Die Bürgerinitiative hält nichts von den Plänen für den Bau einer weiteren Messehalle auf den Fildern. Aber nicht nur das: der Messeneubau sei mit falschen Zahlen durchgedrückt worden, bekräftigen die Filderschützer.

 
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Leinfelden-Echterdingen - Die Schutzgemeinschaft (SG) Filder hat die jüngsten Überlegungen der Messegeschäftsführung für eine Erweiterung der Ausstellungsfläche auf den Fildern kritisiert. Ein Ausbau sei auf keinen Fall notwendig, heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative. Die Messe brauche keine neue Halle, sondern „ein neues Management“.

Zu Wochenbeginn hatten die beiden Messedirektoren Ulrich Kromer und Roland Bleinroth in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung angekündigt, bald das Gespräch mit dem Land und der Stadt Stuttgart, den Anteilseignern der Messegesellschaft, über den Bau einer neuen Halle mit bis zu 35 000 Quadratmetern zu suchen. Die Kapazitäten seien heute schon ausgelastet, begründeten Kromer und Bleinroth ihre Initiative fünf Jahre nach dem Umzug der Ausstellungswelt vom Killesberg an den neuen Standort. Kromer hatte zugleich betont, ein Ausbau werde nur auf messeeigenen Flächen stattfinden und müsse von der Landesmesse selbst finanziert werden.

Die SG Filder erinnerte daran, dass diese Flächen den Filderbauern vor mehr als zehn Jahren „per Enteignungsdrohung“ abgerungen worden und aus Steuergeldern bezahlt worden seien. Es müsse Schluss sein mit der Schönfärberei der Messechefs, forderte die Pressesprecherin der Initiative, Gabi Visintin.

Streit um Besucherstatistik geht weiter

Die Schutzgemeinschaft erhob zudem erneut den Vorwurf, dass der mehr als 800 Millionen Euro teure Neubau der Hallen beim Flughafen mit falschen Zahlen durchgesetzt worden sei. Bei den Besucherzahlen hinke die neue Messe immer noch deutlich hinter den Spitzenjahren am alten, nur halb so großen Standort hinterher. Auch die Umsätze sowie die Zahl der Messen sei nahezu gleich geblieben, ebenso die Zahl der Beschäftigten. Der frühere Messechef Walter Gehring, so der Vorsitzende der SG, Steffen Siegel, habe ausdrücklich betont, dass die 1,6 Millionen Besucher aus dem Jahr 1996 reine Messebesucher gewesen seien. Kromer und Bleinroth dagegen hatten argumentiert, die Messe habe ihr Geschäftsmodell seit dem Umzug geändert; so würden die Besucher des Lichterfestes oder des Landwirtschaftlichen Hauptfestes bei der aktuellen Besucherstatistik entfallen, die rund 1,1 Millionen Gäste ausweist.

Bei der Stadt Stuttgart stieß die Initiative der Messechefs auf Wohlwollen: Man stehe einer Erweiterung grundsätzlich positiv gegenüber, sagte ein Sprecher. Die neue Messe laufe gut, es handele sich um eine organische Entwicklung. Daher sei man jederzeit gesprächsbereit. Das Wirtschaftsministerium wollte sich zu den Ausbauplänen zunächst nicht konkret äußern. Ein Sprecher bestätigte lediglich, die Träger seien im Gespräch.