Die Freiburger Dreisamwerke wollen das Gerlinger Garten- und Ausflugslokal künftig als integrative Gaststätte betreiben. Geplant ist zudem ein Waldkindergarten.

Gerlingen - Die Stadt Gerlingen ist bei ihrer Suche nach einem neuen Pächter für die seit vergangenem Jahr verwaiste Grimmler Alm fündig geworden. Demnach soll das beliebte Garten- und Ausflugslokal, das bis Anfang 2020 vom örtlichen Kleintierzuchtverein betrieben worden war, künftig als integrative Gaststätte vom Freiburger Inklusionsunternehmen Dreisamwerke geführt werden.

Darüber hinaus soll, wie der Geschäftsführer der Dreisamwerke, Michael Brenner, erklärt, ein Naturkindergarten für zunächst 20 Kinder auf dem Gelände im Bonholz 12 entstehen. Dieser werde jedoch nicht in Trägerschaft der Dreisamwerke betrieben. „Wir sind hier mit den Johannitern, die im Landkreis mehrere Naturkindergärten betreiben, bereits im Gespräch“, sagt Michael Brenner.

Stiftung wurde von zwei Kindern Robert Boschs gegründet

Dass sich die Freiburger Dreisamwerke, die sich der Schaffung von Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen verschrieben haben, ausgerechnet im fernen Gerlingen engagieren, verwundert nur auf den ersten Blick. Denn Gesellschafter des Inklusionsunternehmens ist unter anderem die Stuttgarter Heidehof-Stiftung, die auch Gesellschafterin des Altenhilfezentrums Breitwiesenhaus in Gerlingen ist.

„Das Breitwiesenhaus ist so etwas wie der ‚Stammsitz‘ der Heidehof-Stiftung“, betont Michael Brenner, der zugleich Geschäftsführer der Stiftung ist, die 1971 von zwei Kindern Robert Boschs gegründet worden war. Dass die Stadt Gerlingen für die Grimmler Alm einen neuen Pächter sucht, hatte Michael Brenner, wie er erzählt, durch einen Beitrag unserer Zeitung erfahren.

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Die Grimmler Alm, von manchen Gerlingern auch liebevoll „Mittelstation“ auf dem Weg zum Engelberg genannt, soll nach Auskunft Brenners ein „Integrationsunternehmen mit Gaststätte und Biergarten für Familien werden“. Etwa die Hälfte der künftigen Mitarbeiter werden Menschen mit einer „festgestellten Behinderung“ sein. Unterhalb des Gaststättengebäudes soll nach den bisherigen Plänen überdies ein Naturspielplatz für Kinder entstehen.

Trotz Einigkeit ist noch nichts unterschrieben

Wie der Geschäftsführer der Dreisamwerke betont, sei man sich mit der Stadt zwar einig, doch noch seien keine Verträge unterschrieben. Das habe vor allem den Grund, dass die Dreisamwerke derzeit noch Förderungen für das Projekt bei der Aktion Mensch und anderen Fördermittelgebern beantrage. Die sei nur möglich, bevor das Projekt vertraglich fixiert ist.

Die Stadt hatte in ihrer Ausschreibung für das Gartengelände vergangenen Sommer zur Bedingung gemacht, dass sich der künftige Pächter „durch seine gemeinwohlorientierte Vereinsarbeit im Interesse der Gerlinger Gemeinschaft engagiert“. Die „Staffelpacht“ war damals für die ersten drei Jahren mit 400 bis 800 Euro angegeben.

130 Tonnen Bauschutt entfernt, auch Asbest

Wie die Leiterin des Amts für Gebäudemanagement der Stadt Gerlingen, Nina Fänger, betont, will die Stadt „aufgrund des laufenden Verfahrens“ derzeit zur Einigung mit dem neuen Pächter keine Stellung nehmen. Sie teilte jedoch mit, dass die Stadt in den vergangenen Monaten die im mittleren Grundstücksteil befindlichen Bauten entfernt und das Gelände von Unrat befreit habe.

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„Insgesamt wurden rund 130 Tonnen Bauschutt, Abfälle sowie teilweise auch asbesthaltige Baustoffe entsorgt. In diesem Zusammenhang sind Kosten in Höhe von rund 30 000 Euro angefallen.“ Zuvor hatte die Stadt das Flurstück des seit April 2020 insolventen Kleintierzüchtervereins erworben. Hierfür waren im Haushalt 180 000 Euro bereitgestellt worden.

Wie Michael Brenner erklärt, könnte die künftige Ausflugsgaststätte mit dem Restaurant „Seemühle“ in Vaihingen an der Enz kooperieren. Die „Seemühle“ wird ebenfalls von den Dreisamwerken integrativ betrieben. Die Finanzierung des geplanten Kindergartens für über Dreijährige sei noch offen. Auch der Kindergarten und die Gaststätte könnten, so der Geschäftsführer, in Zukunft zum Beispiel bei der Mittagessenversorgung zusammenarbeiten. „Die Öffnungszeiten von Biergarten und Kindergarten sollen sich aber nicht überschneiden“, sagt Michael Brenner.

Inklusion im Arbeitsleben

Dreisamwerke
 Die Dreisamwerke mit Sitz in Freiburg im Breisgau wurden Ende 2013 als Inklusionsunternehmen gegründet. Die Gesellschafter sind die Heidehof-Stiftung aus Stuttgart und das Heilpädagogische Sozialwerk aus Freiburg. Unternehmensziel ist die Schaffung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen. Aktuell beschäftigen das Inklusionsunternehmen 50 feste Mitarbeiter, wovon 40 Prozent eine festgestellte Schwerbehinderung haben.

Heidehof-Stiftung
 Die Stuttgarter Heidehof-Stiftung, die im Jahr 1971 von Robert Bosch dem Jüngeren und seiner Schwester Eva Madelung gegründet worden war, fördert Projekte in den Bereichen Bildung, Soziales, Gesundheit, Umwelt und Menschen mit Behinderung. Sie schüttet jährlich rund 3,5 Millionen Euro aus.