gerufen. Dieser Abend zeige allen Mädchen, „dass es möglich ist, große Träume zu haben und diese Träume auch zu verwirklichen“. Im Publikum weinte ihre Mutter vor Glück.

Dann kam Martin Solveig („Ein misslungener Witz“), der sein Verhalten auch auf sein schlechtes Englisch schob. „Er hat sich vollkommen lächerlich gemacht und wie ein Idiot benommen“, schimpfte TV-Experte Jesper Mathisen im norwegischen Fernsehen: „Er ist erledigt.“ Hegerberg, die für Olympique Lyon stürmt und einst zwei Jahre bei Turbine Potsdam spielte, habe das „vorbildlich gelöst. Sie hätte auch wutentbrannt von der Bühne stürmen können.“ Das tat sie nicht. „Ich habe einen Walzer und einen Goldenen Ball bekommen, also was soll’s!“, sagte Hegerberg. „Ich finde, es gibt eine Menge anderer Themen zu diskutieren, wenn wir über sexuelle Belästigung reden.“ Andererseits: Die männlichen Preisträger Luka Modric (Real Madrid/bester Spieler) und Mbappe (Paris St. Germain/bester Spieler unter 21) hatte niemand zum „Twerken“ aufgefordert.