Aufzüge in der Coronapandemie Der Asemwald rüstet sich gegen Ansteckung

Im Asemwald geht es von Natur aus kontrovers zu. Ist die Aufrüstung der Aufzüge sinnvoll? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Im Asemwald geht es von Natur aus kontrovers zu. Ist die Aufrüstung der Aufzüge sinnvoll? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Aufzüge in der Wohnstadt Asemwald gelten in der Pandemie als „neuralgischer Punkt“. Deshalb werden die Fahrstühle aktuell mit Luftfiltern und UVC-Licht ausgestattet. Einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft dazu gab es nicht.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Asemwald - Das mit den Aufzügen sei an den Eigentümern im Asemwald vorbeigegangen, sagt ein Bewohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Mehr oder weniger durch Zufall habe er aufgeschnappt, dass die Fahrstühle aktuell gegen das Coronavirus aufgerüstet werden. Mit Aerosol-Filtern und UVC-Licht, das Oberflächen und Raumluft desinfiziert. „Sinnlose Sachen“, sagt der Asemwalder dazu. Und dafür einen sechsstelligen Betrag auszugeben, ohne das Okay der Eigentümer eingeholt zu haben, findet er nicht in Ordnung.

Keine Versammlung wegen Corona

Das UVC-Licht sei zudem gefährlich, es müsse aus sein, wenn eine Person den Lift betrete. Er will aber von einer Frau erfahren haben, der sich ein UVC-beleuchteter Aufzug geöffnet habe. Dieser Vorfall ist der Hausverwaltung ebenfalls zu Ohren gekommen. Solange unklar sei, was die Ursache war, bleibe die Anlage deaktiviert, sagt Stefan Geiger von der Hausverwaltung Klauß & Partner. Die Aufrüstung als solche findet Geiger indessen alles andere als sinnlos. „Für uns steht die Gesundheit der Menschen im Vordergrund“, sagt der Mitarbeiter der Hausverwaltung Klauß & Partner. Und auch Werner Pohl vom Verwaltungsbeirat im Asemwald sagt: „Die Aufzüge sind eng, sie sind ein neuralgischer Punkt“. Ohne Aufzüge geht in den drei Hochhäusern wenig.

Bewohner seien im Herbst an die Verwaltung herangetreten und hätten sich nach Schutzmöglichkeiten in der Wohnstadt erkundigt, berichtet Stefan Geiger. Daraufhin habe Klauß & Partner mit dem Verwaltungsbeirat gesprochen. Mangels Eigentümerversammlung – wegen der Coronapandemie – ist die Entscheidung ohne das Okay der Asemwaldener gefallen. Aus Sicht der Hausverwaltung Klauß & Partner sei das aber rechtlich einwandfrei. Es handele sich um Kosten von circa 135 000 Euro alles in allem, sagt Geiger. Wäre eine Versammlung möglich gewesen, hätte die Verwaltung die Aufzug-Nachrüstung freilich auf die Tagesordnung genommen, sagt Stefan Geiger.

Aufzüge werden ohnehin saniert

Eigentlich sollten die Aufzüge bereits aufgerüstet sein, doch das Projekt war ins Stocken geraten, weil ein Spezialwerkzeug kaputtgegangen sei, sagt Werner Pohl. Bisher ist etwa die Hälfte der insgesamt 38 Aufzüge mit Filtern und UVC-Licht ausgestattet worden. Dass die Aufzüge in der Hochhaus-Siedlung derzeit ohnehin saniert werden, kollidiere mit den Schutzmaßnahmen wegen Corona nicht, sagt Geiger. Man sei informiert worden, dass Filter und UVC-Licht problemlos vom einen in den anderen Aufzug eingebaut werden könnten. Auf große Kritik sei das Thema übrigens nicht gestoßen, sagen sowohl die Hausverwaltung als auch der Verwaltungsbeirat. Es liege in der Natur der Sache, dass es im Asemwald mit seinen 1137 Wohnungen kontrovers zugehe. Einstimmigkeit, eine Utopie. „Es gibt vereinzelte Stimmen und eine schriftliche Beschwerde“, sagt Geiger. In der nächsten Bewohner-Zeitung „Asemwald intern“ soll über das Projekt berichtet werden.




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