Die Spur der Verwüstung führt in den Ochsenhau. In dem Waldstück zwischen Althütte und Ebnisee hat der Gewittersturm Ende August derart gewütet, dass dort noch immer ein Bild des Chaos herrscht: Stämme von Fichten, Tannen, Eichen, Buchen, Kiefern und Lärchen liegen kreuz und quer auf dem Boden. Die einen, meist die in den feuchteren Senken, hat der Wind umgeworfen; ihre tonnenschweren Wurzelteller sind aus der feuchten Erde gehebelt worden und ragen nun viele Meter in die Höhe. Andere, auf Kuppen gewachsene Stämme wiederum hielten den Kräften nicht stand, wurden umgeknickt, abgedreht, abgerissen, sind unter der Last einfach gesplittert und geborsten. Hunderte Kronen, Wipfel, Äste und Stämme liegen im Wald.
Besonders betroffen ist der Staatswald. 10 000 Festmeter im Ochsenhau bei Althütte, weitere 3000 Festmeter im Revier am Ebnisee, schätzt Martin Röhrs, Leiter des staatlichen Forstbezirks Schwäbisch-Fränkischer Wald. „Eigentlich ist das hier ein gesunder, stabiler Wald“, sagt er. „Aber die Wirbel des Gewittersturms haben die Bäume in alle Richtungen geworfen.“ Verhältnismäßig viele Laubbäume seien dabei, deren dicht belaubte Kronen stärker dem Wind ausgesetzt waren, als wenn es wie sonst im Winter oder Frühjahr stürmt.
Finanzieller Schaden ist groß
Auch der finanzielle Schaden ist nicht unerheblich: Holz, das eigentlich einen Wert von rund anderthalb Millionen Euro hätte, ist nur noch knapp die Hälfte wert, schätzt Röhrs. „30 bis 40 Prozent sind gesplittert, geborsten und damit unverwertbar – die bleiben im Wald liegen.“
Die Aufräumarbeiten werden wohl noch Wochen, eher Monate dauern. Momentan ist das Gebiet großräumig gesperrt,etwa 100 Hektar. Für Waldbesucher herrscht hier Lebensgefahr, sie müssen sich gedulden. Denn noch immer können Äste, die bislang nur angeknackst sind, vollends herabstürzen. „Teilweise hängen ganze Bäume noch auf ihren Nachbarn drauf, sie können jederzeit bei leichtem Wind oder wenn sich der Boden durch Niederschläge aufweicht ganz umstürzen“, so Röhrs. Kritische Bereiche seien extra mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrt, Schilder weisen zusätzlich auf die Gefahren hin.
Der Sturm hat auch in städtischen Wäldern Schaden angerichtet. Jürgen Baumann, der beim Forstamt unter anderem für dem Bereich Privatwald zuständig ist, schätzt den Schaden im Kommunal- und Privatwald auf rund 5000 Festmeter. „Stark betroffen sind neben Althütte auch der Murrhardter Stadtwald.“ Auch hier sind die Profis in den kommenden Wochen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. „Es gibt nichts Gefährlicheres als Sturmholz aufzuarbeiten“, so Baumann. Äußerste Vorsicht sei hier geboten. Eine Warnung geht an Privatwaldbesitzer: „Laien verkennen leicht die Gefahren von Bäumen, die unter Zug und Spannung stehen.“
Sicherheit vor Schnelligkeit
Privatwaldbesitzer sollten sich also nicht zu viel zutrauen und beim leisesten Zweifel unbedingt professionelle Hilfe suchen und sich zuerst an den zuständigen Förster wenden, bevor sie es mit der Motorsäge selbst versuchen – sonst bezahle man den Leichtsinn unter Umständen mit seinem Leben. „Auch für Profis ist die Arbeit mit Sturmholz äußerst gefährlich“, betont Baumann. „Aber sie haben die richtigen Maschinen und die entsprechende Erfahrung um einzuschätzen, wie man mit Sturmholz umgeht.“ Dennoch komme es im Land nach Stürmen immer wieder zu tragischen Unfällen.
Auch für Martin Röhrs gilt die Devise: Sicherheit kommt vor Schnelligkeit. „Was wir mit Maschinen machen können, das machen wir mit den Maschinen.“ Hilfreich seien da besonders die großen, tonnenschweren Vollernter, so genannte Harvester, die Stämme mit ihren langen Teleskoparmen aus möglichst sicherer Entfernung greifen und absägen können. Auch Zangenschlepper und Transporter mit Seilwinden kommen zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe wird das Holz an die Rückegassen gezogen, diese befinden sich etwa alle 40 Meter im Wald und dienen bei der Holzfällerei als Wirtschaftswege.
Wege werden nach und nach freigegeben
Apropos planmäßige Holzfällerei: Die ist erst mal ausgesetzt, solange das Sturmholz aufgearbeitet werden muss. „Das Sturmholz und auch das vom Borkenkäfer befallene Schadholz haben erst mal Vorrang – ich schätze, dass wir noch bis Ende des Jahres damit beschäftigt sind“, sagt Röhrs. „Die Wege bleiben grundsätzlich bis zum Abschluss der Aufarbeitung gesperrt.“ Sie würden aber sukzessive mit fortschreitender Aufarbeitung freigegeben, um insbesondere wieder Rundwege zu ermöglichen.
Dass die betroffenen Flächen danach umfangreich aufgeforstet werden müssten, davon geht Röhrs nicht aus. Auf einem kleinen Abschnitt würden versuchsweise klimaresiliente Tulpenbäume gesetzt. Aber ansonsten wachse Jungwald nach: „Da müssen wir nur Geduld haben – die Natur heilt sich selbst.“