Ausbeutung von Pflegekräften Senioren als Renditeobjekte

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)
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In Möglingen, etwa zehn Autominuten nördlich von Stuttgart, sitzt ein Mann, der solchen Unternehmen den Kampf angesagt hat. Bis vor ein paar Jahren hat Werner Huptas (57) noch selbst Betreuerinnen vermittelt. Doch jetzt kann der gebürtige Oberschlesier, laute Stimme, markanter Bürstenschnitt, mit der Billigkonkurrenz nicht mehr mithalten. Er hat kaum noch Aufträge. Statt zu vermitteln, führt er von seinem Wohnzimmerbüro aus einen verzweifelten Kampf. Er telefoniert täglich mit Staatsanwälten, Zollermittlern, Kranken- oder Rentenkassen, gibt Hinweise, zeigt dubiose Anbieter an. „Die Leute müssen wissen, dass für diese Agenturen Senioren nur Renditeobjekte sind“, sagt er.

Das Interesse der Behörden sei bislang eher bescheiden. „Ich zweifle langsam am deutschen Rechtsstaat.“ Es würden Sozialkassen betrogen, Tarife und gesetzliche Standards ausgehöhlt. Sein Fazit: „Die Behörden dulden die Schattenwirtschaft, weil sie keine einfachen Alternativen sehen.“

Mit „Schattenwirtschaft“ meint er Unternehmen wie etwa die Agentur Promedica Plus. Der Tochterbetrieb des polnischen Unternehmens Promedica 24 – nach eigenen Angaben europäischer Marktführer bei der Vermittlung von Betreuungskräften – hat ein deutschlandweites Netz mit vielen örtlichen Franchisepartnern aufgebaut. So wurden nach eigenen Angaben schon rund 17 000 Arbeitskräfte nach Deutschland vermittelt. Promedica Plus wirbt im Internet mit „24-Stunden-Betreuung zu Hause, ab 45 Euro pro Tag“ – also rund 1300 Euro monatlich. Die Dienstleistungen von Promedica Plus würden „in Übereinstimmung mit geltendem Recht“ erbracht, beteuert der Geschäftsführer Przemysław Magnuszewski auf Anfrage unserer Zeitung. Sein Unternehmen biete den Mitarbeiterinnen „Verdienstmöglichkeiten, die in der Regel weit über denen in ihrer Heimat liegen“.

Doch Zweifel an dem Geschäftsmodell scheinen angebracht. „Bei jedem Angebot einer ‚entsendeten‘ Rund-um-die-Uhr-Pflegekraft zum Preis von 1600 oder 1800 Euro pro Monat kann es nicht mit rechten Dingen zugehen“, teilt der Bundesverband Europäischer Betreuungs- und Pflegekräfte auf seiner Homepage mit.




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