Cleebronn Wildparadies Tripsdrill feiert 50. Geburtstag
Der Wildpark Tripsdrill in Cleebronn ist nicht nur im Südwesten eine Hausnummer. An diesem Wochenende feiert er Jubiläum. Was hat sich in fünf Jahrzehnten verändert?
Der Wildpark Tripsdrill in Cleebronn ist nicht nur im Südwesten eine Hausnummer. An diesem Wochenende feiert er Jubiläum. Was hat sich in fünf Jahrzehnten verändert?
Tripsdrill“, sagt Helmut Fischer, „kennt eigentlich jeder.“ Das sagt der Sohn von Gründer Kurt Fischer, als wäre es das Normalste der Welt. Ist es natürlich nicht. Der gute Ruf des Parks kommt nicht von ungefähr. Direkt an der Grenze zwischen den Kreisen Heilbronn und Ludwigsburg, in Cleebronn, malerisch eingebettet in die Weinberge des Strombergs, hält sich der Park seit 50 Jahren. In diesen Tagen feiert er Geburtstag. Nun könnte man denken, das sei auch der fehlenden Konkurrenz geschuldet, aber hinter dem Erfolg steckt eine Menge Arbeit und eben ein gutes Konzept.
Es klappert und kreischt, röhrt und brummt. Schon auf dem Parkplatz kann, wer genau hinschaut, Störche beim Brüten beobachten. Drinnen im Park warten Greifvögel, Hirsche und Bären. Ein Spaziergang durch das Wildparadies Tripsdrill ist ein Erlebnis für alle Sinne. Vor allem Familien mit Kindern kommen gerne, weil man den Tieren so nah kommt. Das war schon vor 50 Jahren so.
„Mein Vater hat dieses Potenzial erkannt“, sagt Helmut Fischer, einer von drei Söhnen. Vater Kurt hatte den Park einst unter dem Namen „Wildpark Stromberg“ gegründet. Die Familie war schon immer umtriebig, hatte neben einem Gasthaus und der Altweibermühle, aus der der Erlebnispark hervorgegangen ist, seit 1957 einen Zoo – auch mit exotischen Tieren.
Als die Oberforstdirektion in Stuttgart Anfang der 70er-Jahre nach einem Standort für einen Wildpark suchte, mit dem der Tourismus belebt werden sollte, stieß sie auf das Idyll bei Cleebronn. Die Gemeinde wollte aber keinen Park betreiben und fragte stattdessen bei Kurt Fischer an. Der war mit Tieren schließlich schon vertraut. Fischer machte sich schnell an erste Pläne, bekam das Okay, und an Gründonnerstag 1972 öffnete der Park seine Tore.
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Zu den ersten Tieren, die die Besucher auf damals noch 35 Hektar Fläche hautnah erleben konnten, zählten Hirsche, Mufflons und Wildschweine. Inzwischen ist nicht nur der Park auf 47 Hektar angewachsen, mehr als 60 Tierarten sind dort heimisch. Wölfe, Waschbären und Frettchen, Luchse und Adler – im Park ist das Who-is-who der heimischen Tierwelt versammelt. Manchen Bewohner haben die Tripsdrill-Macher bewusst angesiedelt, bei anderen war es auch Zufall. Wie beispielsweise bei den Bären.
„Das war keine Idee von uns“, sagt Andreas Fischer, der den Park seit acht Jahren leitet. Das Veterinäramt Calw habe um die Jahrtausendwende ein neues Zuhause für ehemalige Zirkusbären gesucht. Unter anderem fragte es in Tripsdrill an. Weil man dort Planungssicherheit haben und das neue „Bärenhaus“ nicht auf gepachtetem Gelände errichten wollte, kaufte die Familie das Waldgebiet gleich komplett.
Zu den ältesten Bewohnern des Parks gehören die Greifvögel. Sie werden seit Anfang der 80er-Jahre in Tripsdrill gehalten – und sind immer wieder Anstoß für Proteste von Tierschützern. Der grundsätzliche Vorwurf: Die Haltung sei nicht artgerecht. Helmut Fischer ist die Anschuldigungen inzwischen gewohnt und zuckt nur noch mit den Schultern. Peta trommle damit auch um Spenden. Sich von der Falknerei zu verabschieden, kommt für den Park schon allein deshalb nicht in Frage, weil viele Besucher nur wegen der Flugshows kommen. Nicht umsonst wurde 2010 eine neue Tribüne mit rund 800 Plätzen gebaut. Und: Die Anschuldigungen seien völlig haltlos.
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Die Tiere bekämen genug Möglichkeiten, sich zu bewegen, sagt Sprecher Birger Meierjohann. Während der Fütterungen könnten sie jederzeit einfach wegfliegen, wenn ihnen danach sei. „Aber für Greifvögel ist jeder Flügelschlag verschwendete Energie“, sagt Meierjohann. Dementsprechend kämen die Tiere von allein zurück. Der Park halte sich an alle gesetzlichen Vorgaben, das Veterinäramt schaue regelmäßig vorbei. Überhaupt ist es Andreas Fischer wichtig, wie artgerecht die Haltung im Wildparadies ist. „Hätten wir den ursprünglichen Zoo noch, gäbe es sicherlich mehr Probleme“, sagt der 42-Jährige. Den hat die Familie aber 1996 aufgegeben.
Ansonsten habe es in den zurückliegenden Jahren zwar viel Arbeit, aber kaum Probleme gegeben. „Am ehesten noch die schweren Stürme“, sagt Fischer. Dabei wurde aus der Not teils eine Tugend gemacht und auf den frei werdenden Flächen einfach Gehege angelegt. Die Wege haben sich seit 50 Jahren nicht groß verändert. Vor Corona waren auf ihnen jährlich um die 200 000 Besucher unterwegs. Inzwischen kommen die nicht mehr nur aus der näheren Umgebung, wie das vor 50 Jahren noch der Fall war, sondern aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland.
Die Verantwortlichen haben nämlich das große touristische Potenzial des Wildparks erkannt. Urlaub in Deutschland, diesen Trend hat Corona noch einmal befeuert. Natürlich profitiert das Wildparadies dabei auch vom nahe gelegenen Erlebnispark mit Achterbahnen und Co., den die Familie ebenfalls betreibt. Adrenalinrausch auf der einen Seite, große Ruhe auf der anderen Seite – diese Gegensätze passen offenbar gut. Und auch so ist es durchaus ein Erlebnis, mitten im Wald zu übernachten und dabei im Dunkeln zu erraten, welches Tier da wohl gerade Laut gegeben hat.
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Ein Coup ist den Verantwortlichen dabei vor elf Jahren gelungen, als sie beschlossen, Baumhäuser in den Park zu pflanzen – direkt unterhalb der Baumkronen. Dort zu nächtigen, ist so beliebt, dass die 28 Häuser nicht mehr reichen, derzeit entstehen 20 neue. Die Fischers haben eine Genehmigung für doppelt so viele. „Die ein oder andere Idee für den Park haben wir schon noch“, sagt Andreas Fischer.
Jubiläums-Programm an diesem Wochenende
Jubiläum
Unter dem Motto „Bärenstarke 50 Jahre!“ feiert das Wildparadies an diesem Samstag, 7. Mai, und Sonntag, 8. Mai, sein 50-jähriges Bestehen. Dazu gibt es ein spezielles Programm – unter anderem mit mehreren Sonderführungen.
Öffnungszeiten
Der Park hat 365 Tage im Jahr ab 9 Uhr geöffnet. Im Sommer schließt er um 18 Uhr, in der Wintersaison ist eine Stunde früher Schluss. Erwachsene zahlen 13 Euro Eintritt, Kinder und Senioren 9,50 Euro. Weitere Infos – etwa zu den Fütterungen – im Netz: www.tripsdrill.de