Ausbildung bei Ceramtec in Plochingen Zum Kennenlernen geht es auf selbst gebauten Flößen über den Neckar

Vorsichtige erste Paddelschläge: Für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfte es die erste Floßfahrt sein. Foto: /Karin Ait Atmane

Die Plochinger Firma Ceramtec begrüßt ihre neuen Auszubildenden stets mit einer Einführungswoche: Statt verkrampfter Kennenlernspiele steht unter anderem ein gemeinsames Abenteuer auf dem Programm.

Die neuen Auszubildenden der Plochinger Firma Ceramtec haben eingebootet – und das im wahrsten Sinn des Wortes: Diese Woche sind 21 junge Leute auf drei selbst gebauten Flößen den Neckar hinuntergepaddelt. Jetzt kennt sich der neue Jahrgang schon richtig gut.

 

Die drei Flöße liegen startklar am Neckarufer, neben dem Radweg. Sie bestehen jeweils aus drei Komponenten: Die Azubis haben gelochte Siebdruck-Platten und die großen Schläuche von Radladern mit Kletterseilen miteinander verschnürt. Jedes Floß sieht ein wenig anders aus. Man darf gespannt sein, wie sich diese Fahrzeuge auf dem Wasser, mit jeweils sieben bis acht Personen besetzt, verhalten.

Schon das Zusammenbauen war eine erste Team-Erfahrung. „Das hat gut funktioniert“, sagt Lukas Müller, der in die Ausbildung zum Elektriker für Betriebstechnik startet. Beim gemeinsamen Werken komme man leicht ins Gespräch, findet Louis Seichter, der bei Ceramtec einen dualen Studiengang absolviert, „man kann sich auch privat austauschen“. Kristina Kukscha, künftige Industriekauffrau, weiß die Aktion ebenfalls zu schätzen: Das sei interessanter als die bekannten „Standard-Kennenlernspiele“. Die Stimmung ist gut, es habe sich schon eine Art Teamgefühl entwickelt, findet Tobias Kirchner, der ebenfalls Student ist.

Mittlerweile sind die Flöße getauft worden, anstelle einer Rede sollten die Gruppen jeweils ein vierzeiliges Gedicht verfassen, das sie jetzt vortragen. „Das fordert sie noch einmal auf eine andere Art und Weise heraus“, sagt Matthias Rothengaß von der Firma Horizonte in Esslingen. Der Erlebnispädagoge leitet das Event im Auftrag von Ceramtec. Er findet, dass die Aktion in vielem einer Ausbildung ähnlich ist: Die Azubis bekommen Material und Wissen an die Hand, müssen aber selbst damit umgehen. Sie können sich mal treiben lassen, müssen aber an den wichtigen Stellen richtig „Gas geben“. Und schließlich soll die Floßfahrt genau wie eine Ausbildung auch Spaß machen.

Jetzt geht es auch schon ans Einbooten, und einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist die Nervosität anzumerken. Für die meisten dürfte es die erste Floßfahrt sein – und gleich nach dem Einstieg kommt eine turbulente Stelle, die sich die Gruppe mit dem Coach vorab aber angeschaut hat. Am besten auf der breiten Strömungszunge durchfahren, empfiehlt Rothengaß.

Jedes Floß ist anders, jedes Team auch

Floß „Opti“ wird als erstes zu Wasser gelassen, sein Team „Kata“ – von Katastrophe – macht seinem Namen schon beim Einsteigen Ehre, mit Gepurzel und Gepolter und hinterhergeworfenen Paddeln. Die Plattform des Floßes sinkt nach unten und alle sitzen im Wasser, was bei stechender Sonne allerdings kein Problem ist. Floß „Ferrari“, als nächstes an der Reihe, erweist sich als sehr stabil und hat eine disziplinierte Crew, die gemäß der Ansage des Coaches flussaufwärts paddelt, bis auch die anderen im Wasser sind. Team drei, die Ceramtec-Piraten, die auf TT2 – eine Anspielung auf die Titanic – unterwegs sind, nimmt sich viel Zeit und geht vorsichtig an den Start, die Mitglieder helfen sich in aller Ruhe gegenseitig.

Jedes Floß ist anders, jedes Team ebenso. Die jungen Leute sind zwischen 16 und 25 Jahre alt und lernen in einem der sieben verschiedenen Ausbildungsberufe bei Ceramtec Plochingen/Ebersbach, vom Elektroniker über den Fachinformatiker oder die technische Produktdesignerin bis hin zu Industriekaufleuten. Durch den Ausbildungsgang „Maschinen- und Anlagenführer“, der nur zwei Jahre dauert, sind oft auch schon etwas ältere Azubis dabei.

Auf dem Neckar geht es flott voran, den ersten Schwall meistern alle problemlos, ebenso wie die weiteren. Auch eine große Wasserschlacht zwischen allen drei Flößen bleibt nicht aus. An der Ausstiegsstelle unter der alten Neckarbrücke in Plochingen werden die Azubis eineinhalb Stunden später von den Ausbilderinnen empfangen. Carolin Kroez vom Team Ausbildung freut sich, dass die Aktion dieses Jahr stattfinden konnte. In den Vorjahren waren die Wasserstände des Neckars zu niedrig, und man musste auf Seifenkistenbau ausweichen.

Ceramtec – Teambuilding und Produkte

Einführungswoche
Die Floßbau- und Paddelaktion ist nur ein Teil der Einführungswoche für neue Auszubildende bei Ceramtec. An weiteren Tagen kommen auch die Auszubildenden aus den Standorten in Lauf an der Pegnitz und Marktredwitz dazu. Dann finden weitere Teambuilding-Aktionen statt, und es gibt einen „Business-Knigge-Kurs“.

Hauptsitz in Plochingen
Die Firma Ceramtec beschäftigt weltweit mehr als 3800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon rund 2000 in Deutschland. Am Hauptsitz in Plochingen mit der Außenstelle Ebersbach sind es fast 900. Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen stellt Produkte aus Hochleistungskeramik her, unter anderem für medizinische Zwecke – beispielsweise Hüftprothesen –, aber auch Produkte für verschiedene Anwendungen in der Mobilitäts- und Elektroindustrie.  

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