Städtische Bäder und Saunen sind Standorte für Sport und Bewegung, für Begegnung und Gesundheit. Foto: Bäderbetriebe Stuttgart
Mit der Schließung des Saunabereichs im Solebad Cannstatt verschwindet nicht nur ein Teil des Bades, sondern für viele in Stuttgart ein sozialer Raum, meint unsere Autorin.
Fährt man über die Autobahn in Richtung Karlsruhe nach Stuttgart weist eine große braune Werbetafel auf einen der touristischen Höhepunkte der Landeshauptstadt hin. „Mineralbäder“ steht da. Stuttgart besitze das größte Vorkommen an Mineralwasser in Deutschland, die Badetradition gehe bis auf die Römer zurück, heißt es auf der städtischen Webseite weiter. In Stuttgart ist man stolz auf seine drei Thermen: Leuze, Solebad Cannstatt und Bad Berg. Nun soll im Solebad die Saunalandschaft schließen. Damit verschwindet nicht nur der Teil des Bades, der für viele Besucherinnen und Besucher zu einer vollständigen Therme dazugehört, sondern für viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter ein wichtiger sozialer Raum.
Die Geschichte der Sauna kann man bis in die Steinzeit zurückverfolgen. In Steinschwitzbädern wurden Steine erhitzt und mit Wasser übergossen. So konnten die Höhlen über lange Zeit warmgehalten werden. Man vermutet, dass die Finnen die Sauna nach Skandinavien brachten, als sie aus ihrer ursprünglichen Heimat Asien ausgewandert sind. Städtische Bäder und Saunen sind Standorte für Sport und Bewegung, für Begegnung und Gesundheit. Sie sind niedrigschwellige Treffpunkte, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenswelten zusammenkommen und mit verhältnismäßig wenig finanziellem Aufwand Erholung verschaffen.
Im Solebad Cannstatt soll die Sauna geschlossen werden. Foto: Stuttgarter Bäder
Die anderen städtischen Bäder sowie der Neubau des Hallenbads Zuffenhausen mit Sauna mögen zwar räumlich Ersatz für den Saunabereich des Solebads leisten, doch der emotionale Wert für Besucherinnen und Besucher ist nicht zu unterschätzen. Einige kommen bereits seit vielen Jahren in die Sauna, sie ist zu einem stabilen Alltagsort geworden. Zudem ist das Solebad neben dem Bad Berg das einzige Stuttgarter Bad, das Zeitfenster für geschlechtergetrenntes Saunieren anbietet und somit ein wichtiger Schutzraum für Frauen darstellt.
Der Betrieb eines Schwimmbades ist in der Regel nicht kostendeckend möglich, vor allem dann, wenn Sanierungsarbeiten anstehen. Das ist ein Problem vor allem bei einer angespannten Haushaltslage wie in Stuttgart. Die Frage, die sich die Stadt in Zukunft aber stellen muss, ist: Wie sieht eine nachhaltige Bäderlandschaft aus, die allen Ansprüchen gerecht wird?
Vielleicht lautet die Antwort im Falle Stuttgarts, dass die Mineralbäder die falsche Stelle zum Sparen sind. Denn die Ausrichtung und Ausstattung eines städtischen Bades dürfen sich nicht nur an den Investitionskosten orientieren, sondern auch am Bedarf der Bevölkerung sowie dem öffentlichen Mehrwert.