Ausbau der B 27 Die Bauern wollen um ihre Felder kämpfen

Die drei Landwirte Tobias Briem, Gebhard Handte und Ernst Schumacher (von links) stellen sich gegen die Ausbaupläne für die B 27. Foto: Caroline Holowiecki
Die drei Landwirte Tobias Briem, Gebhard Handte und Ernst Schumacher (von links) stellen sich gegen die Ausbaupläne für die B 27. Foto: Caroline Holowiecki

Die B 27 soll zwischen Aichtal und Echterdingen ausgebaut werden. Das heißt auch: Ackerboden wird versiegelt. Landwirte in Filderstadt stemmen sich dagegen.

Filder/Esslingen - Viele werden aufatmen und sagen: endlich.“ So hatte Jürgen Holzwarth, der Leiter des Referats Straßenplanung beim Regierungspräsidium (RP), bei der Infoveranstaltung in Filderstadt den geplanten Ausbau der B 27 angekündigt. Auf einer Länge von 9,5 Kilometern, zwischen Aichtal und Echterdingen-Nord, soll die Fernstraße sechs statt nur vier Spuren haben. Dadurch sollen Autos auf der am stärksten belasteten Bundesstraße Deutschlands künftig zügiger vorankommen.

Nun sieht er den Betrieb bedroht

Die Filderstädter Bauern haben andere Ansichten. Sie sorgen sich um ihre Äcker. Tobias Briem ist einer von ihnen. In seiner Familie habe die Landwirtschaft Tradition. „Die Aufzeichnungen gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück“, sagt der 33-Jährige stolz. Nun sieht er den Betrieb, der seit 22 Jahren am Ortsrand von Bernhausen sitzt, bedroht. Auf etwa 50 Hektar werden Gemüse und Getreide angebaut. Die B 27 ist keine 100 Meter entfernt. Mit dem Dauerrauschen des Verkehrs kann Tobias Briem leben, mit dem Verlust weiterer Flächen tut er sich schwer.

Stuttgart 21 habe seine Familie Ackerland gekostet, und der Messebau damals auch, „durch die Kleinparzellierung ist jeder betroffen“. Für die Verbreiterung der B 27 sollen, je nach Variante, entlang der kompletten Ausbaustrecke noch mal 14 bis 21 Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen versiegelt werden. „20 Hektar, das ist ein Betrieb“, wettert Ernst Schumacher (68), der landwirtschaftliche Obmann aus Bernhausen. Wieder hätten die Bauern das Nachsehen, dabei würden sie ohnehin bedrängt. „Das Problem ist akuter denn je“, sagt Tobias Briem, der dem Kreisbauernverband vorsteht. Er spricht von extremem Flächenfraß, „im Kreis ist in den letzten Jahren ein Goldrausch ausgebrochen unter den Bürgermeistern“.

„Komplett durch meine Felder gebaut“

Auch Gebhard Handte (69), der Obmann aus Bonlanden, wird Flächen verlieren, wenn die Bundesstraße erweitert wird. Zum wiederholten Mal. „Die ursprüngliche B 27 haben sie komplett durch meine Felder gebaut.“ Eine Wahl werden Bauern laut Tobias Briem nicht haben. „Wir haben in Deutschland das Problem der Enteignung“, stellt er klar. Der Bund als Bauherr mache ein Angebot, „dann heißt es: friss oder stirb“. Zumal: Die Flächen auf der Filderebene sind laut der Landwirte ohnehin mehrheitlich in Privateigentum und von den Nutzern nur gepachtet.

Die Ausbaupläne, wie sie jetzt vorliegen, lehnen die drei Landwirte ab. Ernst Schumacher sähe lieber Schienen statt zusätzlicher Fahrstreifen. „Wenn die S-Bahn nach Reutlingen und Tübingen fahren würde, das würde uns entlasten“, betont er. Auch Tobias Briem ist gegen mehr B-27-Spuren und bezeichnet die Planungen als nicht zeitgemäß. „Das RP baut wie vor 50 Jahren und geht in die Breite. Über Alternativen wurde nicht nachgedacht“, glaubt er.

Er spricht von Generationenverantwortung

Auch wenn seitens des RP immer wieder betont wurde, dass nur ein Komplettausbau der B 27 Sinn ergebe, bezweifelt Gebhard Handte, dass es die neuen Spuren auf Höhe von Filderstadt überhaupt braucht. „Der Stau ist immer erst ab Stetten“, sagt er. Doch wo auch immer die Autos stocken: Für die Landwirte ist das Schutzgut Filderboden höher einzuschätzen als der Komfort der Pendler. Tobias Briem spricht vom „wertvollsten Boden in Deutschland“. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die Produktion im eigenen Land sei. Ernst Schumacher benutzt das Wort Generationenverantwortung.

Während der Infoveranstaltung hatte Jürgen Holzwarth den Filder-Landwirten ein Gespräch angeboten. Das Angebot will das Trio in jedem Fall wahrnehmen, um Pläne einsehen und Anregungen abgeben zu können. Gleichzeitig wollen sie – zwei der drei sitzen im Gemeinderat – bei Landtags- und Bundestagsabgeordneten für ihre Belange werben. Ernst Schumacher betont: „Man muss versuchen, das Beste draus zu machen und nicht einfach nur was zu machen.“




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