Ausbildungsmesse in Bad Cannstatt Nur wenige Handwerker nutzen die Plattform

Am Stand von Maler Maier werden Tattoos wie am Fließband gesprayt. Foto: Georg Linsenmann
Am Stand von Maler Maier werden Tattoos wie am Fließband gesprayt. Foto: Georg Linsenmann

Ein sehr gemischtes Bild hat die Ausbildungsmesse Local Career im Großen Kursaal gezeigt.

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Kurpark - Mehr als 500 Schüler hatten sich angemeldet, und gut eine Stunde nach Öffnung herrscht schon reger Betrieb im Kursaal. Flankiert wird das Entrée von Polizei und Bundeswehr. Deren Präsenz bleibt rein ziviler Natur – auch wenn ab und zu ein Luftballon platzt und mancher sich erschreckt umschaut. Hauptmann Hans Brandel freut sich über Interessenten: „Stuttgart ist eine schwierige Stadt für die Bundeswehr, wir dürfen nur noch an ein einziges Gymnasium. Deshalb freuen wir uns über jede Einladung, um über die tausend verschiedenen Berufsmöglichkeiten bei uns informieren zu können.“

Fabian, Achtklässler der Brunnen-Realschule, interessiert sich eher für soziale Berufe, und die sind gut vertreten. Jetzt hat er entdeckt, „dass auch Ergotherapie dazu zählt“. So nutzt er die Gelegenheit, sich einen Überblick zu verschaffen: „Ich habe ja noch ein bisschen Zeit, bis ich mich entscheiden muss.“ „Schöne Aussichten“ verspricht die BW-Bank, die über Ausbildungschancen und Duales Studium informiert. Und auch bei Ute Reichelt von Job-Connections „ist richtig Durchlauf“, wie sie sagt: „Wir haben intensive Gespräche und sind auch schon ein paar mitgebrachte Bewerbungen durchgegangen.“

Es fehlen die Handwerker im Kursaal

Ob das Berufskolleg Dr. Flad, die AOK, die Rechtsanwaltskammer Stuttgart oder die Diakonie, die Pflegeberufe schmackhaft machen will, überall finden sich Grüppchen ein. Auch bei der Flughafen AG, die fast 50 Ausbildungsberufe zu bieten hat. Erst recht bei Friseur Scholz, wo sich permanent jemand die Haare schön machen lässt. Umlagert ist auch Maler Maier, wo wie am Fließband Tattoos gesprayt werden.

Der Cannstatter Handwerksbetrieb ist auf dieser Messe allerdings allein auf weiter Flur. „Es fehlen die Handwerker“, hatte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler schon zu Beginn seines Rundganges festgestellt – und Firmenchef Jürgen Maier legt auch gleich den Finger in den wunden Punkt der aktuellen Local Career: „Wir haben hier eine Plattform und die Kollegen nutzen das nicht! Das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich nichts tue, dann tut sich auch nichts,“ ist Maiers Credo. Seit 25 Jahre gehe er auf Ausbildungsmessen: „Kleiner Aufwand, großer Effekt: Wir haben immer genug Azubis!“

Bewerbungstipps kommen gut an

In dasselbe Horn bläst Claus Denzinger von der Agentur für Arbeit: „Vielleicht gibt es eine gewisse Messemüdigkeit“, meint der Berufsberater und macht noch auf einen anderen Punkt aufmerksam: „Ich sehe viele lustlos herumschlurfende Schüler. Die Schulen müssten das als Chance sehen und die Schüler vorbereiten, ihnen Aufgaben mitgeben. Dann wären sie nicht so orientierungslos.“ Wozu Löffler meint: „Wir müssen froh sein, dass die Schulen überhaupt mitmachen.“ Zugleich verteidigt er die Messe als „Erfolgsmodell“: „Es gibt Luft nach oben, aber das Potenzial ist da. Wir werden es wieder versuchen.“

Offen räumt David vom Eschbach-Gymnasium Freiberg ein, dass er „lieber auf die Englisch-Klausur gelernt“ hätte. Auch andere Neuntklässler aus der Gruppe sind gelangweilt. Dominik aber hält stand: „Ich finde es gut. Ich habe mir Tipps geholt, wie ich die Bewerbung besser machen kann.“ Die Chance, sich aus der beruflichen Praxis konkreten Rat zu holen, wurde auch bei Mahle „von einigen genutzt“, wie Azubi Robin Seeger sagt: „Was macht ihr? Was würde zu mir passen? Wie bekomme ich ein Praktikum? Wie geht ein Einstellungsgespräch? Das waren so die Fragen.“ Genutzt hat auch Aldi die Chance: „Wir sind zum ersten Mal dabei, weil wir noch freie Azubi-Stellen haben“, sagt Corinna Decker und ergänzt: „Es waren gute Kandidaten da, die sich bewerben wollen.“




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