Aus für Komet in Vaihingen Ceratizit will Werk in Stuttgart schließen

Ein Teil der Fertigung, die zurzeit bei Komet in Stuttgart-Vaihingen erfolgt, soll an den Stammsitz in Besigheim (unser Foto) verlagert werden. Foto:  

Die Ceratizit-Gruppe will den Stuttgarter Standort der Tochter Komet schließen. Rund 115 Menschen würden damit ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Betriebsrat will das nicht hinnehmen.

Stuttgart - Der Nachricht kam völlig unerwartet. Zwar hatte es vergangene Woche vage Gerüchte bei dem Spezialwerkzeughersteller Komet in Stuttgart-Vaihingen über eine mögliche Schließung des Standortes gegeben. Doch als die Konzernmutter Ceratizit am Mittwochmorgen um halb neun die Katze aus dem Sack ließ, fühlte sich der Betriebsrat überrumpelt – zumal es danach Schlag auf Schlag ging: zweieinhalb Stunden später bekam der Gesamtbetriebsrat die Entscheidung des Aufsichtsrats mitgeteilt, ab 12:45 Uhr wurde die Belegschaft informiert, um 13:30 Uhr auch die Öffentlichkeit.

 

Mit der Schließung des Werkes in Vaihingen will Ceratizit seine Tochter wieder in die Gewinnzone führen, heißt es in der Mitteilung: „Die Covid-19-Pandemie hat den Kostendruck in der Werkzeugbranche weiter erhöht. Um in diesem Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben, werden wir unsere Produktionskapazitäten weiter konzentrieren und die Fokussierung der einzelnen Standorte auf bestimmte Produktfamilien vorantreiben“, so Andreas Lackner, Vorstandssprecher der Ceratizit-Gruppe. In Stuttgart-Vaihingen fertigen derzeit 113 Mitarbeiter vor allem Bohr- und Gewindewerkzeuge in Spezialanfertigung. Ein Teil der Produktion soll ins Komet-Stammwerk in Besigheim (Kreis Ludwigsburg) verlagert werden, wo Komet etwa 650 Mitarbeiter beschäftigt, der Rest an den polnischen Standort Kedzierzyn-Kozle.

„Die Unternehmensleitungen hat den Beschäftigten in einer Informationsveranstaltung am Mittwoch mitgeteilt, dass den Stuttgarter Beschäftigten kein Arbeitsplatz in Besigheim angeboten werden wird“, so die für Komet in Vaihingen zuständige IG-Metall-Gewerkschaftssekretärin Britta Cartarius. Nur die Auszubildenden sollen nach Besigheim (Kreis Ludwigsburg) wechseln können. Die in Luxemburg ansässige Ceratizit hatte Komet 2017 übernommen. Damals schloss die Konzernleitung mit dem Betriebsrat eine Beschäftigungssicherung ab, die Ende 2020 ausläuft. Im Anschluss soll der Standort sukzessive schließen. Das will der Betriebsrat nicht einfach hinnehmen. Er will für den Erhalt des Standortes kämpfen.

Das Unternehmen besteht seit 1939 in Vaihingen. 1999 hatte Komet die damalige Joh. und Ernst Link GmbH& Co KG (Jel) übernommen. Ceratizit, nach eigenem Bekunden „Global Player in der Hartmetall-Branche“ entstand 2002 aus der Fusion der Luxemburger Cerametal und der österreichischen Plansee Tizit.

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