Aufregung auf den Fildern Rauswurf der Bienen schlägt hohe Wellen

Aus einem Naturschutzgebiet auf den Fildern wurden Honigbienen verbannt. Das Vorgehen löst Aufregung bei unseren Lesern aus. Im Internet wird das Thema rege diskutiert – aber längst nicht nur dort...

Das Argument der Stadt: Honigbienen nehmen den Wildbienen den Blütenstaub weg, Foto: dpa
Das Argument der Stadt: Honigbienen nehmen den Wildbienen den Blütenstaub weg, Foto: dpa

Filder - Es herrscht Aufregung nach der Nachricht, dass die Stadt Stuttgart Hobbyimker aufgefordert hat, ihre Bienenkästen aus einem Naturschutzgebiet bei Plieningen zu entfernen. Die Honigbienen seien als „landwirtschaftliche Nutztiere“ einzuordnen, die den Wildbienen Konkurrenz machen, heißt es.

Diese Nachricht wurde online tausendfach geteilt. Und etliche Leserbriefe zum Thema haben unsere Zeitung erreicht. Leute bieten den Bienen Asyl in ihrem Garten an – oder den Imkern juristische Unterstützung. Aber auch in den Online-Netzwerken wie Facebook tauschen sich die Menschen darüber aus, wer hier recht hat. Der Bau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold sah sich veranlasst, am vergangenen Freitag – dem Tag der Berichterstattung – in einer Mitteilung Stellung zu beziehen. Für die Wildbienen. Mit den Imkern will die Stadt nach Lösungen suchen.

Mitleid mit den Wildbienen

Bei der Diskussion im Internet zu dem Thema gibt es durchaus Stimmen, die die Sache sehen wie die Stadt. Sie äußern Mitleid mit der Wildbiene. Jens E. zum Beispiel: „Es ist generelles Insektensterben im Gange, die Honigbiene ist nicht gefährdet auszusterben. Wildbienen und andere Insekten jedoch schon. Die Honigbiene macht den Wildbienen sogar Konkurrenz.“

Die meisten kommentieren den Artikel aber ratlos. Sie posten Smileys, die die Augen verdrehen, oder Äffchen, die sich die Pfoten vors Gesicht schlagen. „Was ist denn das für ein Unsinn? Wir brauchen die Bienen dringender denn je“, schreibt Gudrun D., Carmen K. sieht das ebenso: „Es sollte doch jeder in der Zwischenzeit verstanden haben, dass wir Menschen die Bienen zum Überleben brauchen.“

Eberhard Wulle, dessen Bienen fast 30 Jahre in dem Naturschutzgebiet Blütenstaub gesammelt haben, hat seine Kästen inzwischen weggebracht. Er sagt, es lohne sich nicht, sich zu widersetzen.

Die Stadt hatte als Frist Montag, 7. Mai, gesetzt. Just an jenem Tag war Bürgerversammlung in Plieningen. Ein perfekter Zeitpunkt für den Plieninger Imker und Biologe Helmut Horn. In Richtung des Oberbürgermeisters Fritz Kuhn und der sechs Bürgermeister der Stadt Stuttgart sagte er: „Die Leute in der Verwaltung haben keine Ahnung von Bienenhaltung.“ Man könne Bienen nicht von einem Tag auf den anderen einfach so versetzen; es sei zunehmend schwierig, neue Orte zu finden. „Ich frage mich schon, wo wir Bienen halten sollen, wenn nicht am Rande eines Naturschutzgebiets?“, sagte Horn.

Der OB war alles andere als begeistert

Der OB Fritz Kuhn gab zu, dass er alles andere als begeistert war, als er von dem Schreiben seiner Mitarbeiter gehört hatte: „Als ich das Thema spitz bekommen habe, habe ich mich gefragt, wer mir denn am Tag der Einwohnerversammlung ein solches Ei ins Nest legt.“ Auch Bürgermeister Peter Pätzold räumte ein, dass das Vorgehen der Stadt alles andere als optimal gewesen sei: „Der Bescheid mit dieser Frist war unglücklich.“ Künftig wolle die Stadt in solchen Fällen bürger- und bienenfreundlicher handeln. „Es macht keinen Sinn, dass es in Hohenheim eine Landesanstalt für Bienenkunde gibt, dort aber keine Honigbienen mehr gehalten werden dürfen.“ Die Konkurrenz zwischen den Wild- und Honigbienen sei trotz allem ein Problem. Man wolle sich nun mit Bienenkundlern aus Hohenheim und Vertretern des Regierungspräsidiums zusammensetzen.

Die Aufregung im Plieninger Naturschutzgebiet hat es Anfang der Woche auch ins Fernsehen geschafft. Am Montag waren Reporter des Südwestrundfunks vor Ort und haben mit Eberhard Wulle gedreht. Ausgestrahlt wurde die Sendung am Montagabend. Darin erklärt der Hobbyimker noch einmal, wie geschockt er von der Aufforderung gewesen sei. Nach 28 Jahren „kommt das so hoppladihopp“, sagte er in dem SWR-Beitrag.

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