Aufwind im Nahverkehr Die Senioren entdecken Bus und Bahn

Beim VVS klingelt es kräftig in der Kasse. Wegen der Fahrgastzuwächse sind die Einnahmen um 5,1 Prozent gestiegen. Foto: Zweygarth
Beim VVS klingelt es kräftig in der Kasse. Wegen der Fahrgastzuwächse sind die Einnahmen um 5,1 Prozent gestiegen. Foto: Zweygarth

Der VVS rechnet trotz des SSB-Streiks im Oktober mit einem Rekordjahr. Die Zahl der Stammkunden hat sich fast verdoppelt.

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Stuttgart - Der Nahverkehr in der Region Stuttgart ist im Aufwind: Von Januar bis September sind die Fahrgastzahlen beim Verkehrs-und Tarifverbund Stuttgart (VVS) um 2,9 Prozent gestiegen. Statt 229 Millionen wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 235,3 Millionen Fahrten mit dem VVS unternommen.

"Die gute Wirtschaftslage und deren positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben uns dabei geholfen", erläutert VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Allerdings hätten auch "neue und attraktive Tarifangebote des Verbunds" zu der größten Steigerung seit zehn Jahren geführt.

Senioren sind wichtige Stammkunden

Besonders erfreulich ist aus Sicht des Verbunds, dass wieder mehr Rentner und Pensionäre die Vorteile von Bus und Bahn entdecken. "Dank des Seniorentickets ohne Sperrzeit haben wir die Trendwende geschafft", stellt der für die VVS-Tarife zuständige Geschäftsführer Horst Stammler fest. "Beim Seniorenticket haben sich die lange rückläufigen Verkaufszahlen mit einem Plus von 96,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr praktisch verdoppelt." Dem VVS sei es sehr wichtig, möglichst viele Senioren als Stammkunden zu gewinnen. "Wir denken bereits über weitere Verbesserungen für diesen Kundenkreis von 2013 an nach", erklärte Stammler.

Auch bei der übrigen Kundschaft hat der Verbund in den ersten neun Monaten kräftig zugelegt. "Im Berufsverkehr konnten wir 3,2 Prozent mehr Fahrgäste gewinnen", so Hachenberger. Die Möglichkeit, sich den Preis für das günstige Jahresticket monatlich vom Konto abbuchen zu lassen, habe viele Bürger überzeugt. Deshalb sei die Zahl der Abonnenten auch von Januar bis September von 18.000 auf 31.000 gestiegen. Einen großen Anteil habe daran auch das 9-Uhr-Umweltticket, dessen Abozahlen um fast 140 Prozent in die Höhe geschnellt seien. "Wir rechnen damit, dass wir bis zum Jahresende 35.000 Stammkunden mit Zeitkarten gewinnen können", hofft Hachenberger.

Es gibt auch kritische Stimmen

Erfreuliche Zahlen kann der Verbund auch bei den Schüler- und Studententickets vermelden. Trotz zurückgehender Schülerzahlen ist die Zahl der Fahrten mit dem Scool-Abo um 1,7 Prozent gestiegen. Beim Studi-Ticket gab es sogar ein Plus von 6,2 Prozent. "Und mit einen Zuwachs von fast 56 Prozent auf 992.000 Zeitkarten hat sich das Studi-Anschlussticket, das Studierende aus den benachbarten Verbünden um Heilbronn, Pforzheim und Tübingen erwerben können, besonders rasant entwickelt", so Stammler.

Der VVS-Manager hofft, im 33. Jahr des Verbunds am Jahresende trotz des Arbeitskampfs bei den SSB die Rekordzahl von 333 Millionen Fahrten vermelden zu können. "Der Streik dürfte aber in den Oktoberzahlen eine Delle hinterlassen", so Stammler. "Wir bedauern die durch den Arbeitskampf verursachten Probleme und denken über eine Kompensation in Form von Freifahrten nach."

Es gibt aber auch manche kritische Stimme zum Thema monatliche Abbuchung bei den Jahrestickets. Etliche Kunden, die ihre neue Jahreskarte bereits erworben haben, sind darüber verärgert, dass wegen der von Januar an um durchschnittlich 2,9 Prozent steigenden Ticketpreise von diesem Zeitpunkt an auch höhere Monatspauschalen abgebucht werden. "Darauf bin ich vom Abocenter der SSB nicht hingewiesen worden", betont ein enttäuschter Kunde, der sein neues Jahresticket Anfang November erhalten hat. In den Unterlagen seien nur die aktuelle Monatspauschale 2011 ausgewiesen worden. "Ich muss mich vertraglich für ein Jahr binden, aber der Verkehrsverbund tut das nicht." "In Zukunft weisen wir deutlich darauf hin, dass sich die Monatsraten für Jahrestickets bei Tariferhöhungen ändern", sagt SSB-Sprecherin Susanne Schupp. Der Hinweis fehle bis jetzt "ohne Absicht" in den Schreiben an die Kunden.




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