Ausbildung Physiotherapie-Schüler fühlen sich ausgebeutet

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Hohe Schulkosten, eine schlechte Bezahlung und wenig Wertschätzung machen den Beruf unattraktiv. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Häffner hörte sich die Probleme und Nöte von Auszubildenden der Do-Physio-Schule in Fellbach an.

Grünen-Abgeordnete Petra Häffner (3.v.li.) besucht die Do-Physio-Schule. Foto: Patricia Sigerist
Grünen-Abgeordnete Petra Häffner (3.v.li.) besucht die Do-Physio-Schule. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Wenn Petra Häffner an ihre Ausbildung zurückdenkt, sieht sie vor ihrem geistigen Auge einen Porsche 911er. Denn so viel Geld, wie der Sportwagen kostet, sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete, habe sie insgesamt ausgegeben, um als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin arbeiten zu können.

Die Politikerin war zu Besuch in der Do-Physio-Schule in Fellbach. Kein unbekannter Ort für Petra Häffner, hatte sie doch dort als freie Dozentin und Praktikumsbetreuerin gearbeitet, bevor sie sich 2011 in die Politik verabschiedete. Der kommissarische Schulleiter Dietmar Klingschat hatte sie eingeladen, denn die 54-Jährige kennt die Sorgen und Nöte seiner Schüler – es sind die gleichen wie zu ihrer Zeit. Kurz zusammengefasst heißen diese: hohe Schulkosten, eine schlechte Bezahlung und wenig Wertschätzung.

„Mich kosten alleine die drei Jahre Ausbildung fast 20 000 Euro“, sagte Charlotte Lang, die momentan mitten im Examen steckt. Da ist einmal das monatliche Schulgeld, das die Auszubildenden bezahlen müssen, dazu kommen Kosten für Bücher und Fortbildungen. Auch das einjährige Praktikum, das sie in einer Praxis, in einem Krankenhaus oder einer Reha-Klinik absolvieren müssen, ist unbezahlt. „Da fühlt man sich ausgenutzt“, sagte Charlotte Lang. Und das macht den Beruf unattraktiv, was auch Auswirkungen auf die Do-Physio-Schule hat: So sind die Schülerzahlen von einst 220 auf aktuell 132 gefallen.

Die Schüler berichteten auch, dass sie immer wieder Probleme mit der Wertschätzung ihres Berufes haben

Während andere Auszubildende selbstverständlich ein Gehalt kassieren, müssen die Physiotherapie-Schüler Schulgeld bezahlen. Das gefällt auch Dietmar Klingschat nicht. „Wenn wir es finanzieren könnten, dann würden wir unsere Schüler umsonst ausbilden.“ Doch es gibt eine kleine Verbesserung: Durch die Änderung des Privatschulgesetzes zahlen die Schüler ab Oktober nicht mehr 330 Euro, sondern 160 Euro pro Monat. Jetzt hat aber der Schulleiter ein betriebswirtschaftliches Problem: „Es ist noch unklar, wie hoch die Zuschüsse vom Land künftig sind.“

Die Schüler berichteten auch, dass sie immer wieder Probleme mit der Wertschätzung ihres Berufes haben. „Viele Patienten verwechseln es mit einer Massage“, sagte die Schülerratsvorsitzende Una Krauß. Petra Häffner erzählte von ihren Erfahrungen und gab Tipps: „Als Physiotherapeut solltet ihr mit Chefärzten in den Dialog gehen, damit ihr Fachkompetenz zeigt und euer Beruf stärker akzeptiert wird“, sagte sie.

Petra Häffner hat als Grünen-Abgeordnete in der vergangenen Legislaturperiode das Programm „Akademisierung der Gesundheitsfachberufe“ mit auf den Weg gebracht. Dafür stellt die Landesregierung von 2015 bis 2020 jährlich rund zehn Millionen Euro zur Verfügung. Besonders gefragt sind Studienplätze für Physiotherapie. „Aber es darf keine Konkurrenz zwischen Schule und Studium geben“, sagte Una Krauß. Die Politikerin motivierte die Auszubildenden, sich später in den Verbänden zu engagieren. Und würde Petra Häffner noch mal in einer ganz normalen Praxis für Physiotherapie arbeiten?, fragten die Schüler. „Nein“, sagte diese.




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