Auftritt der John Cranko Schule Spitzentanz!

Matinee-Szene Foto: Roman Novitzky

Matinee der John Cranko Schule: Nicht nur die Absolventen brillieren, auch die Eleven überzeugen als Ensemble.

Die Jüngsten aus den Klassen eins bis vier haben bei der Matinee der John Cranko Schule Vortritt. Am Sonntagvormittag eröffneten drei Jungen und ein ganzer Mädchenreigen mit der „Vivaldi Suite“ von Stefania Sansavini und Valentina Falcini die diesjährige Schulvorstellung. Mit mehrfach gedrehten Sprüngen, hohen Beinen und einer durchweg grazilen Armführung unterstrich dieser Auftakt in großer Gruppe von Anfang an die professionelle Ausrichtung der staatlichen Ballettschule.

 

Die bereits bei den Jungen Choreografen, also am Noverre-Abend im Mai uraufgeführte Selbstbefragung namens „Zwischen Wind und Asphalt“ des Multitalents Carlos Strasser gab in Wort, Tanz und Pianoklang Einblick in das Innenleben eines Jugendlichen. Schließlich ist das durch Carter Smalling und Yana Peneva anschaulich illustrierte Poem nicht nur eine Ode an den Mond. Dass beide Protagonisten samt Choreograf, Komponist und Dichter in Personalunion im Programmheft des Ballettabends „Novitzky/Dawson“ unter den Mitgliedern des Stuttgarter Balletts zu finden sind, verrät, wie es für diese drei Absolventen weitergeht.

Exquisite Sprünge

Hochartistische Hebungen verlangen äußerste Konzentration. Annabelle McCarthy und ihr ukrainischer Partner Serhil Zharikov, die je ein Eleven-Vertrag in Stuttgart hält, verleihen dem Pas des deux „Albinoni“ von Germinal Casado eine heilige Feierlichkeit und beweisen, dass man Port de bras-Folgen in höchster Vollendung auch auf dem Nacken des Partners liegend ausführen kann.

Kinsun Chan, designierter Ballettdirektor der Semperoper in Dresden, liefert mit „Shimmer Simmer“ das modernste Werk im Programm, auch wenn auf Spitzenschuhe nicht gänzlich verzichtet wird.

Nach der Pause eröffnet ein Pas des deux aus „Coppélia“ den zweiten Matinee-Teil. Alexei Orohovsky, der sich schon früher durch exquisite Sprünge ins Gedächtnis schrieb, erwies sich für Akville Sulcaite als zugewandter Partner und berührte durch seine detailreich natürliche Mimik.

Bestens arrangiertes Defilee

In der „Suite für zwei Klaviere“ von Uwe Scholz verband Katharina Buck ihre saubere Technik mit Innerlichkeit. Die Protagonistin aus der SWR-Doku über die John Cranko Schule wird im September direkt ins Corps der Stuttgarter Kompanie übernommen. Das gilt auch für Yana Peneva, die zuvor im Stück ihres Kommilitonen Strasser völlig ungezwungen wirkte, als schwarzer Schwan an der Seite von Andrew Shields und passend zur „Schwanensee“-Rolle jedoch die Allüren einer mit allen Wassern gewaschenen Ballerina ausspielte. Mit den „Etüden“ und dem bestens arrangierten Defilee aller Jahrgänge klang die Matinee aus.

Matinee und Schwanensee. Am 21. Juli ist die Matinee um 11 Uhr erneut zu sehen – im Opernhaus oder gratis bei Ballett im Park. Am Vorabend wird Crankos „Schwanensee“ vom Opernhaus auf die große Leinwand übertragen.

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