Aufruf zu Engagement Allein unter Müttern – Stuttgarter ruft Vatertreff ins Leben

Bruno Fritzsche mit seinem Sohn Hugo auf einer Schaukel Foto: privat

Er wollte nicht nur Zuschauer im Familienleben sein: Bruno Fritzsche startete einen Vätertreff und ruft beruflich und privat zu mehr Engagement auf.

Als sein Sohn Hugo im Dezember 2023 zur Welt kam, war für Bruno Fritzsche schnell klar, dass sich sein Leben grundlegend verändern würde. „Ich wollte nicht der Vater sein, der erst um 18 Uhr nach Hause kommt und dann vielleicht mal den Müll rausbringt. Ich möchte wirklich am Leben meines Sohnes teilhaben“, sagt der 39-jährige Stuttgarter. Teilhaben bedeutet für ihn mehr als bloße Anwesenheit. Es geht um Verantwortung, sagt er. „Um Care-Arbeit, um echte Präsenz im Alltag“, erklärt der Gründer und Geschäftsführer der Stuttgarter Filmagentur Hawkins, die ihren Sitz in Stuttgart-West hat.

 

Vor allem bekannte Frauen werden in der Öffentlichkeit oft nach dem Thema Beruf und Familie gefragt. Fritzsche findet, dass sich das ändern sollte und sieht auch die Männer stärker in der Pflicht. Seit 2023 ist er etwa auf der Plattform LinkedIn aktiv – nicht nur, um über berufliche Projekte zu berichten, sondern auch, um seine Haltung zu Familie und Arbeit zu zeigen. Dort kritisierte er vor Kurzem, Care-Arbeit werde „wie ein Hobby“ behandelt. Er habe unterschätzt, „wie traditionell es in vielen Familien offenbar immer noch zugeht.“

In den ersten Monaten nach der Geburt besuchte er mit Hugo mehrere Krabbelgruppen. Die Erfahrung war prägend: „Ich war dort immer der einzige Vater vor Ort.“ Für ihn ist das kein Zufall. Viele Treffen fänden vormittags unter der Woche statt, „wohl auch deswegen sind dort weniger Väter zugange“. Das habe er nicht einfach so stehenlassen wollen, sondern er wollte den Kontakt zu anderen Papas suchen. „Ich wollte aber nicht nur jammern, sondern selbst etwas tun, und habe dann beschlossen, einen Vätertreff zu gründen.“

Ort des Treffens

Was mit drei Teilnehmern begann, ist inzwischen auf 25 Väter angewachsen. „Wir sind kein Verein, es gibt auch kein Business, es ist einfach nur ein Treffen – kostenlos“, betont Fritzsche. Sie treffen sich jeden Samstag von neun bis elf Uhr, meist auf dem Spielplatz „Wolfschlugener Straße“, einmal im Monat auch im Vereinsgebäude des Degerlocher Frauenkreises.

Bei einem der Vätertreffen von Fritzsche Foto: privat

Inhaltlich geht es um weit mehr als lockere Gespräche. „Der Austausch mit anderen Vätern ist mir total wichtig, und wir sprechen über viele Themen, die junge Eltern betreffen. Zum Beispiel über Impfungen, Grippe oder Kinderbetreuung. Das ist schon mehr als einfach nur abhängen auf dem Spielplatz.“ Er beschreibt die Treffen als geschützten Raum: „Irgendwie ist es gewissermaßen ein Safe Space für Väter.“

Frauen dürfen auch kommen

Grundsätzlich seien auch Mütter oder Großmütter willkommen. „Die will ich gar nicht ausschließen, aber ich war vor allem auf der Suche nach dem Austausch mit anderen Vätern.“

Fritzsche ist seit 2014 selbstständig. Acht Festangestellte arbeiten für ihn, insgesamt umfasst das Team 15 Personen. „Die verlassen sich auf mich. Ich habe viel Verantwortung.“ Trotzdem habe er es geschafft, seinen Arbeitsrhythmus zu verändern. „An manchen Tagen höre ich um 14 Uhr auf zu arbeiten und versuche, Telefonate und andere Arbeitsfragen auf den Abend zu legen und vormittags die wichtigen Dinge zu klären.“ Das sei ein Lernprozess für ihn gewesen. „Wenn es nicht dringend ist, rufe ich später zurück. Und ich habe gelernt: Die Zeit mit meinem Sohn geht für mich eigentlich immer vor.“

Auf LinkedIn teilt der Unternehmer nicht nur berufliche Informationen, sondern auch seine privaten Erfahrungen als Vater. Foto: privat

Für Fritzsche ist sein Engagement mehr als eine private Entscheidung. „Männer sollten sich stärker einbringen, davon bin ich überzeugt.“ Die entscheidenden Gespräche fänden zu Hause statt. „Das Bewusstsein für Gleichberechtigung muss am Küchentisch entstehen.“ Man finde Wege, sagt er, und es gebe viele Kompromissmöglichkeiten. „Wir brauchen ein Umdenken.“ Aber auch die Politik sieht er stärker in der Pflicht. Es gebe zu wenige Anreize, um traditionelle Rollenverteilungen aufzubrechen.

Er bezeichnet sich selbst als „Hardcore Optimist“. Trotz angespannter wirtschaftlicher Lage glaubt er an Gestaltungskraft, auch wenn ihm seine eigene privilegierte Lage durchaus bewusst sei. „Ich fand, wir sollten weniger schimpfen und mehr einfach machen. Das Thema Aktionismus beschäftigt mich total. Es braucht immer jemanden, der einen Stein ins Rollen bringt.“

Treffpunkt der Gruppe

Ort und Zeit
Der Vätertreff findet samstags von 9 bis 11 Uhr auf dem Spielplatz „Wolfschlugener Straße“ statt (Dettenhäuser Straße 15). Am 1. Samstag im Monat findet das Treffen außerdem im „Degerlocher Frauenkreis“ (Große Falterstraße 6) statt. Kontakt: vaetertreff-degerloch@gmx.de.

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