Ausbildung in Baden-Württemberg So will die SPD den Pflegeberuf reformieren

Könnte das neue Gesetz schon 2023 umgesetzt werden? Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

In einem Gesetzentwurf schlägt die SPD-Landtagsfraktion eine zweijährige Ausbildung für die Pflegehilfe vor. Sie will damit ein wesentliches Problem bei der Lehre beheben und für mehr Nachwuchs in der Branche sorgen.

Die SPD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag will im Parlament einen Gesetzentwurf einbringen, mit dem die Ausbildung von Pflegehilfskräften modernisiert und auf ein höheres Niveau gehoben wird. „Die Pflegehelferausbildung ist Sache des Landes, aber bei uns in Baden-Württemberg passt sie nicht mehr zur generalistischen Pflegekraftausbildung, wie sie seit 2020 bundesweit in Kraft ist“, sagte SPD-Sozialexperte und Abgeordneter Florian Wahl unserer Zeitung.

 

Konkret ist das Problem ein Widersprich zwischen Bundes- und Landesgesetz: Mit dem Pflegeberufegesetz sind die Ausbildung in der Altenpflege und der Krankenpflege zusammengeführt worden, im Landesrecht aber laufen die einjährige Ausbildung in der Altenpflegehilfe und die einjährige Ausbildung in der Krankenpflegehilfe parallel nebeneinander. „Da besteht Handlungsbedarf, andere Länder wie Berlin, das Saarland und Nordrhein-Westfalen haben das erkannt und ihre Ausbildungen schon reformiert“, so Wahl.

Interesse an Pflegeberuf sinkt

Dass Baden-Württemberg in der Frage hinterherhinke, das hat laut SPD verschiedene Folgen. Zum einen sinke das Interesse am Pflegehelferberuf, zum anderen erhalte die SPD Rückmeldungen von Pflegeschulen, dass der Übergang von „aufstiegswilligen“ Pflegeassistenten, die sich später für eine dreijährige Fachkraftausbildung entscheiden würden, gestört sei. „Früher kamen 50 Prozent der Auszubildenden für die Fachkraftausbildung in der Altenpflege über die Pflegehilfe, ein Teil von ihnen konnte direkt in das zweite Ausbildungsjahr der dreijährigen Altenpflegeausbildung einsteigen“, berichtete Florian Wahl: „Das klappt schon wegen des Curriculums nicht mehr.“

In ihrem Entwurf für ein „Gesetz zur Einführung einer Ausbildung zur Pflegeassistenzkraft“ schlägt die SPD eine Zusammenlegung von beiden Hilfsberufen zusammen sowie eine Verlängerung der Ausbildungszeit auf zwei Jahre vor. Das würde sicherstellen, dass auch Pflegeassistenzkräfte „über fundierte pflegerische Kenntnisse verfügen und sich sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege sicher bewegen können“.

Ziel für die neue Ausbildung: Oktober 2023

Sollte das Gesetz noch vor der Sommerpause angenommen werden, könnte der erste Jahrgang schon im Oktober 2023 mit der neuen Ausbildung an den Start gehen, glaubt die SPD. Bis 2024 entfielen Mehrkosten in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro auf das Land, ab 2025 könnten es Mehrkosten in Höhe von etwa 20 Millionen Euro jährlich sein. In Fachkreisen wird eine Stärkung der Assistenzberufe für wünschenswert gehalten. „Unsere Pflegeschule in Sindelfingen ist voll belegt mit angehenden Pflegefachkräften“, so der Awo-Landesgeschäftsführer Marcel Faißt, aber die Nachfrage nach den einjährigen Helferausbildungen sei so gering, dass gar keine Klasse zustande gekommen sei. In einem Gutachten zur künftigen Personalausstattung in der Altenpflege hat der Bremer Professor Heinz Rothgang festgestellt, dass es für Fachkräfte im Durchschnitt nur einen geringen Personalmehrbedarf geben werde: „Die stärksten Effekte zeigen sich für die Pflegekräfte mit ein- oder zweijähriger Ausbildung nach Landesrecht.“

Zustimmung im Parlament steht aus

Florian Wahl sagt, dass der rund 70 Seiten starke Gesetzentwurf für die SPD-Fraktion ziemlich aufwendig gewesen sei, man habe ja keinen Regierungsapparat im Hintergrund: „Wir hoffen auf eine Zustimmung im Parlament, sind aber auch nicht naiv.“ Selbst wenn Grün-Schwarz den Vorschlag der Oppositions ablehnen sollte und später mit einem ähnlichen Entwurf „unter anderem Label“ kommen werde, dann sei das in Ordnung. Wahl: „Wir würden da zustimmen. Uns geht es um die Sache.“

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