Aufruf auf Pädophilen-Portal Christopher Street Day Stuttgart distanziert sich deutlich

Gegner und Befürworter des neuen Bildungsplans sind am Samstag in der Stuttgarter Innenstadt aufeinander  gestoßen. Foto: Achim Zweygarth
Gegner und Befürworter des neuen Bildungsplans sind am Samstag in der Stuttgarter Innenstadt aufeinander gestoßen. Foto: Achim Zweygarth

Ein Internetportal der Pädophilenszene hat dafür geworben, die „Kundgebung für Vielfalt“ zu besuchen. Die Interessengemeinschaft Christopher Street Day, die die Demo angemeldet hatte, distanziert sich von diesem Aufruf.

Lokales: Viola Volland (vv)
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Stuttgart - Unter die Teilnehmer der „Kundgebung für Vielfalt“ für den Bildungsplan der Landesregierung am vergangenen Samstag könnten sich Angehörige der Pädophilienszene gemischt haben. Am Mittwoch hat sich die IG CSD, die die Kundgebung auf dem Marktplatz angemeldet hatte, deutlich von der Pädophilenszene distanziert. „Kein Platz für Pädophilie!“ ist eine entsprechende Pressemitteilung überschrieben. Der Vorstand der IG, Christoph Michl, erläuterte, man aber erst im Nachhinein erfahren, dass hinter einem entsprechen Aufruf, an der Kundgebung teilzunehmen, ein in Pforzheim betriebenes Portal der Pädophilenszene steckte. Dazu zählende Anhänger jener Gruppierung hätten sich bei der Demo in Stuttgart aber nicht zu erkennen gegeben.

Der CSD fühlt sich von sachfremden Interessen vereinnahmt

Ausgerechnet vom politischen Gegner hatte der Veranstalter von dem Aufruf erfahren. Sie hätten auf ihrer offiziellen CSD-Facebook-Seite allen Kundgebungsteilnehmern gedankt, berichtet Michl. Daraufhin habe ein rechtskonservatives Internetportal in einem Kommentar geschrieben, ob das auch für die Pforzheimer Seite gelte. Dabei wurde der Name des Portals der Pädophilenszene genannt, der für Nichteingeweihte harmlos klingt. Bei der IG CSD sei der Name niemandem ein Begriff gewesen, versichert Michl. Deshalb hätten auch nicht sofort die Alarmglocken geschrillt. Inzwischen haben sich die Verantwortlichen informiert – deshalb auch die Distanzierung „mit Nachdruck und in aller Deutlichkeit“ sowohl über die Pressemitteilung als auch auf der Internetseite.

Die IG CSD verwahre sich gegen die mit dem Aufruf verbundene Vereinnahmung durch völlig sachfremde Interessen, heißt es in der Erklärung. Die Sichtweise und die Belange pädophiler Menschen gehörten nicht in diesen Kontext. Sexueller Missbrauch an Kindern sei „nicht tolerierbar“. Man trete für Vielfalt ein, das Thema Pädophilie habe damit nichts zu tun. „Toleranz hört auf, wenn der rechtsstaatliche Boden verlassen wird“, betont Michl.

Sowohl das Pforzheimer Portal als auch der Betreiber seien der Polizei bekannt, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Karls­ruhe auf Anfrage. Es habe in der Vergangenheit Ermittlungen gegeben. Die Sache sei nach wie vor in der Schwebe, äußerte sich der Sprecher zurückhaltend.

Verständnis für die Distanzierung

Der Betreiber des Portals selbst bestätigt den Aufruf. Er selbst sei aber nicht bei der Demo gewesen und könne auch nicht sagen, wie viele Pädophile seinem Aufruf gefolgt seien. „Ich habe ein gewisses Verständnis, wenn die sich distanzieren müssen“, sagt er zu der Haltung des CSD.

Am Samstag hatten in Stuttgart sowohl Befürworter als auch Gegner des Bildungsplans demonstriert. Zu der Demo der Gegner auf dem Schlossplatz waren nach Polizeiangaben 800 Menschen gekommen. 400 Polizeibeamte waren im Einsatz.

Die grün-rote Landesregierung strebt mit ihrem Bildungsplan 2015 an, den Schülern Werte wie Respekt, Toleranz und Weltoffenheit zu vermitteln. Auch Wissen über sexuelle Vielfalt soll im Lehrplan verankert werden – und zwar fächerübergreifend. Letzteres wollen die Gegner verhindern.




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