Blumen Wengert in der Neckarstraße in Esslingen schließt - jahrzehntelang war in dem Pavillon ein Blumengeschäft angesiedelt. Foto: Elke Hauptmann
Wieder verliert Esslingen ein beliebtes Fachgeschäft: Susanne Wengert schließt ihren Blumenladen in der Neckarstraße zum Ende des Monats. Der Räumungsverkauf läuft bereits.
Nein, eine Blumenbestellung könne sie leider nicht mehr entgegennehmen, antwortet Susanne Wengert mit großem Bedauern auf die Anfrage einer Kundin und fügt zur Erklärung hinzu: „Wir schließen. Wir machen nur noch ein paar Tage Räumungsverkauf.“ Am 23. Mai öffnet das kleine Geschäft in der Esslinger Neckarstraße zum allerletzten Mal – nach gut drei Jahrzehnten.
Auf einem Schild an der Eingangstür informiert die Geschäftsinhaberin die Kundschaft: „Aus gesundheitlichen Gründen müssen wir unseren Betrieb schließen. Von Herzen danken wir Euch für all die Jahre, in denen wir Euch mit Blumen eine Freude machen durften.“ Die Entscheidung habe sie kurzfristig treffen müssen, erzählt die 63-Jährige betrübt. Vor wenigen Wochen sei sie gestürzt, habe sich dabei das Knie schwer verletzt. Nun sei sie auf Krücken angewiesen – und sechs Tage die Woche im Laden zu stehen, das sei ihr wohl auf längere Zeit nicht möglich.
Einen Ersatz habe sie nicht gefunden, räumt Susanne Wengert ein. Weder die beiden Mitarbeiterinnen Erika Pohlner und Stefanie Scheurich, die als Minijobber tätig sind, noch ihre inzwischen 90-jährige Mutter, die auch noch gelegentlich im Geschäft aushilft, könnten für sie einspringen. „Es geht eben nicht anders“, sagt die Floristmeisterin mit leiser Stimme. Wie schwer ihr dieser Abschied fällt, wird in jedem Wort, in jedem Blick, in jeder Geste deutlich. „Ich bin hier quasi groß geworden.“ Susanne Wengert schaut sich wehmütig in ihrem Laden um, der etwas aus der Zeit gefallen scheint. Der Pavillon am Charlottenplatz wurde Anfang der 1950er Jahre erbaut.
Der Abschied fällt sehr schwer
Geschäftsinhaberin Susanne Wengert mit ihren Mitarbeiterinnen Erika Pohlner (links) und Stefanie Scheurich (rechts). Foto: Elke Hauptmann
Von Anfang an gab es in dem Gebäude ein Blumengeschäft. In dem hatte ihre Mutter Renate Gummer als damals 19-Jährige eine Anstellung als Verkäuferin gefunden und Susanne Wengert war dort schon als Kind oft zu Besuch. Dass sie nach der Schule eine Ausbildung zur Floristin machte, lag da nahe. Und als das Inhaber-Ehepaar schließlich in Rente ging, übernahm sie das Geschäft. „33 Jahre ist das jetzt her.“
Das Geschäft hatte viele Stammkunden
Es sei eine schöne Zeit gewesen, blickt sie zurück. „Ich habe das immer sehr gern gemacht. Trotz der vielen Arbeitsstunden.“ Zunächst teilte sich das Blumengeschäft das Gebäude mit einem Kiosk, später mit dem Brezelhäusle, dann mit der Bäckerei Lang. Als auch diese auszog, übernahm Susanne Wengert den gesamten Pavillon. Die Geschäfte liefen gut, erzählt sie stolz. „Die Nachfrage war immer da. Wir hatten viele Stammkunden.“
Was Blumen Wengert ausgemacht habe: „Wir haben Blumensträuße noch individuell nach Kundenwünschen selbst gebunden.“ Fertige Sträuße könne man an vielen Orten kaufen, aber diese Handarbeit ist laut Susanne Wengert inzwischen nicht mehr selbstverständlich. „Floristen gibt es auch immer weniger.“ Dass dieser Beruf für junge Menschen kaum attraktiv ist, kann sie nachvollziehen: „Wer will schon morgens um vier Uhr aufstehen und zum Großmarkt fahren, um Schnittblumen einzukaufen, und dann bis 19 Uhr im Laden stehen? Und auch noch am Wochenende arbeiten?“
Die Nachfolge ist noch völlig offen
Ob auf Blumen Wengert ein neues Floristik-Fachgeschäft folgen wird, diese häufig von Kunden gestellte Frage kann die Geschäftsfrau nicht beantworten. Die Kündigung an die Stadt Esslingen, die Eigentümerin des Pavillons ist, ist gerade erst rausgegangen. „Wenn jemand Interesse hat, kann er sich dort melden.“ Susanne Wengert wird ihren Laden nur noch dreimal öffnen: am Samstag, 16. Mai, am Dienstag, 19. Mai, und am Samstag, 23. Mai, jeweils von 9 bis 13 Uhr. Frische Schnittblumen gibt es dann zwar nicht mehr, aber die noch vorhandenen Pflanzen müssen raus und eine große Menge an Deko-Material.
Blumenläden in der Krise
Für Blumenläden ist es eine schwere Zeit, heißt es seitens des Fachverbandes Deutscher Floristen. Dort werden immer mehr Geschäftsschließungen registriert. Innerhalb der letzten 20 Jahre gaben knapp 10 000 Floristen bundesweit ihr Geschäft auf. Die Gründe dafür sind vielfältig: Personalmangel, steigende Einkaufspreise, hohe Energiekosten, Billigkonkurrenz durch Supermärkte, Tankstellen und Gartencenter, unattraktive Arbeitsbedingungen und eine zunehmende Kaufzurückhaltung der Menschen.
Branche ist nicht auf Rosen gebettet
Statistik In Deutschland gibt es laut Listflix, einem Anbieter von Branchenlisten, aktuell 8976 Blumengeschäfte, davon 1217 in Baden-Württemberg. Bei den meisten handelt es sich um Kleinst- und Kleinunternehmen.
Verkauf Die Menschen in Deutschland haben 2025 deutlich weniger Schnittblumen gekauft. Die Menge ging im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent zurück, zeigen Zahlen des Marktforschungsunternehmens YouGov. Käufer haben demnach im Schnitt 6,2-mal zu Sträußen oder einzelnen Stielen gegriffen und damit seltener als 2024 (6,5-mal). Die Preise für Schnittblumen sind in den vergangenen fünf Jahren um 38,4 Prozent gestiegen.