Ausbreitung des Coronavirus Was, wenn die Pandemie kommt?

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Das neuartige Coronavirus breitet sich vor allem in China weiter rasant aus. Experten sprechen immer wieder davon, dass eine Pandemie nicht vermeidbar sein könnte. Was würde das bedeuten?

In China desinfizieren Fachleute zum Beispiel Züge, um eine weitere Verbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2  zu verhindern. Foto: dpa/Lu Boan
In China desinfizieren Fachleute zum Beispiel Züge, um eine weitere Verbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 zu verhindern. Foto: dpa/Lu Boan

Berlin - Das Coronavirus breitet sich weiter enorm schnell aus. Besonders in China steigen die Zahlen derjenigen, die sich infiziert haben, rasant an. Immer wieder sprechen Experten nun von einer möglichen Pandemie. Doch was bedeutet das überhaupt – und wie könnte sie noch verhindert werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Was ist eine Pandemie überhaupt – und wie unterscheidet sie sich von einer Epidemie?

Von einer Pandemie spricht man, wenn sich eine Infektionskrankheit beim Menschen über mehrere Länder und Kontinente hinweg ausbreitet – und zwar so, dass die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. Im Gegensatz zu einer Epidemie wären die Ansteckungen dann also nicht mehr begrenzt – sowohl regional nicht als auch zeitlich nicht. Bei einer Grippewelle etwa bleiben die Ausbrüche in der Regel lokal begrenzt, man spricht also von einer Influenza-Epidemie.

Eine Pandemie kann nur entstehen, wenn ein Virus gut von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Von Pandemien ist etwa im Zusammenhang mit dem HI-Virus und die Rede, der sich seit etwa 1980 weltweit ausgebreitet hat, sowie mit der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit 500 Millionen Menschen erkranken ließ.

Könnte es sein, dass die Verbreitung des Coronavirus zu einer Pandemie wird?

Noch kann man nicht von einer Pandemie sprechen. Laut Experten etwa vom Robert-Koch-Institut (RKI) bestehe durchaus die Chance, dass es auch keine werde. So habe man die Hoffnung, dass lang anhaltende Infektionsketten noch verhindert werden könnten, heißt es. Doch die Dynamik des Ausbruchs und der Ausbreitung des Virus ist derzeit kaum vorherzusagen, die Einschätzung kann sich durch neue Erkenntnisse ändern. Die Möglichkeit einer Pandemie besteht durchaus. Experten, etwa der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin, haben in Interviews darauf hingewiesen, dass es sinnvoll sei, sich auf eine Pandemie einzustellen und Vorkehrungen zu treffen.

Wie ansteckend ist die neue Lungenerkrankung Covid-19?

Wohl ansteckender als von vielen Wissenschaftlern anfangs vermutet. Bei einer Veranstaltung des Science Media Center und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Berlin erklärte der Virologe Christian Drosten: Das Coronavirus – bezeichnet als Sars-CoV-2 – vermehre sich ersten Patientenbeobachten zufolge wohl wie das Influenzavirus auch im Rachen. Es sei also allem Anschein nach nicht wie das Sars-Virus von Lunge zu Lunge übertragbar, sondern von Rachen zu Rachen – das mache es ansteckender als anfangs vermutet und sei ein großer Unterschied zu Sars.

Vom Robert-Koch-Institut heißt es: Viele Eigenschaften des Sars-CoV-2 seien momentan noch nicht bekannt, zum Beispiel der Zeitraum der höchsten Ansteckungsfähigkeit, wie schwer die Krankheit verläuft oder wie lange die Erkrankten tatsächlich Viren ausscheiden, also noch infektiös sind. Selbst Menschen, die wenig oder keine Symptome verspüren, können Fachleuten zufolge wohl andere anstecken. Unklar sei derzeit auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus und die Frage, wie viele Menschen ein Infizierter anstecken kann.

Was sind die Symptome – und wer stirbt?

„Schwere und tödliche Krankheitsverläufe kommen bei einem Teil der Fälle vor“, heißt es vom RKI. In China liege die aus der Statistik abzulesende Sterberate demnach bei etwa zwei Prozent, außerhalb davon bei 0,2 Prozent. Dies sei Virologe Christian Drosten zufolge eine wichtige neue Information: „Es ist ein Gesamtbild, das jetzt auf einen Verlauf ähnlich einer Grippe-Pandemie hindeutet, wenn es denn eine Pandemie wird.“

Experten zufolge tritt die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 für die meisten Betroffenen als Erkältungskrankheit in Erscheinung. „Die häufigsten genannten Symptome sind Fieber, Schnupfen und Husten“, heißt es in einem aktuellen Bericht des RKI. Darüber hinaus seien auch allgemeine Krankheitszeichen sowie Apathie, Appetit- und Gewichtsverlust, Schmerzen und Übelkeit genannt worden. Besondere Risikogruppe sind demnach ältere Patienten. „Wir wissen, Kinder sind praktisch nicht betroffen. Wir wissen, Schwangere sind wahrscheinlich nicht speziell betroffen“, sagt Christian Drosten.

Wie verbreitet sich die neue Lungenkrankheit derzeit?

Bislang hat sich das Coronavirus aktuellen Daten zufolge nicht in größerem Maße auch außerhalb von China verbreitet. Dafür unternimmt das Land drastische Maßnahmen. Bei Ansteckungsketten in anderen Ländern hat es laut Einschätzungen von Experten immer einen Zusammenhang mit Infektionsgeschehen in China gegeben – so etwa in London, wo eine erste Infektion bestätigt wurde.

Trotzdem steigen die Infektionen mit dem Sars-CoV-2 in China weiter enorm an, ein Ende der Epidemie ist nicht absehbar. Landesweit sind derzeit in der offiziellen Statistik knapp 64 000 Infektionen erfasst, knapp 1400 Menschen starben demnach. Die Dunkelziffer liegt Experten zufolge aber deutlich höher. Den chinesischen Behörden zufolge haben sich bereits mehr als 1700 medizinische Helfer wie Ärzte und Krankenhauspersonal angesteckt, mindestens sechs Helfer kamen demnach ums Leben. Die Rückreise von zig Millionen Chinesen, die nach den wegen Covid-19 verlängerten Ferien wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, lässt neue Infektionswellen befürchten. „Wir sind momentan nicht in der Lage, die Dynamik des Ausbruchs zu prognostizieren“, so der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag. Die Zahl der neu bestätigten Infektionen war zuletzt dramatisch um 15 000 angestiegen, weil in einer neuen Zählweise auch die klinischen Diagnosen der Covid-19 genannten Lungenkrankheit aus den vergangenen Wochen mitgerechnet wurden.

Wie steht es um die Fälle in Deutschland?

Auch in Deutschland gibt es bislang in allen Ansteckungsfällen einen Zusammenhang mit China. Die 14 Infizierten in Bayern – der erste Patient ist vollständig genesen und am Donnerstag aus der Klinik entlassen worden – hängen mit einer chinesischen Mitarbeiterin des Autozulieferers Webasto zusammen, die das Virus eingeschleppt hatte. Zwei infizierte Wuhan-Rückkehrer sind in der Frankfurter Uniklinik untergebracht. Daneben stehen momentan noch mehr als 120 Menschen unter Quarantäne, die Anfang Februar aus der schwer betroffenen chinesischen Stadt Wuhan geholt worden waren. Bislang gelingt es nach Einschätzung des RKI gut, das Virus hierzulande einzudämmen. Aber: Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland müsse gerechnet werden. Weitere Infektionsketten seien möglich. „Gegenwärtig gibt es jedoch keinen Anhalt für eine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland, so dass die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell weiterhin gering bleibt“, so das RKI.

Wie kann eine Pandemie noch verhindert werden?

Insbesondere in Ländern außerhalb Chinas geht es derzeit darum, Infizierte zu isolieren und so Zeit zu gewinnen. Am Beispiel Deutschland: Das RKI empfiehlt eine sogenannte Eindämmungsstrategie. Einzelne Infektionen sollen so früh wie möglich erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden. Dies könne nur gelingen, wenn Kontaktpersonen von bestätigten Infektionsfällen möglichst lückenlos identifiziert und für 14 Tage in Quarantäne gebracht werden. Die Gesundheitsämter seien hierzulande mit den Kontaktpersonen in täglichem Austausch, um schnell zu handeln, falls Symptome auftreten. So soll eine Ausbreitung des Virus in Deutschland so gut wie möglich verhindert oder zumindest verlangsamt werden. „Ziel dieser Strategie ist es, Zeit zu gewinnen um sich bestmöglich vorzubereiten und mehr über die Eigenschaften des Virus zu erfahren, Risikogruppen zu identifizieren, Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen vorzubereiten, Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen, antivirale Medikamente und die Impfstoffentwicklung auszuloten“, heißt es in dem Bericht des Robert-Koch-Instituts. Auch solle ein Zusammentreffen mit der aktuell in Deutschland und Europa laufenden Influenzawelle möglichst vermieden werden, da dies zu einer maximalen Belastung der medizinischen Versorgungsstrukturen führen könnte.

Was wäre, wenn es zu einer Pandemie käme?

Besonders betroffen wären von einer Pandemie Länder mit schlechten beziehungsweise schwachen Gesundheitssystemen. Mit Sorge wird daher derzeit beobachtet, ob das neuartige Virus solche Länder bereits erreicht hat. Doch auch in Deutschland könnte es dann zu einer hohen Belastung der medizinischen Versorgung führen, so das RKI. Im Fall einer Infektionswelle hierzulande würde das unter anderem volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und vollkommen überlastete Gesundheitsämter bedeuteten, sagt auch der Berliner Virologe Christian Drosten. Das Krankenhaussystem fahre im Winter generell unter Volllast – im Fall von Infektionen hierzulande hätten die Einrichtungen aber Spielräume, zum Beispiel durch das Verschieben nicht dringender Operationen.

Sollten in Deutschland mehr Fälle auftreten, die dann nicht mehr auf bekannte Infektionsfälle zurück geführt werden können, wird die Bekämpfungsstrategie laut RKI schrittweise angepasst, der Schutz würde sich dann zunächst stärker auf Personen konzentrieren, die ein höheres Risiko für eine schwere Erkrankung haben.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Experten empfehlen, sich zu informieren und die Entwicklungen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 zu beobachten. Sie raten auch dazu, ruhig zu bleiben – und warnen vor Panik. Darüber hinaus sind insbesondere im Winter aufgrund der aktuellen Grippewelle übliche Vorsichtsmaßnahmen empfehlenswert, wie gründliches Händewaschen oder der Abstand von Erkrankten. Das Tragen von Mundschutz hingegen sei nicht notwendig.