Aufstieg eines Traditionsvereins Das Comeback des TSVW Esslingen
Vier Jahre nach dem kompletten Rückzug und zehn Jahre nach dem Abstieg kehrt der TSVW Esslingen in die Kreisliga A zurück – und will bleiben.
Vier Jahre nach dem kompletten Rückzug und zehn Jahre nach dem Abstieg kehrt der TSVW Esslingen in die Kreisliga A zurück – und will bleiben.
Dass das mit der Meisterfeier nicht wie geplant hinhaute, wird in der langen und bewegten Geschichte der Fußballer des TSVW Esslingen irgendwann eine Randnotiz sein. Als wichtiges Ereignis in der Historie aber wird bleiben, dass der Verein am Ende der Saison 2025/2026 in die Kreisliga A zurückgekehrt ist. Die Kicker erlebten das zu einem guten Teil am Spielfeldrand des Verfolgerduells zwischen dem TSV Baltmannsweiler und Odyssia Esslingen (5:3) mit, sie selbst wurden in der Staffel 1 der Kreisliga B kampflos Meister, weil der TSV Scharnhausen nicht antrat.
Die wichtigsten Jahreszahlen des TSVW der jüngeren und etwas weiter zurückliegenden Geschichte im Schnelldurchlauf: 1994 – Aufstieg in die Oberliga; 1998 – Abstieg aus der Oberliga; 2000 – Abstieg aus der Verbandsliga; 2015 Abstieg aus der Bezirksliga; 2016 – Rückzug aus der Kreisliga A; 2022 – Abmeldung der Mannschaften vom Spielbetrieb; 2023 – Wiedereinstieg in der Kreisliga B; 2026 – Aufstieg in die Kreisliga A.
„Schade, aber wir feiern nun eben nach dem großen Finale am letzten Spieltag“, sagt Abteilungsleiter Fabian Keller. Dazu erwartet der TSVW am Samstag (16 Uhr) den TSV Berkheim II auf dem Kunstrasen am Schulzentrum Nord. Keller sagt auch: „Schön, dass die Arbeit Früchte trägt.“ Und: „Wir setzen weiter auf den eigenen Nachwuchs und wollen uns in der Kreisliga A etablieren.“ Um der Jugend einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen, meldet der Verein zur kommenden Saison wieder eine zweite Mannschaft an.
Keller ist zweifellos einer der Väter des Comebacks. Als der TSVW am Boden lag, übernahm er im Jahr 2022 die Abteilungsführung und leistet seither mit seinen Mitstreitern Aufbauarbeit. Die erste und schmerzliche Maßnahme war die Abmeldung der Mannschaften. Andere Erfolgsgaranten sind Nachwuchskoordinator Polat Orhan und Hamdi Dagdelen. Der frühere Spieler unter anderem der Stuttgarter Kickers und des FV Neuhausen ist seit dem Beginn der Saison Trainer – und führte die Mannschaft fast ohne Zugänge und früher als geplant in die Kreisliga A. Das Team kassierte nur eine Niederlage – 2:3 gegen den TSV RSK Esslingen II –, im Jahr 2026 gab es bislang keinen Punkt ab, Kadir Kececi führt die Torjägerliste mit 31 Treffern deutlich an. „Die Talente hatten wir. Es fehlte jemand, der weiß, an welchen Stellschrauben man drehen muss“, sagt Keller über den 45-jährigen Coach und ist froh, mit ihm frühzeitig und „langfristig“ verlängert zu haben.
Keller ist stolz auf das Erreichte. Die Zukunft geht er mit einer Mischung aus Selbstvertrauen und Respekt an. „Wir haben in Testspielen gegen A- und Bezirksligisten gut ausgesehen“, erklärt er und glaubt, dass die Mannschaft auch ohne große Verstärkungen in der Kreisliga A bestehen kann. Stand heute bleiben alle, Zugänge sind bislang nur für das zweite Team geplant – denn die jetzt 35 Spieler sind zwar eine Menge, aber für zwei Mannschaften nicht ganz ausreichend.
Gleichzeitig erklärt der Abteilungschef: „Die wirkliche Herausforderung kommt erst jetzt. Wir werden nicht mehr oft zehn Tore schießen, wir müssen mehr Augenmerk auf die Defensive legen, diese Umstellung müssen wir bewerkstelligen.“ Ein erstes Schaufenster dafür wird der EZ-Fußballpokal vom 29. Juli bis 1. August in Ruit sein, wo der TSVW in der Hammergruppe B auf den TSV Denkendorf, die TSG Esslingen und den TSV Deizisau trifft.
Es war übrigens schon alles geplant für das Meister-Grillfestle am Sonntag, und der Weg wäre auch nicht weit gewesen, denn Esslingens Coach Dagdelen und einige Spieler wohnen nur ein paar Meter vom Scharnhausener Sportplatz entfernt. So wird eben am Samstag in Wäldenbronn gefeiert. Viel wichtiger ist den TSVW-Kickern eh, dass ihre lange und bewegte Geschichte nach dem Comeback vor allem mit positiven Kapiteln weitergeschrieben wird.