Mit viel Herzblut und zahlreichen Ideen haben zwei Familien im Oktober 2021 den Bioladen namens Bio Baeder in der Rutesheimer Kirchstraße 24 eröffnet. Entstanden war das Konzept während der Coronapandemie: Mark Baeder hatte zunächst Familien im Ort mit Bioprodukten aus dem elterlichen Biobetrieb in Aichwald (Kreis Esslingen) beliefert. Die Nachfrage wuchs schnell, aus dem improvisierten Lieferservice wurde ein Onlineshop und schließlich ein stationäres Geschäft in zentraler Lage. Doch jetzt die Hiobsbotschaft: „Fünf Jahre hatten wir uns gegeben – und bei diesen fünf Jahren wird es nun leider auch bleiben. Zum 22. Juni werden wir unseren Laden schließen“, sagt Baeder.
Die Gründe für das Aus ihres Ladens seien vielfältig. „Mit einer der Hauptgründe war und ist die gesamtwirtschaftliche Lage und ein verändertes Einkaufsverhalten“, sagt Baeder „Anfang 2025 kam so langsam der Einbruch bei den Umsätzen, die Menschen halten ihr Geld stärker zusammen.“ Ein weiterer wesentlicher Faktor sei die strategische Neuausrichtung eines der Hauptlieferanten, der bislang ausschließlich den Fachhandel beliefert habe.
Kleinere Geschäften verlieren Alleinstellungsmerkmal
Angesichts der aktuellen Marktsituation könne sich der Lieferant diese Exklusivität nicht länger leisten und versorge inzwischen auch große Supermarktketten. Kleineren Geschäften gehe dadurch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal verloren. „So gern wir den Laden geführt haben, irgendwann muss man dann auch vernünftig sein: Der Bauch sagt Ja – der Kopf sagt Nein“, sagt Mark Baeder. Was für die Zukunft bleibe, seien Erinnerungen an unzählige schöne Momente, Gespräche, Begegnungen, Feste und Partys. „Aus Kunden wurden teilweise Freunde.“
Der Laden war von Anfang an ein echtes Familienprojekt. Obwohl Mark Baeder vom elterlichen Biobetrieb geprägt wurde, schlug er mit den Bereichen Marketing und Kommunikation einen anderen Weg ein und ist hier unverändert selbstständig tätig. Seine Expertise brachte er in den eigenen Bioladen ein.
Seine Frau Stephanie ist Bankkauffrau, sie arbeitete gemeinsam mit ihrer Schwester Meike Aleo in Vollzeit im Bioladen. Meike Aleo ist ausgebildete Erzieherin und war zuletzt in einem Blumengeschäft beschäftigt. Hinter der Verkaufstheke von Bio Baeder waren die beiden Frauen die vertrauten Gesichter des Geschäfts. Unterstützt wurde der Familienbetrieb zudem von Meikes Ehemann Giuliano, der hauptberuflich im E-Commerce tätig ist und sich nebenbei um den zusätzlichen Onlinehandel kümmerte.
Bio Baeder Rutesheim: mehr als ein klassischer Bioladen
Doch Bio Baeder verstand sich nie nur als klassischer Bioladen mit Obst, Gemüse, Käse, Trockenwaren oder Kühlprodukten im Sortiment. Mit einer Außenbar, die zweimal im Monat zum Treffpunkt wurde, Musik und kleinen Events wollte das Quartett bewusst einen jungen, offenen Ort in der Ortsmitte schaffen. Gleichzeitig engagierte sich die Familie sozial, unterstützte regelmäßig die Leonberger Tafel und ermöglichte über eine Spendenaktion im Onlineshop Lebensmittel für Bedürftige.
Am 22. Juni schließt der Laden endgültig seine Türen. Die Betreiber geben das Geschäft auf. Sie möchten jedoch weiterhin im Eventbereich aktiv bleiben und sind daher auf der Suche nach einer Lagermöglichkeit für ihr gesamtes Equipment.
Die nächsten Termine für die bereits gestartete Projektreihe „Bio Baeder’s Sonnendeck“ auf dem Rutesheimer Rathausplatz stehen fest. Am 20. Juni, 11. Juli und am 12. September jeweils von 17 bis 22 Uhr soll Sommerlounge-Atmosphäre aufkommen – mit Musik, Drinks und Special Guests.