Auftritt in Stuttgart Giovanni Zarrella macht die Weinstube Fröhlich zur Disco Italiana

Giovanni Zarrella singt in der Weinstube Fröhlich. Foto:  

Nena und die Münchner Freiheit auf italienisch? Für Giovanni Zarrella kein Problem. Der Italiener von dr’Alb ra war in der Altstadt zu Besuch. Für einen guten Zweck.

Es war ihm wichtig. Klar, das sagen sie immer alle, wenn sie für einen guten Zweck auftreten. Doch Giovanni Zarella war es so wichtig, dass er hunderte Kilometer von Nord nach Süd fuhr, um in der Weinstube Fröhlich für die Aids-Hilfe zu singen.

 
Gastgeber und Künstler in der Weinstube Fröhlich: Andreas Winter, Jens Zimmermann, Giovanni Zarrella, Alex Wehrle, Mancika Kohler-Kešinović, Damiano Maiolini (von links). Foto: Wolfgang Simm

Am Freitagabend war er noch in Bremen bei der Talkshow „3 nach 9“, sprach über sein Leben und seine Karriere, über die Jahre nach der Band Bro’Sis als mitunter nur drei Menschen zu Autogrammstunden auftauchten. Mittlerweile darf der schwäbisch-italienische Bub aus Hechingen bei „Last one laughing“ auf Amazon seine Talente als Komiker zeigen und im ZDF moderiert er eine große Samstagabend-Show, die seinen Namen trägt. Er ist gefragt und gut beschäftigt. Und doch, als Moderator Jens Zimmermann, VfB-Boss Alex Wehrle und die Aids-Hilfe riefen, fuhr er die Nacht durch, kam via der Zwischenstation Zürich, um in der Weinstube Fröhlich aufzutreten.

Was passiert mit dem Viertel?

Mit ihrer Mitgesellschafterin Mancika Kohler-Kešinović betreiben Wehrle und Zimmermann seit einiger Zeit die Weinstube in der Altstadt. Und bewahren damit eine Tradition in einem Quartier, das sich gerade verändert. Das Rotlicht erlischt langsam, aber was passiert dann? Funktioniere Wohnen und Ausgehen dort gemeinsam, so wie sich die Kommunalpolitik das ausmalt, oder entwickelt sich die Stuttgarter Schinkengasse? Es gibt wohl keinen Ort in der Altstadt, der mehr über das Viertel erzählt als die Weinstube.

Ein Lokal mit langer Tradition

Seit 61 Jahren gibt es das Lokal. Als Weinstube Widmer wurde es aus der Taufe gehoben. Und war schnell der Treffpunkt von Kreativen, Künstlern, Tänzern, Sängern und Journalisten. Von Menschen also, die seit jeher arbeiten, wenn andere schon frei haben. Und in der Weinstube gab es immer noch ein Viertele, wenn anderswo schon zu war. An diese Tradition knüpfte Hans Fröhlich an, als der ehemalige Feuilleton-Chef der „Stuttgarter Nachrichten“ 1988 die Weinstube übernahm. Christina Beutler führte das Lokal fort, ehe Anfang 2024 Wehrle und der Moderator Jens Zimmermann einstiegen, und Kohler-Kešinović und deren Team unterstützten.

Damiano Maiolini Foto: Angela Neb

Ein Neuanfang, der an alte Zeiten anknüpfen will, als in der Weinstube neben Rostbraten und Viertele auch Kultur serviert wurde. So hob man den „Fröhlichen Sonntag“ aus der Taufe. Diesen Sonntag war nun Zarrella da. Intoniert wurde er von Damiano Maiolini, einem jungen Mann aus Oberndorf. Auch er ein italienischer Schwabe, der Italo-Pop singt und gerade an seiner Karriere bastelt. Einige Stunden in der Woche muss er noch im Büro schaffen, aber mittlerweile kann er schon ganz ordentlich von seinen Auftritten leben. In der Weinstube Fröhlich sang er umsonst, wie auch Zarrella. Neben italienischen Versionen von Liedern von Nena und der Münchner Freiheit sang Zarrella auch ein Stück von seinem neuen Album: „La Discoteca Italiana“. Und machte damit die Weinstube zur schwäbischen Disco.

Spende für die Aids-Hilfe

Meist hilft tanzen ja, um dem Alltag zu entfliehen. Doch nicht allen ist das möglich. Deshalb war auch Andreas Winter, Vorsitzender der Aids-Hilfe da, um sich zu bedanken und zu erzählen, was für Aufgaben auf den Verein zukommen. HIV ist kein Todesurteil mehr, es gibt Medikamente, aber viele Kranke kommen nun in ein Alter, in dem sie Pflege brauchen. Dabei Hilfe zu finden, ist für alle schwierig, aber wer will jemanden pflegen, der HIV-Positiv ist? Das ist ein großes Problem, sagte Winter. Eines, dem sich der Verein intensiv widmen muss und will. Nicht nur deshalb waren die Kohler-Kešinović, Wehrle und Zimmermann gespendeten Eintrittsgelder höchst willkommen. Zarrella packte noch zusätzlich 1300 Euro in die Spendenbox, bevor er sich verabschiedete. Heim nach Köln, natürlich noch in der Nacht. Erst die Weinstube Fröhlich, dann so schnell als möglich zur Familie, das war ihm wichtig.

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