Ausbau des Nahverkehrs Jugendrat will Busse rund um die Uhr

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Der Nahverkehr soll künftig auch an Werktagen nachts fahren. Seit April sammeln die Jugendräte Unterschriften für ihre Forderung.

Stuttgarter Jugendräte verhandeln mit den Stadträten und Bezirksbeiräten wegen der Verbesserung beim hiesigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Foto: Kraufmann
Stuttgarter Jugendräte verhandeln mit den Stadträten und Bezirksbeiräten wegen der Verbesserung beim hiesigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Foto: Kraufmann

Stuttgart - Nachts läuft nichts. Wer in den äußeren Stadtbezirken wohnt, kommt nicht mehr nach Hause. Einige Jugendräte haben deshalb im Selbstversuch den Nachtbusverkehr in Karlsruhe getestet. Jetzt verhandeln sie mit den Stuttgarter Stadträten und Bezirksbeiräten wegen der Verbesserung beim hiesigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Nach wie vor sei das nächtliche Angebot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) "sehr provinziell", kritisiert Marcel Wolf stellvertretend für den Jugendrat. Dies sei umso unverständlicher, da im wesentlich kleineren Karlsruhe das Angebot besser sei, Stuttgart sich aber mit Metropolen wie München und Hamburg vergleiche.

Vorbild Karlsruhe

"In Karlsruhe kommt man alle 20 Minuten aus der City raus", berichtet Wolf von dem Ausflug der Jugendräte ins Badische. "Und die Straßenbahnen sind dort voll." Nicht nur an den Wochenenden, sondern auch unter der Woche fordern die Jugendlichen Nachtfahrten zwischen ein Uhr und 4.30 Uhr. Die Straßenbahnen sollten bis vier Uhr morgens jede Stunde fahren, so der Vorschlag des Jugendrats.

Seit April sammeln die Jugendräte Unterschriften für ihre Forderung. Knapp 5000 sollen es zurzeit sein, und im sozialen Netzwerk Facebook hat die Gruppe "Wir wollen einen 24 Stunden S -, U - Bahn oder Nachtbus-Betrieb in Stuttgart" innerhalb kürzester Zeit 10.500 Anhänger gefunden.

Die Jugendräte haben sich auch Gedanken darüber gemacht, wie der Stadtbahn-Fahrplan in der Nacht aussehen könnte, außerdem schlagen sie vor, für die Finanzierung Sponsoren zu gewinnen. Die SSB argumentiert, dass sie bei den Nachtfahrten kaum zusätzliche Einnahmen habe, weil die meisten Fahrgäste junge Leute mit Dauerticket seien. Dem widerspricht Wolf und verweist darauf, dass in anderen Städten alle Altersgruppen das Nachtangebot nutzen, zum Beispiel Berufstätige, die im Schichtdienst arbeiten.

Unterstützung vom Bezirksbeirat Süd

Unterstützt wird der Jungendrat jetzt vom Bezirksbeirat Süd. Der hatte kürzlich den Leiter der SSB-Produktplanung, Roland Krause, eingeladen. Die Jugendräte trugen bei dieser Gelegenheit ihre Forderung vor. Der Einsatz zusätzlicher Stadtbahnen oder Busse sei nur möglich, wenn die Stadt dies finanziere, erklärte Krause. Er bezweifelt die Notwendigkeit eines Nachtverkehrs, denn beim Testlauf während der Fußballweltmeisterschaft seien "erschreckend wenig Fahrgäste da gewesen, wenn Deutschland nicht gespielt hat". Aber die Argumente der SSB wollen die Bezirksbeiräte so nicht gelten lassen.

Für Bezirksvorsteher Rupert Kellermann (Grüne) ist der Fall klar: "Wenn ich eine Nachfrage will, muss ich in Vorlage gehen." FDP-Bezirksbeirat Wolf-Dieter Wieland findet es "ärmlich", dass die letzte Bahn 0.30 Uhr fährt. Er erinnert, "dass die SSB früher auch den Nachtbus abgelehnt hat." Tim Stephan (CDU) betont, dass die Frage, wie attraktiv eine Stadt ist, nicht nur unter dem Kostenfaktor betrachtet werden könne. Wolfgang Jaworek (Grüne) ruft dazu auf, Druck auf den Gemeinderat zu machen: "Das Nachtangebot könnte umgesetzt werden, wenn die neue Mehrheit im Rat sagen würde, das ist es uns wert."

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