Nachdem die Straßenbauarbeiter bei diesem Projekt nahezu vier Jahre lang Pause hatten, soll von Sommer an wieder ein Puzzleteil für den vierspurigen Ausbau der B 14 gesetzt beziehungsweise mit dem Setzen begonnen werden. Nach einer europaweiten Ausschreibung ist der Zuschlag für den Neubau des zweiten Murrtalviadukts erteilt worden. Dieses soll das Brückenbauwerk komplettieren, dessen eine Hälfte bereits vor elf Jahren fertiggestellt worden ist.
Wo endet der Ausbau der B 14 bisher?
Der vierstreifige Ausbau der Bundesstraße in Richtung Backnang reicht bisher zur Kreuzung Waldrems. Der jüngste Abschnitt war zum Jahreswechsel 2018/19 fertiggestellt worden. Die Kreuzung soll künftig in einem Tunnel unterfahren werden.
Warum wird dort nicht nahtlos weitergebaut?
Aufgrund so nicht erwarteter geologischer und hydrogeologischer Gegebenheiten muss das Tunnelbauwerk neu geplant werden. So sind laut dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, welches das gesamte Projekt im Auftrag des Bundes umsetzt, zusätzliche Verankerungen für die Baugrubensicherung notwendig und ein System mit einer geschlossenen Tunnelsohle. Das gilt neben dem Tunnel Waldrems auch für das geplante Bauwerk in Maubach. Außerdem wird zwischen beiden Tunneln ein zusätzliches Trogbauwerk notwendig, das wiederum zusätzliche Fluchttreppenhäuser benötigt. Der Tunnel Maubach muss aus statischen Gründen zudem tiefergelegt werden.
Sind inzwischen alle nötigen Grundstücksverhandlungen abgeschlossen?
Für den Bau des Murrtalviadukts seien alle erforderlichen Grundstücke vorhanden, antwortet das RP auf die Frage. Für die Gesamtmaßnahme gilt das aber offenkundig nicht. Aktuell laufe das entsprechende Flurneuordnungsverfahren. Die für den Bau benötigten Flächen würden dabei „sukzessive entsprechend dem Bedarf übergeben“, so eine Behördensprecherin.
Welche Probleme gibt es noch?
Für den Bau zweier Brücken im nördlichen Abschnitt muss die Bahn erst noch grünes Licht geben, denn dazu ist es notwendig, beide Bauwerke für drei Monate zu sperren. Die zuletzt für 2025 anvisierte Sperrung ist aber wegen zahlreicher anderer Maßnahmen im Schienennetz zu dem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Der Baustart ist deshalb einmal mehr – jetzt auf 2027 – verschoben worden. Am strittigsten aber sind die Planungen für die Anschlussstelle Backnang-Süd. Dort gibt es unterschiedliche Vorstellungen seitens der Stadt Backnang als betroffener Kommune, wie der Verkehr dort abgeleitet und in Richtung Weissacher Tal gelenkt werden soll. Das Regierungspräsidium erklärt dazu: Mit der angepassten planfestgestellten Lösung werde ein leistungsfähiger und verkehrssicherer Anschluss Backnang-Süd realisiert. Mögliche Maßnahmen der Stadt Backnang zur Verkehrsberuhigung in den Ortsdurchfahrten von Heiningen und Waldrems seien bei einer Verkehrsuntersuchung und Leistungsfähigkeitsbetrachtung berücksichtigt worden. „Eine Veranlassung des Bundes, als Straßenbaulastträger der B 14 die Änderungswünsche der Stadt umzusetzen, ist somit aktuell nicht gegeben.“ Es sei vielmehr an der Kommune, die Voraussetzungen für eine Änderung der Neubauplanung zu erreichen. Neben der notwendigen Zustimmung des Bundes zur Planungsänderung seien dies die Schaffung des entsprechenden Baurechts sowie – und das macht die Angelegenheit umso schwieriger – die Übernahme der durch die Änderung entstehenden Kosten für Planung und Bau. Um ein zügiges Vorankommen sicherzustellen, werde man die modifizierte planfestgestellte Variante weiter vorantreiben, so das RP.
Wie sieht es mit den Kosten aus?
Der Bau des zweiten Murrtalviadukts wird mit rund 23,7 Millionen Euro zu Buche schlagen. Gegenüber der ursprünglich veranschlagten Summe ist das ein Aufschlag von rund 30 Prozent. Eine Prognose für die Gesamtmaßnahme lässt das RP offen. Die aktuell genehmigten Kosten betrügen rund 187 Millionen Euro, heißt es vonseiten der Behörde. In Hinblick auf die fortgeschrittene Planung und die allgemeinen Baupreissteigerungen sowie die aktuelle Marktsituation werde die Kalkulation jedoch zurzeit überarbeitet und voraussichtlich im ersten Quartal des nächsten Jahres dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg zur Genehmigung vorgelegt. Anschließend werde sie dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr zur „Einholung eines Gesehenvermerks“ weitergegeben.
Wie soll es jetzt konkret in den einzelnen Abschnitten weitergehen?
Die weiteren Bauwerke sowie der Straßenbau im Abschnitt zwischen dem Murrtalviadukt und der Anschlussstelle Backnang-West werden im nächsten Jahr gesondert europaweit ausgeschrieben. Im Oktober dieses Jahres sollen in diesem Bauabschnitt (2.7) die Rodungsarbeiten beginnen. Die Fertigstellung und damit die Inbetriebnahme der ausgebauten B 14 zwischen den Anschlussstellen Backnang-Mitte und Backnang-West sind für Ende 2027 geplant. Parallel zum Bau dieses Abschnitts und des Murrtalviadukts (2.6) soll von 2024 an sukzessive mit der Ortsumfahrung Maubach und den Bahnbrücken (2.1 bis 2.3) sowie dem Tunnel Waldrems (1.2) begonnen werden.
Wann wird der Verkehr durchgängig vierspurig von und nach Backnang-West rollen?
Das Regierungspräsidium gibt „das Jahr 2028/2029“ an. Ob das tatsächlich ein realistisches Datum ist, bleibt abzuwarten. Zuletzt hatte der Landesverkehrsminister eine Komplettfertigstellung bis zum Jahr 2026 versprochen – um seine Aussage dann wieder revidieren zu müssen.