Aufruhr in „Bullerbü“ Ein Mahnmal in Björn Höckes Nachbargarten

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Das Zentrum für politische Schönheit kennt keine Gnade: Die Aktivisten haben AfD-Rechtsaußen Björn Höcke ein Miniatur-Holocaust-Mahnmal vor die Haustür gestellt. Dieser will jetzt rechtliche Schritte einleiten.

Holocaust-Mahnmahl vor dem Höcke-Haus. Foto: dpa 4 Bilder
Holocaust-Mahnmahl vor dem Höcke-Haus. Foto: dpa

Bornhagen - Der AfD-Politiker Björn Höcke hat am Mittwoch in seinem Heimatdorf Bornhagen ein ihm gewidmetes Geschenk der besonderen Art direkt vor seine Haustür gepflanzt bekommen: Ein Holocaust-Mahnmal in Miniaturform, das der Gedenkstätte der ermordeten Juden in Europa in Berlin nachempfunden ist. Verantwortlich dafür sind die Aktionskünstler vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS), das mit der Aktion auf Höckes Rede in Dresden im Januar 2017 anspielt. Dieser kritisierte, Deutschland habe sich ein „Denkmal der Schande in die Hauptstadt“ gestellt und forderte eine „Wende der Erinnerungskultur um 180 Grad“.

Björn Höcke, der seine Heimatregion und seine Kindheitserinnerungen daran neulich in einem Interview als beschauliches „Bullerbü“ bezeichnete, findet die Aktion überhaupt nicht gelungen. Im Gegenteil: Der Thüringer AfD-Chef, der auch in der eigenen Partei umstritten ist, will rechtliche Schritte gegen das ZPS einleiten.

Das Zentrum für Politische Schönheit hat 24 Betonstelen vor dem Garten des AfD-Rechtsaußen aufgestellt. Das Mahnmal steht auf dem direkten Nachbargrundstück zu Björn Höcke, das die Aktionskünstler heimlich angemietet hatten. Baukosten und Instandhaltung sollen durch Spenden finanziert werden. Ihr Vorgehen begründet die Gruppe damit, dass sie Björn Höcke dazu bringen will, einen Kniefall vor einem der Holocaust-Mahnmale – in Berlin oder in Bornhagen – zu machen, wie einst Willy Brandt, um für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs um Vergebung zu bitten. Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS, sagte, die Erinnerung müsse „gerade in den braunen Ecken des Landes in Beton gegossen werden.“

Kniefall vor dem Mahnmal gefordert

Die Frage nach der Legalität des Vorgehens könnte nicht nur wegen der Inbetriebnahme des Mahnmals umstritten sein. Nach eigenen Angaben beobachtet das ZPS Höcke seit zehn Monaten vom Nachbarzaun aus bei seinen Privataktivitäten. Sollte Höcke den Kniefall vor dem Holocaust-Mahnmal verweigern, droht das Kollektiv außerdem damit, „aufschlussreiche Dossiers“ über Höcke zu veröffentlichen.

Aktualisierung: Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag in Erfurt bekräftigte der thüringische Landesprecher der AfD, Stefan Möller, juristisch gegen das ZPS vorzugehen. „Das ist Stalking. Da ist eine Grenze überschritten“, sagte er. Eine Familie werde hier mit „Nazi-Methoden“ eingeschüchtert. Dass Höcke, der sich selbst zu dem Vorfall noch nicht geäußert hat, der Kniefall-Forderung nachkommen könnte, hält Möller für ausgeschlossen: „Man geht doch nicht vor Straftätern in die Knie.“