Stuttgart - Das Thema war Chefsache beim Deutschen Roten Kreuz. Eindringlich appellierte die DRK-Spitze an alle Gliederungen, bei den Corona-Impfungen unbedingt den Risikogruppen den Vortritt zu lassen. Keinesfalls dürften sich Rotkreuz-Leute vordrängeln, die noch nicht an der Reihe seien. Das widerspräche ihrer „Vorbildfunktion“ und würde dem Ansehen des DRK „ganz erheblich schaden“. Anlass der Mahnung war ein Vorfall beim DRK Hamburg, der zur Ablösung eines Kreisgeschäftsführers führte. Nun gibt es am anderen Ende der Republik ganz ähnliche Turbulenzen. Beim Kreisverband Bad Säckingen wurden Ende Januar die ersten Rettungskräfte geimpft. Im Impfzentrum Waldshut ließen sich aber auch mehrere Verwaltungsmitarbeiter spritzen, vorneweg die Kreisgeschäftsführerin. Vom Personalchef hatte sich die ausschließlich im (Heim-)Büro tätige 53-Jährige dafür bescheinigen lassen, sie sei „in der Abteilung Rettungsdienst in der Notfallrettung“ beschäftigt.
Geschäftsführerin für die „Notfallreserve“
Wie konnte das sein, wo noch nicht einmal alle Retter geimpft waren? Und warum hatte man die angebliche Rettungskraft noch nie im Einsatz gesehen? Kollegen waren empört und wandten sich anonym an die DRK-Bundesspitze. „Der Kessel kocht“, schrieben sie nach Berlin. Dort nahm sich der Generalsekretär persönlich der Aufklärung an.
Inzwischen liefert der Kreisverband eine Erklärung, die zumindest plausibel klingt. Man habe eine „Notfallreserve“ für den Rettungsdienst bilden wollen, sagt der Vorsitzende Peter Hofmeister. Krankheitsausfälle oder Streiks während der laufenden Tarifverhandlungen könnten schließlich zu Engpässen führen. Zu dieser Reserve zähle auch die Kreisgeschäftsführerin, die als gelernte Pflege-Expertin alle Vorgaben erfülle. In Absprache mit ihm habe sie sich impfen lassen, die Abläufe seien „völlig transparent“. Erst danach habe das Stuttgarter Sozialministerium klargestellt, dass zunächst nur Helfer mit direktem Patientenkontakt geimpft werden dürften. Wenn es einen Fehler gegeben habe, sagt Hofmeister, dann bei ihm. Beim DRK Baden in Freiburg sieht man keinen Anlass, an den Angaben der Säckinger zu zweifeln. Das letzte Wort der Bundesspitze steht noch aus.