Auftrag der Bahn für Stuttgart Lichtaugen für S-21-Bahnhof aus Augsburg
Große Glasöffnungen sollen den Tiefbahnhof mit Tageslicht versorgen. Die Bahn hat den Auftrag dazu an eine Firma gegeben, die Bahnhöfe in New York und London überdacht hat.
Große Glasöffnungen sollen den Tiefbahnhof mit Tageslicht versorgen. Die Bahn hat den Auftrag dazu an eine Firma gegeben, die Bahnhöfe in New York und London überdacht hat.
Vor fünf Monaten hat die Deutsche Bahn Halbzeit beim Bau ihrer Kelchstützen für den neuen Stuttgarter Tiefbahnhof gefeiert. Am 27. Februar war die 14. von insgesamt 28 der sehr aufwendig herzustellenden Stützen für das Dach des neuen Durchgangsbahnhofs betoniert worden. Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven, Olaf Drescher, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH, und Stuttgarts OB Frank Nopper hatten die Arbeiten mitverfolgt.
Nun meldet die Bahn die Vergabe des nächsten Großauftrags, der die Stützen betrifft. Die Betonpfeiler öffnen sich nach oben und bilden am Dach kreisrunde Öffnungen, die so genannten Lichtaugen, die Tageslicht ins Bauwerk lassen. Den Auftrag zur Fertigung der Lichtaugen-Konstruktion aus Glas, Stahl und Aluminium erhielt der Fassadenbauspezialist Seele aus Gersthofen bei Augsburg. Der Auftrag umfasst den Bau sowohl der Lichtaugen als auch der Glasgitterschalen an drei Zugängen zur neuen Bahnsteighalle.
Um den Auftrag hatten sich fünf Firmen beworben. Rund 11 000 Quadratmeter müssen überdeckt werden, das Tragwerk wiegt rund 1000 Tonnen. Laut dem Auftrag handelt es sich um eine begehbare Konstruktion. Die Lichtaugen übernehmen mehrere Funktionen, bei einer Rauchentwicklung in der Bahnsteighalle müssen sie sich öffnen. Das Auftragsvolumen für Lichtaugen und Gitterschalen liegt laut Bahn insgesamt bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
„Mit der Firma Seele haben wir ein sehr erfahrenes und weltweit erfolgreiches Unternehmen gewinnen können. Die Lichtaugen werden der einzigartigen Architektur des Hauptbahnhofs zusätzlich Strahlkraft verleihen“, sagt Olaf Drescher. Seele zählt rund 1000 Mitarbeiter und hat Ende 2020 mitten in New York City die Glasüberdachung für die Moynihan Train Hall, einen neuen Bahnhof für Fern- und Nahverkehr, fertiggestellt. Außerdem errichtete das Unternehmen zum Beispiel den Glasvorbau von King’s Cross und die Überdachung der Canary Wharf crossrail Station (beide London), sowie den Vorbau des Bahnhofs Straßburg. „Wir freuen uns, dass wir uns im Wettbewerb durchsetzen konnten. Stuttgart 21 ist ein Vorzeigeprojekt und passt wirklich gut in unser Leistungsspektrum“, sagt Andreas Hafner, Geschäftsführer der Seele GmbH.
Das erste Lichtauge soll im Frühjahr 2022 montiert werden. Die Konstruktion hat einen Durchmesser von bis zu 21 Metern. Die tragende Stahlkonstruktion wird komplett vorgefertigt und in mehreren Teilen auf die Baustelle geliefert. Auch die Edelstahlverkleidung sowie weitere Teile aus Aluminium werden vorgefertigt angeliefert. Die Verglasung – ein Fünffach-Verbundsicherheitsglas – wird auf der Baustelle eingesetzt und schließlich versiegelt.
Zunächst stellt die Firma Seele nun einen Prototyp her. So kann der Ablauf der Montage getestet und optimiert werden, sodass auf der Baustelle ein reibungsloser Einbau gewährleistet ist.