Artikel schreiben, Podcasts produzieren, Kurzvideos schneiden: Der digitale Journalismus bietet viel Raum zum Ausprobieren. Wie sieht die Ausbildung aus? Unsere Volontärin erzählt.

Volontäre: Isabell Erb (erb)

Es ist schon ein besonderes Gefühl, das sich breit macht, wenn man das Stuttgarter Pressehaus zum ersten Mal betritt. Hunderte von Zeitungsseiten hängen über das Haus verteilt an den Wänden. Sie sind gefüllt mit Geschichten über besondere Menschen, mit Gedanken und Kommentaren, mit harten Nachrichten und deren Folgen. Titel wie „DDR bricht Mauer auf – Ansturm von Besuchern“ sind darauf zu lesen. Aus einer Mischung aus Respekt und Enthusiasmus drängt sich die Frage auf, welche Themen wohl auf einen selbst zukommen.

 

Auch heute noch gilt der Journalismus als Traumberuf – trotz der rasend schnellen Veränderungen, die die Branche aktuell durchläuft. Auch heute noch möchten sich junge Menschen zu Redakteuren ausbilden lassen und den Lesern einen Einblick davon vermitteln, was vor ihrer Haustür, aber auch, was in der Welt wichtig ist. Und das Schöne ist: Inzwischen ist das nicht nur über die klassische Printzeitung möglich, sondern auch über Online-Kanäle, über Podcasts, über Youtube-Videos und über die sozialen Medien. Überall da eben, wo man Menschen erreicht. Welche Schritte gehen angehende Redakteure klassischerweise, um sich als Journalisten in einem Medienhaus zu etablieren?

Schritt 1 in den Beruf: In einem Medienhaus volontieren

Der klassische Weg in den Beruf des Redakteurs ist, ein Volontariat bei einem Medium zu absolvieren. Diesem gehen meist erste redaktionelle Schritte in diversen Praktika und eine freie Mitarbeit bei unterschiedlichen Medienhäusern voraus. Danach steht das Volontariat an, bei dem die angehenden Journalisten zu Redakteuren ausgebildet werden. Auch die Stuttgarter Zeitung bietet ein solches an. Zwei Jahre lang durchlaufen die „Volos“, wie die Volontäre gerne genannt werden, die unterschiedlichsten Stationen – vom Hauptstadtbüro in Berlin bis hin zum Digital Desk, wo zum Beispiel die Webseite und die sozialen Medien bespielt werden.

Die Volos schreiben potenziell Texte für jedes Buch der Stuttgarter Zeitung – vom Mantel bis zum Sport. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Einen großen Teil der Ausbildung absolvieren die Volontäre in einer der fünf Lokalstationen. Dort lernen die „Volos“ das Handwerk von der Pike auf: Wie finde ich gute Themen? Wie baue ich einen Text sinnvoll auf? Welche journalistischen Standards muss ich einhalten – auch unter Zeitdruck? Gerade, wer sich für viele unterschiedliche Themen begeistert und noch keinen inhaltlichen Schwerpunkt gefunden hat, kann sich dort gut orientieren. Denn alle Themen, die auf Bundes- oder Landesebene stattfinden, wirken sich auf das Lokale, auf das Leben vor Ort aus – und tauchen in den Gemeinderäten, in den Amtsgerichten, aber auch in den Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen wieder auf.

Schritt 2 in den Beruf: Den eigenen Schwerpunkt legen

Mit dieser Erfahrung geht es in den zweiten Teil des Volontariats. Dieser ist weit weniger strukturiert als das erste Jahr, die Volontäre können sich ihre Ausbildung innerhalb von fünf unterschiedlichen Themenclustern selbst zusammenstellen. Manche zieht es eher in die Politik, andere in den Sport, wieder andere interessieren sich für die Themen Infrastruktur und Wohnen. Auch externe Stationen sind möglich. Wer gerne aus einem anderen Land berichten möchte, kann etwa eine Recherchereise organisieren, Hospitanzen bei der Deutschen Presseagentur sind ebenfalls eine Option.

Aus dem Print heraus ins Digitale – diesen Weg hat die Stuttgarter schon lange eingeschlagen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Aber egal für welche Stationen sich die Volontäre entscheiden, eine Sache haben sie gemeinsam: Sie werden angehalten, eigene Themen vorzuschlagen und Ideen einzubringen. Einen Podcast produzieren, ein Datenprojekt erarbeiten, Kurzvideos für die sozialen Medien erstellen – all das ist nicht nur möglich, sondern auch gern gesehen.

Schritt 3 in den Beruf: Sich selbst kennenlernen

Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Während des Volontariats lernt man nicht nur viele interessante, teils ungewöhnliche Menschen kennen, sondern auch sich selbst. Was sind meine Stärken, wo will ich hin? Was ist mir wichtig? Bei aller Unsicherheit, die der Beruf im aktuellen Wandel mit sich bringt, ist das für viele ein Antrieb, ihn weiter zu verfolgen: die Dinge, die einen beschäftigen, aufzuschreiben. Und natürlich die Frage, die einen ab dem ersten Schritt ins Pressehaus nicht mehr loslässt: Welche Themen kommen wohl als nächstes auf mich zu?