Auftakt der EM 2024 Die Euphorie ist entfacht – wie der deutsche Traumstart gelang
5:1 gegen Schottland – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat einen Traumstart in die Heim-EM hingelegt. Wie ist das gelungen? Wir analysieren die Partie.
5:1 gegen Schottland – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat einen Traumstart in die Heim-EM hingelegt. Wie ist das gelungen? Wir analysieren die Partie.
Zweifel, Zögern, Zaudern. Womöglich Pessimismus vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft. War da was? Vielleicht, aber das muss ganz lange her und ganz weit weg gewesen sein. Denn: Schon als am Freitagabend die 20. Minute lief im Duell der deutschen Nationalmannschaft mit dem Team aus Schottland, sangen die heimischen Fans in der Münchner Arena „Oh, wie ist das schön.“ Und das lag nicht allein an der Tatsache, dass dieses Turnier endlich gestartet worden war. Beileibe nicht. Am Ende feierten Mannschaft und Anhang einen 5:1-Erfolg.
Das Team des Bundestrainers Julian Nagelsmann hatte sich ja vorgenommen, zum Auftakt für eine Initialzündung zu sorgen. Mit einem Sieg für eine gute Basis in der Gruppe A zu sorgen, aber eben auch eine Euphorie im (Fußball-)Land zu entfachen. Und waren das im Vorfeld des Anpfiffs nichts als Worte – so folgten gleich Taten. Und zwar in einer Art und Weise, die mit überzeugend zurückhaltend beschrieben ist. „Das ist der Auftakt, den wir uns gewünscht haben“, jubelte der Kapitän Ilkay Gündogan. „Überragend“, fand es der Stürmer Niclas Füllkrug.
Dominant, sauber im Passspiel, hart in den Zweikämpfen und vollkommen wach präsentierte sich das deutsche Team vom Start weg. Die Schotten jedenfalls, angefeuert von so zahlreichen wie lautstarken Fans, wussten erst einmal nicht, wie ihnen geschah – obwohl sie sich eigentlich ganz gut hatten einstellen können auf die DFB-Elf. Denn auf personelle Überraschungen hatte Julian Nagelsmann komplett verzichtet.
Der Coach schickte genau die Startformation aufs Feld, die im letzten Test gegen Griechenland zwar gewonnen, aber nicht vollends überzeugt hatte – auch Maximilian Mittelstädt vom VfB Stuttgart war wieder dabei. Doch die eine Woche hatte gereicht, um eine kleine Verwandlung zum Guten zu erwirken. Die die Emotionen schon nach zehn Minuten erstmals hochkochen ließ.
Toni Kroos hatte den Ball nach rechts zu Joshua Kimmich gepasst. Der Münchner spielte die Kugel postwendend flach nach innen an die Strafraumgrenze – wo Florian Wirtz angelaufen kam und nicht lange fackelte. Der schottische Keeper Angus Gunn war zwar mit seiner rechten Hand noch dran am Ball, verhindern konnte er die deutsche Führung aber nicht. Der erhoffte Start nach Maß war schon nach wenigen Minuten perfekt. Und es wurde noch besser.
In der 19. Minute vollendete der zweite Jungstar im deutschen Team eine traumhaft schöne Kombination zum 2:0. Ilkay Gündogan hatte sich bei der Ballannahme erst wunderschön und effektiv gedreht, um dann einen Zuckerpass zu spielen. Kai Havertz ließ einen Schotten ins Leere laufen, Gleiches machte Jamal Musiala, der dann trocken einnetzte. „Die ersten 20 Minuten waren überragend, mit viel Power“, sagte Nagelsmann. Die Gäste hatten bis dahin gerade mal 25 Prozent Ballbesitz – und nicht einmal aufs Tor geschossen. Was sich bis zu Pause auch nicht änderte.
Auf der Gegenseite dagegen ließ das deutsche Team trotz der Führung nicht locker und sorgte noch vor der Halbzeit für die Entscheidung. Nach einem Kopfball wurde Gündogan derart hart gefoult, dass er zum einen froh sein konnte, unverletzt geblieben zu sein. Zum anderen entschied der Schiedsrichter Clément Turpin nach Ansicht der Videobilder auf Elfmeter und Rot für Ryan Porteous. Kai Havertz traf sicher zum 3:0.
Der Rest war eine Mischung aus Schaulaufen, Spielpraxis sammeln – es wurden Pascal Groß, Niclas Füllkrug, Leroy Sané, Thomas Müller und Emre Can eingewechselt – und dem Bemühen, das Ergebnis nach oben zu schrauben. Das besorgten Niclas Füllkrug und Emre Can. Das 4:1 (Eigentor Antonio Rüdiger) bedeutete einen kleinen Schönheitsfehler, um kurz vor 23 Uhr am Freitagabend war die erste Aufgabe bei dieser Heim-EM gegen am Ende schwache Gäste dann vollends erledigt.
Nach drei missratenen Turnieren, die jeweils mit einer Auftaktniederlage begonnen hatten, ist damit die Basis für eine erfolgreiche Heim-EM gelegt. Die Fortsetzung gibt es dann am kommenden Mittwoch (18 Uhr) – wenn die Aufgabe womöglich ein bisschen kniffliger wird. In Stuttgart ist dann Ungarn der zweite deutsche Gegner.