„Potzwellenblech und Stacheldraht“, schimpft Lotta Stefani alias Ritter Rost. Eigentlich würde der Blechritter lieber in seinem Krimi schmökern, als den Schrottplatzkönig Schredder (Alina Peci) festzunehmen. Aber wenn der König ruft, müssen die ritterlichen Pflichten erfüllt werden. „Potzwellenblech und Stacheldraht“, denkt auch so manch einer im Publikum. Denn die Aufführung der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) „Ritter Rost und der Schrottkönig“ ist den Mitwirkenden richtig gut gelungen.
Da ist zum einen die STB Bigband, die den Gesang der Musical-Darsteller begleitet. Die Titel sind ein bisschen swingig, ein bisschen jazzig und manchmal auch ein bisschen bedrohlich-schräg. Allerdings gehen sowohl Text als auch Melodie sofort ins Ohr. Zum anderen beeindrucken auch die Kulissen, für die sich Fabian Krause von der Stadt Sindelfingen ordentlich ins Zeug gelegt hat. Aus Pappe sind eine riesige Ritterburg und ein beleuchteter Kran entstanden, die das Regie-Team anschließend von Hand bemalt hat. Da das „Ritter Rost“-Universum in einer Schrottwelt spielt, wird die Ritterburg von vielen Nieten, Nägeln und Rohren zusammengehalten, die auch in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen.
Dort sind nämlich alle Schrauben und Nieten wie von Zauberhand verschwunden. Das Reich droht buchstäblich in sich zusammenzufallen. Nur Schrottplatzkönig Schredder profitiert von diesem Verlust. Er verdient sich an den ganzen Ersatzteilen, die nun benötigt werden, im wahrsten Sinne des Wortes eine goldene Nase. Sehr verdächtig.
Als König Bleifuß (Philipp Stefani) Ritter Rost beauftragt, Schredder festzunehmen, kommt dieser seinem Auftrag eher widerwillig nach. Denn die beliebte Kinderbuchfigur ist nicht unbedingt das, was man unter einem klassischen Helden versteht.
Vielleicht ist Ritter Rost auch deshalb so beliebt bei den Kindern. Autor Jörg Hilbert hat hier nämlich eine Figur mit Ecken und Kanten geschaffen. Jemanden, der auch mal Angst hat und Fehler macht.
Jörg Hilbert kommt zur Aufführung und ist „wahnsinnig stolz“
Von Fehlern und Angst ist während des Stückes aber zumindest unter den jungen Schauspielern keine Spur zu sehen. Die neun- bis 16-Jährigen singen, schauspielern und tanzen völlig ohne Scheu. Dabei haben die Kids eigentlich allen Grund dazu, nervös zu sein. Nicht nur, dass es die Premiere ist – im Publikum sitzt auch „Ritter Rost“-Schöpfer Jörg Hilbert höchstpersönlich.
Für den geborenen Sindelfinger ist es jedes Mal etwas Besonderes, wenn er sieht, wie seinen Figuren auf einer Bühne Leben eingehaucht wird. „Ich bin wahnsinnig stolz und ganz berührt“, sagt er über die Tatsache, dass Ritter Rost nun in einem Teilort seiner Heimatstadt aufgeführt wird. Die ersten Züge der musikalischen Kinderbuchreihe sind sogar in Sindelfingen entstanden. Und die Stadt hat ihn mit der Aufführung nicht enttäuscht. „Es ist irre, was die Band gemacht hat und was die Kinder auf die Beine gestellt haben“, sagt er. „So eine musikalische Qualität gibt es nicht oft.“ Auch die Kulisse, in die Ritter Rost diesmal einziehen durfte, hat Jörg Hilbert begeistert. „Die Aufführung hat riesengroßen Spaß gemacht.“
Das Wichtigste: „Nicht immer alles erst nehmen und gute Freunde“
Regisseurin Anna-Lena Just zeigt sich am Ende der Premiere sichtlich erleichtert. Viele Monate lang hat sie mit ihren Schützlingen auf diesen Moment hingearbeitet. „Ein Kindermusical mit einer Bigband aufzuziehen, ist eine Herausforderung“, sagt sie. „Aber da war richtig Power dahinter.“
Ritter Rost kann den Fall der verschwundenen Schrauben am Ende übrigens lösen. Allerdings nicht ohne die Hilfe seiner Freunde Burgfräulein Bö (Emma Haas) und Drache Koks (Amelie Döffinger). Denn, wenn Ritter Rost eine Botschaft für den gesamten Saal hat, dann ist das laut Jörg Hilbert folgende: „Man sollte die Dinge nicht immer so ernst nehmen – wichtig ist vor allem, dass man gute Freunde hat.“