Ausbildung Was ein Jäger alles wissen muss

Annika Richter macht gerade den Jagdschein. Dafür muss sie auch wissen, wie Blätter einzelner Baumarten aussehen. Foto: Jacqueline Fritsch
Annika Richter macht gerade den Jagdschein. Dafür muss sie auch wissen, wie Blätter einzelner Baumarten aussehen. Foto: Jacqueline Fritsch

Im Schießzentrum Euroshot in Steinenbronn kann man eine Ausbildung zum Jäger machen. Dazu gehört viel mehr als nur Schießen. Unterwegs im Wald mit einer Gruppe Azubis.

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Steinenbronn - Vorsichtig hebt Annika Richter ein gelb-braunes Ahornblatt vom feuchten Waldboden auf und steckt es in die Außentasche ihres Rucksacks. Naturnah sei sie schon immer gewesen, sagt sie. Nun will sie es aber genauer wissen und mehr über Bäume, Wälder und deren Bewohner lernen. Die 26-Jährige ist mitten in einer Ausbildung zur Jägerin. Der schlanken jungen Frau traut man es fast nicht zu, dass sie eines Tages mit einem Gewehr durch die Wälder streifen wird. „Wenn man sieht, dass ein Tier krank ist und sich quält, gehört das Schießen eben auch dazu“, sagt Richter.

Rund 30 Menschen in ganz unterschiedlichem Alter sind an diesem Tag mit dem Revierförster Eckard Hellstern auf dem Waldsportpfad Weilerhau unterwegs. Sie machen in der Jagdschule Siebenmühlental, die vom Steinenbronner Schießzentrum Euroshot betrieben wird, derzeit den Jagdschein. Acht Wochen lang stehen jeden Samstag und Sonntag Theorie- und Praxiseinheiten zu Wildtiermanagement, Jagdbetrieb, Naturschutz sowie zum Besitz und Einsatz von Waffen auf dem Stundenplan. Annika Richter ist eine von fünf Frauen, die an diesem Kurs teilnehmen. Sie kommt dafür jede Woche mit zwei Freunden extra aus Bietigheim-Bissingen.

Fünf Frauen machen die Ausbildung

„Wer auf der Jagd ist, will Erholung, Entspannung und das Naturerlebnis“, sagt Eckard Hellstern zu seinen Lehrlingen. Als Jäger sollen sie auch darauf achten, dass der Wald möglichst erhalten bleibt. „Wir sind gerade an einem Punkt, an dem der Wald in Gefahr ist, wir können es uns aber nicht leisten, ihn zu verlieren“, sagt der Förster. Eine Buche würde immerhin genügend Sauerstoff für 20 Menschen produzieren. Dass Bäume von Menschen nachgepflanzt werden, sei aber eher ein Plan B. Besser seien natürlich angesamte Bäume, weil diese ein besseres Wurzelsystem entwickeln und stabiler sind.

Baumarten lernen auf dem Weg zur Arbeit

Wie Blätter, Zapfen und Wurzeln einzelner Baumarten aussehen, müssen die Lehrlinge für ihre Jagdschein-Prüfung wissen. Diese besteht aus drei Teilen: einem schriftlichen, einem mündlich-praktischen, bei dem es um Zusammenhänge in der Natur geht, und einer praktischen Schießprüfung. „Es ist schon umfangreich, aber das ist ja auch in Ordnung, wenn man bedenkt, dass man dann einem Tier das Leben nimmt“, sagt Annika Richter. Für sie sei es kein Problem, sich auf die große Prüfung vorzubereiten. „Es interessiert einen ja“, sagt sie, „und das Thema umgibt einen immer; Baumarten kann ich zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit lernen“.

Annika Richter geht es bei der Ausbildung zur Jägerin vor allem um den Naturschutz, sagt sie. Sie möchte Kontakte mit anderen Jägern knüpfen und Jagdreviere natürlich gestalten. Das Gewehr ist für sie dabei schlicht das Werkzeug des Jägers, mit dem sorgsam umgegangen werden sollte. „Ich esse gerne Fleisch und will damit auch die Wertschätzung dafür erhalten“, sagt Richter, „man hat viel für das Tier getan, wenn man ihm mit einem guten Schuss das Leiden erspart“. Vor ihrer Ausbildung hatte die 26-Jährige noch nie eine Waffe in der Hand. „Es wird einem aber sehr gut beigebracht“, versichert sie.

In der Corona-Zeit dafür entschieden

Ob er als künftiger Jagdschein-Besitzer jemals ein Tier erschießen wird, weiß Robert Pauli noch nicht. Er macht die Jäger-Ausbildung gemeinsam mit seinem Freund Andreas Koppe. „Es kann gut sein, dass ich nie ein Tier erlege, ich werde mich nur mit dem ganzen Thema mehr befassen als bisher“, sagt Pauli.

Auf die Idee, den Jagdschein zu machen, seien die beiden Vaihinger am Anfang der Corona-Zeit gekommen. „Wir waren viel draußen unterwegs, und dann war das eine spontane Idee“, erzählt Koppe. Statt eines Urlaubs haben sich die beiden dann den Kurs für jeweils knapp 2000 Euro geleistet.

Drei Wochenenden haben die Kursteilnehmer nun noch vor sich, bevor es für sie auf die Prüfung zugeht. „Es ist gedanklich noch so weit weg, dass man den Jagdschein hat“, sagt Annika Richter. Nach der bestandenen Prüfung kann sie dann den Schein beantragen. Als künftige Waffenbesitzerin wird sie zunächst vom Verfassungsschutz geprüft. Wer den Jagdschein hat, kann damit Waffen kaufen, nicht aber irgendwo im Wald jagen gehen. Jeder Jäger benötigt ein eigenes Revier. Frisch ausgebildete Jäger suchen sich meist erfahrene Kollegen, die sie mit in ihr Jagdrevier nehmen.




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