Auftritt bei der Nacht der Lieder Wie eine Reise durch den Ozean

Die Welt retten – das versucht  Katalyn Hühnerfeld auf der Bühne. Foto: Pressefoto
Die Welt retten – das versucht Katalyn Hühnerfeld auf der Bühne. Foto: Pressefoto

Die Nacht der Lieder ist zurück. Am 7. und 8. Dezember gastiert die große Mixed-Show im Theaterhaus für einen guten Zweck. Mit dabei: die Kabarettistin Katalyn Hühnerfeld.

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Stuttgart - Katalyn Hühnerfeld tut so, als schwämme sie durch den Ozean, als triebe sie dahin – nicht als sie selbst, sondern als ein Stückchen Mikroplastik. Sie tut das beruflich, in einer nicht ganz leicht zu bestimmenden Mischung aus klassischem Kabarett und Stand-up-Comedy mit pantomimischen Elementen. Und sie hat sichtlich Freude daran, die Zuschauer an all ihren pointierten Albernheiten teilhaben zu lassen. Dabei nimmt sie ihr Publikum mit auf die Reise in ihren persönlichen Wahnsinn, der, das wird alsbald klar, ebenso der unsere ist. „Homeschooling ist ein voller Erfolg. Ich kann mittlerweile schon wieder das kleine Einmaleins“, sagt sie mit Blick auf den Lockdown und schaut dabei, als meinte sie das ernst. Es könnte gut sein, dass uns in Hühnerfelds Show das Gefühl überkommt, keinen festen Halt zu finden. Das aber kann eigentlich nur bedeuten, dass jene Verbindung zwischen Künstler und Publikum entstanden ist, die Bühnenkunst von beliebigen Albernheiten unterscheidet.

In der Coronazeit schuf sie auch viel Neues

Dass es nun nicht gerade die Sonnenseite des Lebens ist, auf der sie den Stoff für ihre Auftritte findet, liegt in der Natur des Kabaretts: Klimawandel, Ausbeutung von Mensch und Natur, Bürokratie, Konsum, Single-Dasein, Isolation, Neurosen, Familie und natürlich immer wieder Corona. Während der Pandemie hat der Wahnsinn Konjunktur, und Katalyn Hühnerfeld schöpft aus dem Vollen. Dabei gelingt es ihr, stets lehrreich, aber nicht ein einziges Mal belehrend zu sein. Sie bricht das Ernste im Spiegel menschlichen Mittelmaßes und sie tut das so charmant, als wären die Spitzen, die sie austeilt, Petits Fours.

Angesichts der für sie als Künstlerin großen wirtschaftlichen Bedrohung durch die Pandemie legte sie einen beachtlichen Einfallsreichtum an den Tag – und eine erstaunliche Produktivität. So entstand auch Neues. So stampfte die dreifache Mutter während des Lockdown ein elaboriertes Online-Kabarett aus dem Boden, das sie nach und nach immer weiter ausbaut. Und bei all dem behält sie ihre Leichtigkeit. Auf der Bühne verwandelt sie sich mithilfe einer Badehaube selbst in das Virus und präsentiert uns so dessen Sicht der Dinge.

Katalyn Hühnerfeld wurde in Pantomime ausgebildet

Hühnerfeld wurde 1975 in Bremen als Katalyn Bohn geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Rheinhessen. Das Körperbetonte ihrer Auftritte, die Körpererzählungen, der Hang zur ausladenden Gestik und zur bedeutungsübersteigerten Mimik, all das ist eine Reminiszenz an die Zeit ihrer Ausbildung: Katalyn Hühnerfeld lernte die Kunst der Pantomime und erhielt für ihr pantomimisches Abschlussprogramm den renommierten Folkwang-Preis. Bis Corona stand sie viel auf der Bühne. Oft mit diesem Mix aus Kabarett, Comedy, Artistik und Gesang. Oder aber als Schauspielerin. Einige Jahre war sie fest im Ensemble des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden beschäftigt. Sie gastierte aber auch immer wieder am Alten Schauspielhaus in Stuttgart. Von dort kennt man sie womöglich. Oder aus dem Fernsehen: Aus Kika-Sitcoms, Krimiserien oder Spielfilmen, zuletzt im Frankfurter „Tatort: Wer zögert ist tot“ und in der belgisch-deutschen Krimiserie „The Bank Hacker“.

Ihre Auftritte zeichnen sich durch eine große Vielseitigkeit aus

Gleichzeitig entwickelt sie ihr kabarettistisches Repertoire ständig weiter. Es ist vielleicht diese große Vielseitigkeit, daraus resultierend die flotte Abfolge von Themen und Techniken, ihre abrupten Wechsel, dazu der körperliche Einsatz, das Pantomimische und Artistische, was den Zuschauenden immer etwas außer Atem bringt und zugleich typisch ist für Hühnerfelds Auftritte. Diese ähneln Reisen. Weniger solchen, bei denen man vorher schon genau weiß, wohin es geht, als jenen, die einen an Orte tragen, an denen man sich vorher eigentlich so gar nicht gesehen hatte oder jemals sehen wollte. Es könnte also sehr gut sein, dass man sich am Ende von Katalyn Hühnerfelds Auftritt selbst wie Mikroplastik fühlt. Ja, und dann? – „Dann kriegt das Ganze Unterhaltungswert“, sagt Katalyn Hühnerfeld.

Karten für die Nacht der Lieder im Rahmen der Aktion Weihnachten am 7. und 8. Dezember gibt es online, telefonisch und an den Kassen des Theaterhauses: www.theaterhaus.com – Tel. 07 11 / 4 02 07 20. Der Erlös des Abends fließt an die Künstlersoforthilfe.




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