Ausbau der Strecke zwischen Dettenhausen und Böblingen Schönbuchbahn hat noch mehr Verspätung

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Statt schon im September fahren die Züge zwischen Holzgerlingen und Böblingen erst im Dezember. Das neue Datum findet der Landrat „gerade noch zufriedenstellend“.

Nur auf einem Teil der Strecke unterwegs: die Schönbuchbahn Foto: factum/
Nur auf einem Teil der Strecke unterwegs: die Schönbuchbahn Foto: factum/

Böblingen - Zum dritten Mal verzögert sich die Inbetriebnahme der Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Holzgerlingen: Erst am Samstag, 14. Dezember, soll die Strecke nun feierlich eröffnet werden. Eigentlich war der Festakt für den 11. September vorgesehen. Doch der Zeitplan für die Baustelle war wohl zu ambitioniert. Bei der Leit- und Sicherheitstechnik gab es aufgrund eines Planungsfehlers einen Verzug. Auf der restlichen Strecke von Holzgerlingen bis Dettenhausen sind die Züge bereits seit Februar unterwegs. Der neue Termin sei „unumstößlich“, versprach der Landrat Roland Bernhard in einer Versammlung des Zweckverbands Schönbuchbahn.

Mehr Zeit für das Stellwerk notwendig

„Wir haben viel geschafft, die meisten Gewerke sind fertig oder werden demnächst abgenommen“, erklärt Walter Gerstner, der Geschäftsführer des Zweckverbands. Acht Projekte waren zu bewältigen, sieben davon seien geschafft. Die Gleise und die Haltestellen, der Betriebshof und die Garagenhalle sind im Prinzip fertig. Der Verzug bei der Leit- und Sicherheitstechnik lasse sich aber nicht mehr bis zum angestrebten Eröffnungstermin am Schuljahresbeginn aufholen. „Wir brauchen mehr Zeit, um das komplexe elektronische Stellwerk mit der gesamten Signaltechnik herzustellen“, erklärt der Ingenieur. Anschließend seien noch Abnahme- und Prüfprozesse notwendig sowie Probefahrten für die Zugführer.

Die Schüler und Fahrgäste der Bahn müssen also weiterhin auf den unbeliebten Schienenersatzverkehr mit Bussen zurückgreifen. Der Zweckverband hat zwar untersuchen lassen, ob sich die Züge nicht auf Teilen der Strecke in Betrieb nehmen lassen könnten. Aber „wegen massiver verkehrlicher und betrieblicher Nachteile für die Fahrgäste“ seien diese Pläne nicht weiterverfolgt worden. „Ich gehe nun fest davon aus, dass wir am 14. Dezember unser großes und bedeutsames Projekt zum Ausbau und zur Elektrifizierung der Schönbuchbahn erfolgreich abschließen werden“, betonte der Landrat Bernhard.

Ein komplexes und ambitioniertes Vorhaben

Er findet, dass der Zweckverband auch mit dem Datum 14. Dezember „gerade noch zufrieden sein“ könne: Das Vorhaben sei angesichts seiner Komplexität sehr ambitioniert gewesen. Mit den alten Dieselfahrzeugen sowie von der Deutschen Bahn ausgeliehenen elektrischen Triebfahrzeugen geht die Schönbuchbahn im Dezember auf die Strecke.

Die neun beim spanischen Hersteller CAF bestellten Züge sollen im Juli 2021 ausgeliefert werden. Nach einer Inspektionsreise zu der Fabrik in Saragossa hat der Zweckverband nun beschlossen, noch drei weitere der neuen dreigliedrigen Elektrotriebwagen zu bestellen – vorbehaltlich der Förderung durch das Land Baden-Württemberg. Damit soll sichergestellt werden, dass der 15-Minuten-Takt zwischen Böblingen und Holzgerlingen mit je zwei Zügen gefahren werden kann. Aufgrund der jüngsten Fahrgastprognose des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart reicht jeweils ein Triebwagen nicht aus, um die zu erwartenden Bahnfahrer zu befördern. Ein drittes Fahrzeug wird als Betriebsreserve für Ausfälle oder Wartungsarbeiten gebraucht Der Landrat rechnet mit einem 30-prozentigen Zuschuss vom Land.

Roland Bernhard will außerdem untersuchen lassen, wie, ob und wann die Schönbuchbahn an den von Dezember an verbesserten S-Bahn-Takt angebunden werden kann. Zukünftig weiten nämlich alle S-Bahn-Linien ihren Fahrplan aus. Die S 1 und die S 60 sollen dann zunächst nachmittags den Böblinger Bahnhof alle 15 Minuten bedienen. Die Verbandsmitglieder haben dem Vorschlag zugestimmt.