Aufgeweckt – Übernachten im Kreis Göppingen: Bett & Velo, Hohenstadt Wo man mit dem drehbaren Hühnerstall erwacht

Von Klaus Nonnenmacher 

Serie – Der Stauferkreis bietet unterschiedliche Schlafgelegenheiten und Unterkünfte – auch außergewöhnliche. Zum Beispiel: Bett & Velo in Hohenstadt.

Der alte Drahtesel vor dem Hof von Anja und Ewald Wasner ist nur Deko. Die Gäste von Bett & Velo können die Umgebung mit modernen E-Bikes erkunden. Foto: Horst Rudel
Der alte Drahtesel vor dem Hof von Anja und Ewald Wasner ist nur Deko. Die Gäste von Bett & Velo können die Umgebung mit modernen E-Bikes erkunden. Foto: Horst Rudel

Hohenstadt - Dieser Schlafplatz hat in Hohenstadt für Furore gesorgt, auch wenn dort nicht die Ferienwohnung untergebracht ist, von der eigentlich die Rede sein soll und später auch die Rede sein wird: Mitten auf der Alb gibt es den drehbaren Hühnerstall. Es handelt sich um zwei Baucontainer, die Ewald Wasner auf dem Drehkranz eines alten und defekten Baukrans aufgesetzt hat. Mit Hölzern eines Abrisshauses wurden die Container beplankt und die Gefache pittoresk ausgefüllt. Von der Unterkonstruktion ist so nichts mehr zu sehen, zumal die Container auch mit jenen Dachziegeln belegt wurden, die von dem ursprünglichen Hühnerstall stammen, der an gleicher Stelle stand. Die Dachrinne ist aus einem alten Telegrafenmasten handgeschnitzt. Obenauf sitzt eine Fotovoltaik-Anlage. Eine selbst programmierte Steuerung richtet das Gebäude so aus, dass sich die Wirksamkeit der Anlage übers Jahr dem Erbauer zufolge um bis zu 30 Prozent erhöht.

Das technische Kleinod zeigt, dass sich die Wasners auch um Details kümmern. Auch die Schuppen, unter denen das Brennholz für die hauseigene CO2 -neutrale Stückholzheizung trocknet, sind mit Solarmodulen bestückt. Zudem fallen bunte Steinmosaike, Metallskulpturen und andere liebvolle Details im sorgfältig angelegten und gepflegten Anwesen auf. „Mein Mann und ich, wir haben immer neue Ideen“, verrät Anja Wasner.

Schmucke Ferienwohnung in einem der ältesten Bauernhäuser im Ort

Kaum zu glauben, dass es sich um eines der ältesten Bauernhäuser im Ort handeln soll. Schon der Uropa von Ewald Wasner hat hier gewohnt, er war übrigens Bürgermeister von Hohenstadt und auch schon ein Energiepionier. Anders als sein tüftelnder Urenkel hat der Vorfahr allerdings Maßstäbe nicht bei der Energieerzeugung, sondern beim Verbrauch gesetzt. Damals war der Wasnerhof der erste im Dorf mit elektrischem Licht.

Glück hat, wer heute in der Idylle wohnen darf, mag man meinen. Doch tatsächlich kann man sich bei den Wasners auch einmieten. Bett und Velo nennt die Familie ihr Angebot. In einem Teil des Gebäudes haben sie vor zwei Jahren eine schmucke Ferienwohnung eingerichtet. Diese glänzt mit Sichtgebälk, moderner Einrichtung, einem Badezimmer das einer Grotte gleicht und einer hellen Küche. 80 Quadratmeter bieten bis zu fünf Personen Platz. Die Preise sind moderat. Sechs Übernachtungen würden eine vierköpfige Familie mit Kindern unter zehn Jahren 270 Euro kosten. Nun versprechen aber die Vermieter nicht nur Betten, sondern auch Velos. Viele Urlauber greifen nämlich gerne auf die Möglichkeit zurück, auf der Albhochfläche gemütlich dahin rollen zu können. So kann man auf dem Hof auch moderne E-Bikes mieten.

Als Ausflugsziele locken natürlich Ulm, der Blautopf, aber auch Wiesensteig, die Höhlen auf der Alb oder die Sommerbobbahn in Donnstetten, der Kletterwald bei Laichingen und natürlich viele, viele Wandermöglichkeiten. „Wir hatten schon Tunnelbauingenieure hier, aber auch Familien oder Radler, die sich am Albtrauf ausgetobt haben“, berichtet Anja Wasner. Demnächst erwartet sie Gäste aus Wuppertal. Diese seien mit einem Elektroauto auf der Durchreise nach Italien und hätten sich den Hohenstädter Hof ausgesucht, weil sie dort CO2-neutral ihre Akkus aufladen könnten, so Wasner.