Ausbildungsmarkt im Kreis Göppingen Fast die Hälfte der Lehrstellen unbesetzt

Kfz-Mechatroniker gehört zu den beliebten Ausbildungsberufen, andere Branchen wie die Gastronomie tun sich hingegen schwer, ihre Lehrstellen zu besetzen. Foto:  

Weil es immer weniger Jugendliche und Schulabgänger gibt, tun sich im Landkreis Göppingen Betriebe vor allem in unbeliebten Branchen schwer, Auszubildende zu finden. Für die jungen Leuten sind die Chancen dagegen besser denn je.

Fast die Hälfte aller Ausbildungsstellen im Landkreis ist noch unbesetzt – und im September beginnt in den meisten Branchen das neue Lehrjahr. Darauf hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in dieser Woche hingewiesen und konstatiert: „Auch Spätstarter haben immer noch gute Chancen, im Kreis Göppingen einen Ausbildungsbetrieb zu finden.“ Das kann Kerstin Fickus, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Göppingen, bestätigen. Die aktuellsten Zahlen sind von Ende Juli und die zeigen: 1905 Berufsausbildungsstellen waren gemeldet. „876 Ausbildungsstellen sind aktuell noch unbesetzt.“ Das seien rund 46 Prozent der Stellen, allerdings immerhin 11,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Denn da gab es noch mehr unbesetzte Stellen, 990 von 1896. Allerdings zum Stichtag 30. September, das heißt, die Bilanz könnte dieses Jahr noch weiter aufpoliert werden.

 

In den Coronajahren sind die Bewerberzahlen eingebrochen

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass unterm Strich immer weniger junge Menschen ein Interesse an einem Lehrberuf haben. Gab es 2019 im Landkreis noch 1885 Bewerberinnen und Bewerber, folgte in den Coronajahren ein massiver Rückgang auf rund 1350. Im September 2023 waren es wieder etwas mehr als 1500, Ende Juli dieses Jahres 1426.

Der Hauptgrund, warum sich mittlerweile die Azubis oft ihren Betrieb aussuchen können und nicht mehr die Unternehmen die freie Wahl unter Bewerbern haben, ist schnell ausgemacht – die demografische Entwicklung, es gibt schlichtweg immer weniger Jugendliche. Fickus verweist auf aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamts. Demnach gab es vor zehn Jahren, im Jahr 2014, noch knapp 3000 Schulabgänger im Landkreis, im vergangenen Jahr waren es nur noch 2200, ein Rückgang um mehr als 26 Prozent.

Die Generation Z stellt hohe Ansprüche

Aus Sicht der angehenden Azubis eine erfreuliche Entwicklung. „Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsstellen sind ein gefragtes Gut und bei Arbeitgebern händeringend gesucht. Sie hatten in den vergangenen Jahren ganz klar die Nase vorn“, sagt Fickus. Das zeige, dass sich junge Menschen wieder mehr für die Ausbildung interessierten. „Praktisch jeder, der ernsthaft an einer Ausbildung interessiert war, konnte die Chancen nutzen und eine Ausbildung beginnen.“ Fickus sieht hier auch die Unternehmen gefordert: „Die sogenannte Generation Z, die jetzt an der Schwelle von der Schule in den Beruf steht, stellt Wünsche an das Berufsleben, auf die sich Betriebe einstellen und auf die sie eingehen müssen, wenn sie beim Rennen um die Nachwuchskräfte vorne liegen möchten. Sie sollten deshalb auch Bewerberinnen und Bewerbern, die nicht ganz ihren Vorstellungen entsprechen, eine Chance geben.“

Arbeiten am Wochenende ist unbeliebt

Uwe Schwab, stellvertretender Leiter der IHK-Bezirkskammer Göppingen, verweist auf eine Umfrage für die Region Stuttgart, bei der im Sommer 2023 Betriebe zur Ausbildungsreife von Jugendlichen befragt wurden. „Demnach gaben zwei Drittel der Betriebe an, in den vergangenen Jahren Ausbildungsstellen nicht besetzt zu haben, weil die geeigneten Bewerber fehlten.“ Schwab hat als eine Ursache die „Life-Work-Balance“ – er will ganz bewusst nicht „Work-Life-Balance“ sagen – der jungen Menschen ausgemacht. „Deshalb sind vor allem Berufe weniger beliebt, bei denen man auch am Wochenende arbeiten muss, wie in der Gastronomie. Hier bedienen sich die Betriebe inzwischen auf dem internationalen Markt und rekrutieren ihre Auszubildenden aus Marokko oder Vietnam. Auch Indien rückt immer stärker in den Fokus.“ Auch würden händeringend Berufskraftfahrer, Azubis in Lagerberufen und sogar im Einzelhandel gesucht.

Nicht alle Berufe sind wenig nachgefragt

Beliebtheit
Die Zahl der freibleibenden Lehrstellen bedeutet natürlich auch, dass unbeliebte Berufe außen vor bleiben. Doch etwa im besonders beliebten kaufmännischen Bereich reichen die Stellen nicht für alle Interessenten, deshalb sind laut Kerstin Fickus die Passungsprobleme, Betriebe und Nachwuchskräfte zusammenzubringen, größer geworden.

Unbeliebtheit
  In den Top 10 der häufigsten Berufswünsche junger Menschen stünden seit vielen Jahren dieselben Berufe ganz weit vorne, offene Stellen gebe es beispielsweise bei etlichen Berufen im Handwerk, der Lebensmittelbranche oder der Gastronomie.

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