Freiburger Tierpark Erdmännchen Stuttgart ist ungewollt Single

Der letzte seiner Art im Mundenhof in Freiburg: das Erdmännchen Stuttgart. Foto: Verena Münch, Mundenhof
Der letzte seiner Art im Mundenhof in Freiburg: das Erdmännchen Stuttgart. Foto: Verena Münch, Mundenhof

Im Tierpark Mundenhof ist ein Erdmännchen namens Stuttgart der letzte Kerl im Gehege. Mit seiner Liebsten hat er sich gut verstanden – bis sie mysteriöserweise verschwand. Wie es für das Erdmännchen nun weitergeht.

Seite Drei: Christine Keck (kek)

Freiburg - Alle Hoffnungen ruhen auf Stuttgart, er soll die Sache mit dem Nachwuchs klarmachen. Der wuselige Sympathieträger ist fünf Jahre alt, isst gerne Mehlwürmer und ist der letzte Kerl der Erdmännchen-Kolonie im Freiburger Tierpark Mundenhof. Stuttgart heißt er, weil er in der Wilhelma geboren und schon als Jungspund ins Badische verschickt wurde. „Wir hatten gedacht, dass klappt alles mit der Nachzucht“, sagt Tierpark-Chefin Susanne Eckert und erzählt von Stuttgarts wunderbarer Partnerin. Ein Alphaweibchen, eine, die sich in der umtriebigen Sippe durchgesetzt hatte, eigentlich die ideale Garantin für den Fortbestand der Erdmännchen in Freiburg.

Doch es kam anders. Über Nacht war die Alphafrau in dem Tiergehege verschwunden, das war Anfang November. Sie lag nicht unter einer der Wärmelampen in den nachgebauten Termitenhügeln, die an die afrikanische Halbwüste erinnern. Sie hatte sich nicht ins Stallgebäude zurückgezogen und war auch nirgendwo im Außenbereich mit seinen Wasserstellen zu sehen.

Stuttgart faulenzt unter der Wärmelampe

„Wir dachten anfangs, das ist ein gutes Zeichen“, sagt Eckert. Ein schwangeres Weibchen verkriecht sich üblicherweise in dem weitläufigen unterirdischen Gängesystem und lässt sich von ihrem Partner mit Futter versorgen. Stuttgart jedoch blieb untätig, er faulenzte lieber unter der Wärmelampe. „Der hat sich nur um sich selber gekümmert und zeigte keinerlei Trauer“, blickt Eckert zurück.

Die Suche nach dem Weibchen blieb erfolglos. Hat sich ein Greifvogel in der nach oben offenen Anlage eine Beute geholt? Ist der Fuchs eingedrungen? Oder hat ein Parkbesucher mit dem Verlust zu tun? „Wir schließen im Grunde aus, dass sie noch im Gehege ist“, sagt die Tierpark-Leiterin und ist ein klitzekleines bisschen sauer auf Stuttgart. „Er war kein guter Wächter, wenn die Chefin jetzt verschwunden ist.“

In Hessen wartet ein Alphaweibchen auf den Single

Für den Single Stuttgart gibt es einen Plan B. Er geht bald auf große Reise ins Hessische. Dort wartet eine neue Liebschaft auf ihn, ein Alphaweibchen im besten Fortpflanzungsalter, momentan noch ohne Partner.

Auch für den Mundenhof gibt es einen Plan B. Man könne viel lernen von den Sympathieträgern, die im Gruppenverband mit klaren Hierarchien leben, weiß die Tierpark-Leiterin. „Da entscheidet sich immer das Weibchen, mit wem sie sich paart. Sie ist die Chefin.“ Auch künftige Besucher sollen die Gelegenheit bekommen, mehr über das Liebesleben der Schleichkatzen zu erfahren und sie beobachten zu können. Vermutlich im Frühjahr gibt es wieder Zuzug in der Anlage, das junge Paar ist schon gefunden.

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