Aufwendiges Naturschutzprojekt in Baden-Württemberg Der Mopsfledermaus geht es etwas besser

Einige Mopsfledermäuse verstecken sich unter der aufgeplatzten Rinde eines Baumes. Foto: Nabu

Sechs Jahre lang haben Naturschützer auch in Baden-Württemberg nach der sehr seltenen und scheuen Tierart gefahndet. Das Ergebnis ist verhalten positiv – in zwölf Landkreisen konnte die Mopsfledermaus noch nachgewiesen werden.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Ihr Name mag lustig sein, ihre Lage ist es nicht: Die Mopsfledermaus, deren Nase eingedrückt wirkt wie bei einem Mops, gehört in ganz Deutschland zu den stark gefährdeten Arten. Das kleine Säugetier besitzt eine Flügelspannweite von 30 Zentimetern und wiegt doch nicht mehr als ein Bleistift. Dieser Tage ist nun ein sehr aufwendiges, bundesweites Projekt abgeschlossen worden, an dem sich 150 Ehrenamtliche, mehrere Naturschutzverbände und vor allem auch 30 Forstämter beteiligt haben. Insgesamt 5,4 Millionen Euro hatte vor allem der Bund an Mitteln bereit gestellt.

 

Mopsfledermaus auch in Region Stuttgart nachgewiesen

In Baden-Württemberg hat der Nabu das Projekt betreut. Es ist sechs Jahre lang gelaufen und es ging darum, überhaupt erst herauszufinden, wo es noch Tiere geben könnte, denn sie leben sehr versteckt in Wäldern und an Waldrändern und kommen nur nachts zur Jagd auf Falter aus ihrem Versteck.

In den 1950er bis 1970er Jahre waren die Bestände massiv eingebrochen. Die vorsichtig positive Nachricht lautet nun: Die Zahl der Mopsfledermäuse in Deutschland erholt sich langsam. In Baden-Württemberg konnte die Art in zwölf von 44 Land- und Stadtkreisen nachgewiesen werden. Dazu gehören die Kreise Esslingen, Göppingen, Rems-Murr, Tübingen oder Ostalb.

Die Tiere brauchen Alt- oder Totholz

Mehr als 200 Sichtungen sind auf der extra entwickelten „Mops-Map“ eingetragen. Daneben haben die Helfer 74 Wochenstuben entdeckt, in denen die Fledermäuse im Frühjahr je ein bis zwei Junge zur Welt bringen. Meist liegen diese Wochenstuben hinter der aufgeplatzten Rinde eines alten Baumes – die Mopsfledermaus benötigt deshalb Wälder mit viel Alt- oder Totholz. Alternativ nehmen die Tiere aber auch Plätze hinter Fensterläden oder Holzverschalungen an.

Um die seltenen und scheuen Tiere zu finden, haben Wissenschaftler des Freiburger Instituts für angewandte Tierökologie zunächst anhand von Walddaten und Meldungen modelliert, wo in Deutschland überhaupt noch Habitate liegen könnten. Dann wurden dort sogenannte Batcorder aufgehängt, die die Ultraschallrufe verschiedener Fledermausarten aufzeichnen; diese wurden dann am Computer ausgewertet und den einzelnen Spezies zugeordnet. Teils wurden auch Netze aufgehängt, um Tiere zu fangen und für wenige Tage zu besendern. Nur so konnte man die Wochenstuben entdecken. Und es wurden Gewebeproben entnommen, die an der Universität Greifswald ausgewertet wurden. Man will mehr darüber wissen, wie sich die genetische Vielfalt der Art entwickelt.

Mopsfledermaus soll in Wäldern wieder Heimat finden

Und natürlich geht es auch um den Schutz der Mopsfledermäuse. Denn trotz der kleinen Fortschritte gilt die Art weiterhin als stark gefährdet: „Weitere Schutzbemühungen sind erforderlich“, betonte Projektleiter Martin Biedermann von der Stiftung Fledermaus jetzt bei der Abschlussveranstaltung in Erfurt. Ein Handbuch ist entstanden, das vor allem Forstleuten hilft, geeignete Waldflächen zu identifizieren und zu schützen. Im Alb-Wutach-Gebiet wurde sogar ein Waldstück von 2,5 Hektar extra für die Mopsfledermaus aus der Nutzung genommen. Viele Buchen dort seien bis zu 185 Jahre alt, sagte Hannes Schweikardt vom Nabu-Landesverband.

Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauk (CDU) verwies darauf, dass es im Staatswald schon länger ein Alt- und Totholzkonzept gebe und der Südwesten im Bundesvergleich gut dastehe: „Wir wollen, dass die Mopsfledermaus in unseren Wäldern wieder eine Heimat findet.“ Die Finanzierung der jüngst erarbeiteten Waldnaturschutzkonzeption drohe aber den Sparmaßnahmen des Landes zum Opfer zu fallen, kritisiert Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Er lobte aber, dass so viele Forstämter mitgemacht hätten – das sei absolute Voraussetzung für das Überleben der Mopsfledermaus.

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