Auschwitz-Prozess Nebenkläger halten ihre Plädoyers

Ein Justizbeamter steht in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Ritterakademie in Lüneburg. In der nächsten Woche könnte das Urteil fallen. Foto: dpa
Ein Justizbeamter steht in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Ritterakademie in Lüneburg. In der nächsten Woche könnte das Urteil fallen. Foto: dpa

Im Auschwitz-Prozess könnte das Urteil in der kommenden Woche fallen. Am Mittwoch standen in Lüneburg die Plädoyers der Nebenkläger-Anwälte auf der Tagesordnung.

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Lüneburg - Im Auschwitz-Prozess gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning haben Anwälte der Nebenkläger die deutsche Justiz kritisiert und ein höheres Strafmaß gefordert. Es habe schon immer die Möglichkeit gegeben, auch kleinere Mittäter wegen Beihilfe zum Mord zu verurteilen, sagte der Jurist Cornelius Nestler am Mittwoch vor dem Landgericht Lüneburg in seinem Plädoyer. Bei dem organisierten Massenmord habe es sich um eine zusammenhängende Tat gehandelt, betonte er. Die Justiz hätte das große Verbrechen nicht in kleine, jeweils nachzuweisende Einzeltaten atomisieren dürfen. Nestler sprach von einem „jahrzehntelangen Versagen der Justiz“.

Die Anklage hatte am Dienstag dreieinhalb Jahre Haft für Gröning (94) wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 300.000 Fällen gefordert. Dabei sollten aber bis zu 22 Monate bereits als verbüßt gelten, weil eine Verurteilung schon vor Jahrzehnten möglich gewesen sei. Eine relevante Belastung durch diese Verfahrensverzögerung habe aber für den Angeklagten nicht bestanden, sagte dagegen Nestler.

"Auschwitz war ein Ort, an dem man nicht mitmachen durfte"

Deshalb gebe es keinen Grund für einen Strafnachlass. „Auschwitz war ein Ort, an dem man nicht mitmachen durfte“, schloss er. “Herr Gröning hat mitgemacht, und deswegen wird er wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilt werden. Viel zu spät, aber nicht zu spät.“

Nebenkläger-Anwalt Christoph Rückel nannte die geforderten dreieinhalb Jahre „nicht akzeptabel“. Ein konkretes Strafmaß verlangte er wie die anderen fünf am Mittwoch zu Wort gekommenen Nebenkläger-Vertreter aber nicht.

Das Lüneburger Verfahren habe viel gebracht, betonten die Juristen. Rückel sprach von einer „überragenden Bedeutung“ für die Zeugen. „Die Opfer haben wieder Gesichter bekommen“, sagte er. So sah es auch die Nebenklägerin Judith Kalman. Mit Gröning habe auch ein Täter ein Gesicht bekommen, betonte sie in ihrer Erklärung. Zu viele Täter seien in der Anonymität versunken. Am kommenden Dienstag sollen weitere Anwälte der Nebenkläger angehört werden. Ob dann auch die Verteidiger Grönings plädieren werden und ob in der kommenden Woche schon ein Urteil fällt, blieb zunächst offen.




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