Ausbau der Autobahn A81-Anschluss Böblingen/Sindelfingen verändert sein Gesicht

Die Flugfeld-Allee (vorne) wird geradeaus zur verlängerten Leibnizstraße weitergeführt. Der südliche Autobahnanschluss (Bildmitte) macht Platz für den Neubau der Brücke über die Wolfgang-Brumme-Allee. Ein neuer Anschluss entsteht weiter westlich. Foto: Stefanie Schlecht

Der Ausbau der A 81 verändert auch das direkte Umfeld massiv: Der südliche Anschluss Böblingen/Sindelfingen wird komplett neu gestaltet. Was auch die Hauptverbindung der beiden Städte und die Nordumfahrung Böblingens betrifft.

Wer nach getaner Arbeit das Daimler-Werksgelände verlässt oder seine Möbelpakete bei Ikea in den Kofferraum geräumt hat, muss in Zukunft umdenken, wenn er danach über die Autobahn Richtung Stuttgart fahren möchte. Das bisherige Ohr, über das der Verkehr auf die Autobahn geführt wird, verschwindet. Ab 2024 gibt es einige Meter westlich einen neuen Anschluss, der die Autos nach Stuttgart führt und aus Richtung Singen aufnimmt. Die Neuordnung soll vor allem Platz machen für eine verbesserte Verkehrsverbindung zwischen Böblingen und Sindelfingen.

 

Der Umbau kommt einem Eingriff in das gemeinsame Herz von Böblingen und Sindelfingen gleich. Denn an dieser Stelle werden die beiden Städte gemeinsam an den Fernverkehr angeschlossen – und: Nirgendwo fließt so viel Verkehr zwischen den beiden Städten wie an diesem Ort.

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Dieser Anschluss ist daher nicht das einzige Bauwerk, das die Straßenbauer neu schaffen müssen. Eine breitere Brücke samt Radstreifen, die Böblingen und Sindelfingen über die Wolfgang-Brumme-Alle verbindet, kommt noch hinzu – und eine neue Straße, die die Böblinger Innenstadt im Norden vom Verkehr entlasten soll: die sogenannte „Querspange“.

Die Operation am Rande des gemeinsamen Stadtteils Flugfeld und nur wenige Meter von den Daimler-Werkstoren entfernt, ist eine der umfangreichsten Maßnahmen im Zuge der A-81-Verbreiterung zwischen Böblingen und Sindelfingen. Dennoch soll diese laut den Planern der bundeseigenen Projektgesellschaft Deges in den kommenden beiden Jahren ohne Sperrungen über die Bühne gehen.

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Der neue Autobahnanschluss wird in Zukunft einige Meter weiter westlich verlaufen. Direkt neben den letzten Bürogebäuden des Flugfelds wird der Verkehr in einem 90-Grad-Knick in den jungen Gemeinschaftsstadtteil geleitet. Dann werden die Autos, die von Richtung Singen kommen, nach Böblingen und Sindelfingen weiterverteilt. Umgekehrt müssen die Autofahrer mit Fahrtziel Stuttgart in Zukunft erst einmal durch das Flugfeld fahren, bevor es Richtung Landeshauptstadt geht.

Dieses neue Verkehrsaufkommen muss erst einmal verdaut werden. Bisher wäre die hierfür verantwortliche Flugfeld-Allee mit ihren zwei Spuren damit hoffnungslos überfordert. Daher wird die Straße jetzt fit gemacht, bevor der Umbau der Anschlussstelle ansteht. Demnächst rücken die Bauarbeiter an und verbreitern den bisher noch zweispurigen Teil der Flugfeld-Allee Richtung Böblinger Innenstadt auf vier Spuren.

Drei Monate lang kein Autobahn-Anschluss Böblingen/Sindelfingen

Danach ist die Bahn frei für den Bau der neuen Anschlussstelle. Der soll laut Deges im kommenden Jahr stattfinden. Erst wenn dieses Bauwerk fertiggestellt ist, wird die bisherige Verbindung mit der Autobahn, die über ein im Halbkreis geführtes „Ohr“ verläuft, gekappt. „Die gute Nachricht ist“, sagt Deges-Pressesprecherin Pia Verheyen, „dass dies erst stattfindet, wenn der neue Anschluss steht.“ Heißt: Ein nahtloser Übergang für die Autofahrer ist gewährleistet. Allerdings muss auch an dieser Stelle die Autobahn noch um eine Spur verbreitert werden. Das soll im Jahr 2024 geschehen. Dann wird es hier drei Monate lang in beide Fahrtrichtungen keinen Autobahnanschluss geben. Böblingen und Sindelfingen sind so lange nur über die Anschlüsse Hulb oder Böblingen-Ost zu erreichen.

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Merkliche Auswirkungen hat das große Straßensortieren vor allem für die Böblinger Seite an der A 81. Denn wenn der Anschluss an die Autobahn neu gebaut ist, entsteht dort Raum für eine neue Verkehrsordnung, die auch die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten soll. So richtig zur Sache gehen die Straßenbauer hier aber erst ab dem kommenden Jahr. Dann wird die Hauptverbindung nach Sindelfingen, die Autobahnbrücke über die Wolfgang-Brumme-Allee, abgebrochen und neu gebaut. Der Einsatz von Behelfsbrücken soll gewährleisten, dass der Verkehr zwischen den Städten auch während des knapp zweijährigen Neubaus nicht unterbrochen wird.

Platz gibt es dank des Rückbaus der bisherigen Anschlussstelle dann auch für den Bau der so genannten „Querspange“. Die ist nichts anderes als eine Nordumfahrung Böblingens und verbindet einmal die parallel an der Autobahn entlang führende Leibnizstraße mit dem Flugfeld.

Kreuzung von Flugfeld- und Brumme-Allee wird ein Mammut-Bauwerk

Hierfür ist ein weiteres Großbauwerk fällig, das die Verkehrslandschaft maßgeblich verändert: Die Flugfeld-Allee wird im Jahr 2025 hinter dem Motorworld-Turm weitergeführt und mit einer fünfspurigen Kreuzung über die Wolfgang-Brumme-Allee geleitet. Von dort aus geht es dann entlang des Bauhofes Richtung Böblinger Osten.

Diese Trasse müssen die Straßenbauer aber erst herstellen. Derzeit stehen dort noch die Schuppen des gemeinsamen Bauhofes von Böblingen und Sindelfingen. Nicht mehr lange: Die Abriss-Trupps sind bereits geordert, um das Feld für die Straßenbauer zu bereiten. Knapp 40 Prozent seiner Fläche wird der Bauhof dadurch verlieren. „Die Autobahn wird östlich des Tunnels ausschließlich auf der Böblinger Seite verbreitert“, sagt Johannes Kuhn, Chef der A-81-Planer bei der Deges. Die Autos werden ab dem Jahr 2025 in diesem Bereich rund 50 Meter näher an die Stadt heranrücken.

Die A81 wird bis 2026 verbreitert

Projekt
 Der 7,2 Kilometer lange Abschnitt der A 81 zwischen den Anschlussstellen Böblingen-Hulb und Sindelfingen-Ost wird für 361 Millionen Euro um eine Spur auf drei Fahrspuren verbreitert.

Bauzeit
 Spatenstich des Großprojekts war im Sommer 2021, die Fertigstellung ist für das Jahr 2026 geplant.

Umfang
 Mittelpunkt ist ein 850 Meter langer Lärmschutzdeckel, der sich in etwa vom Böblinger Smart-Gelände bis zum Bitzer-Turm zieht. Für den Ausbau müssen elf Brücken und Unterführungen abgerissen und neu gebaut werden. Die Maßnahme wird bei laufendem Verkehr durchgeführt.

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