Aufregung um Doku „Eine andere Freiheit“ Til Schweiger wird Querdenker-Held

Im Trailer zu „Eine andere Freiheit“ bietet Schweiger dramatische Verzweiflung. Foto: dpa/Trailer
Im Trailer zu „Eine andere Freiheit“ bietet Schweiger dramatische Verzweiflung. Foto: dpa/Trailer

Im Trailer zum Dokumentarfilm „Eine andere Freiheit“ kämpfen Schauspielerinnen und Schauspieler gegen die Covid-19-Impfung für Kinder. Die Querdenker jubeln.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Die Querdenker jubeln: „Til Schweiger schweigt nicht mehr“ wird auf Facebook verkündet, als sei ein großes Licht in dunkler Nacht entzündet worden. Der Trailer für „Eine andere Freiheit“ ist da, für einen österreichischen Dokumentarfilm, der sich dem Reizthema der Covid-19-Impfungen von Kindern und Jugendlichen widmet. Im Trailer lässt der in dramatischem Schwarz-weiß gefilmte Schweiger keinen Zweifel an seiner Position: „Und die Gefahr von so ’ner Impfung, die man nicht erforscht hat, ist ungleich höher als der Virus selber, deswegen halte ich das persönlich für entsetzlich.“ Sein Blick geht an der Kamera vorbei ins Leere, als sehe er das Ende der Menschheit heraufziehen.

Was Schweiger da behauptet, ist zwar medizinischer Unfug. Aber man befragt Schauspieler ja nicht, um Laborwerte aufgesagt zu bekommen, sondern um ein zum Mitfühlen anregendes menschliches Gesicht auf Slogans zu kleben. Schweiger stützt seinen Kopf, als müsse er eine große innere Verzweiflung an der völligen Übernahme seiner Mimik hindern, bevor er verkündet, das Grundgesetz sei „mehr oder weniger außer Kraft gesetzt worden“.

Klare Haltung gegen Impfung

Anders als die Aktion #allesdichtmachen im April 2021, bei der 50 Schauspielerinnen und Schauspieler die Reaktionen von Politik und Medien auf die Corona-Krise verhöhnten, ist „Eine andere Freiheit“ keine Satire. Das Regieteam Patricia Marchart und Georg Sabransky bemüht sich gar, den Anschein offener Herangehensweise zu erwecken. Man wolle, heißt es, die unterschiedlichsten Positionen und wissenschaftlichen Informationen beleuchten. Spätestens die Links auf der Website zum Film machen aber klar, dass das Team eine klare Position hat. Die Links bieten die Auswahl zwischen konzilianter und polemisch formulierter Impfablehnung.

Im Trailer kommen auch Psychiaterinnen und Mediziner zu Wort, wobei auffällt, dass die Impfbefürworter viel vorsichtiger formulieren als die Gegner. Das spricht für ihren faireren Umgang mit den Restrisikofragen. Aber es gibt ihrer Position auch dadurch einen Zug von Schwäche, dass die Laien – neben Schweiger etwa die Schauspielerinnen Nina Proll und Miriam Stein sowie die Opernsängerin Nina Adlon – noch viel forscher, selbstgewisser und polemischer Impfablehnung formulieren als jeder Mediziner.

Der Film, an dem übrigens auch der #allesdichtmachen-Organisator Dietrich Brüggemann beteiligt ist, wurde mit Spendengeldern gedreht. Hinter dem Phantom der Zwangsimpfung für alle und dem irrwitzig falschen Gegensatzpaar von Impfung und Freiheit, die hier beide für die Werbung zum Einsatz gebracht werden, verbirgt sich eine nicht auf Corona-Maßnahmen beschränkte Geisteshaltung. In der Ich-Gesellschaft wird die eigene Befindlichkeit zum einzig gültigen Maßstab.

Es gibt Gegenwind

Allerdings gibt es bereits Gegenwind in den sozialen Medien. Der österreichische Physiker, Wissenschaftsjournalist und Buchautor Florian Aigner („Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“) etwa zerpflückt auf Twitter Scheinargument um Scheinargument des „Eine andere Freiheit“-Trailers. Aigner kommt zu dem Schluss, dies sei „gezielte Verbreitung von Fake News, gezielte Irreführung der Bevölkerung. Und das ist in einer Demokratie brandgefährlich.“




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