Ausflugsmagnete im Rems-Murr-Kreis Sicherheitskonzept hat die Lage entspannt
Kleinheppacher Kopf und Hanweiler Sattel: In Korb gibt es gleich zwei Ausflugsziele, die für Grillspaß sorgen, aber – besonders am 1. Mai – auch für Ärger bekannt sind.
Kleinheppacher Kopf und Hanweiler Sattel: In Korb gibt es gleich zwei Ausflugsziele, die für Grillspaß sorgen, aber – besonders am 1. Mai – auch für Ärger bekannt sind.
Jochen Müller ist stolz auf seine Gemeinde. Der Bürgermeister von Korb freut sich, wenn die Bürger die Schönheit der Natur vor der Haustüre genießen, anstatt woanders hinzufahren. „Gerade mit der Remstal-Gartenschau 2019 haben wir noch mehr attraktive Plätze und Sehenswürdigkeiten geschaffen, um die Menschen zum Verweilen in der Natur einzuladen“, sagt Müller. Doch die herrlichen Plätzchen in der frischen Luft müssten natürlich mit Maß und Menschenverstand genutzt werden.
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Nicht immer klappt das bei den zwei beliebten Ausflugszielen Kleinheppacher Kopf und Hanweiler Sattel – Orte mit Spielmöglichkeiten für Kinder, Grillstellen und Weitblick ins Remstal, aber auch Orte, die besonders am 1. Mai-Feiertag jede Menge Menschen zum Wandern und Feiern anlocken. „Das hat schon Kultstatus. Und in der Vergangenheit hatten wir da schon öfters mal kritische Situationen“, sagt Jochen Müller.
Damit die Plätze trotzdem von allen genutzt werden können und keiner auf die „herrlichen Flecken“ verzichten muss, haben sich die Verantwortlichen ein Sicherheitskonzept überlegt. „Seitdem klappt es deutlich besser. Und es ist auf jeden Fall so, dass der Segen unserer Ausflugsziele den Fluch überwiegt“, sagt der Korber Bürgermeister und muss schmunzeln, wenn er an die teils abenteuerlichen Gerätschaften denkt, mit denen die jüngeren Besucher auf dem autofreien Wanderweg zum Hanweiler Sattel unterwegs waren. „Das waren motorisierte Leiterwagen mit großen Aufbauten von Musik- und Verstärkeranlage. Das war ja eine Zeit lang mal ein Trend.“
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Gerade die Musikanlagen seien zum Problem geworden, weil gegenseitig lauter gedreht wurde oder sich auch wegen des Musikgeschmacks Streit entfacht hat. Dazu sei es besonders dann gekommen, wenn noch Alkohol mit im Spiel und das Wetter besonders warm war, wie Müller schildert. „Dann werden die vorwiegend jungen Leute, bei denen das ein Problem ist, einfach schneller aggressiv“, stellt er fest. Zudem würden die Wege durch die Leiterwagen und Traktoren mit Anhänger blockiert, was wiederum zu Konflikten mit den Fußgängern führe.
Ein Teil des Sicherheitskonzepts beinhaltet deshalb eine Allgemeinverfügung, die ausgeweitet wurde und das Mitführen und Nutzen von Lautsprecheranlagen im öffentlichen Bereich verbietet. Die Stadt Winnenden hat eine entsprechende Verfügung für den angrenzenden Bereich in Hanweiler erlassen. Schon Tage vor dem beliebten Feiertag arbeiten Polizei, Deutsches Rotes Kreuz, Forstmitarbeiter und die Gemeinde auf Hochtouren an den Vorbereitungen, um den Aufenthalt für alle angenehm zu machen und Ärger und Notfälle möglichst gering zu halten. „Die Einsätze der Beamten und Rettungskräfte müssen koordiniert werden. Auch das Reinigen der Bereiche am nächsten Tag erfordert viel Einsatz. Natürlich kostet das alles auch Geld, aber es hilft, das Problem in den Griff zu kriegen“, sagt Jochen Müller.
Um das Feiern in geregelten Bahnen zu halten, sind am 1. Mai Polizei und DRK konstant vor Ort – die Einsatzkräfte pendeln zwar zwischen den zwei Ausflugszielen, machen aber keineswegs nur Stippvisiten. „Das hilft sehr, denn es ist zum Glück immer noch genügend Respekt da gegenüber der Polizei“, sagt der Bürgermeister von Korb. Zudem sei so ein Eingreifen der Beamten oder auch der Rettungskräfte viel schneller möglich, als wenn sie erst angefordert werden müssten. „Deshalb appellieren wir auch jedes Jahr von neuem an alle Besucher, die Fluchtwege für die An- und Abfahrt möglicher Rettungswägen freizuhalten.
Jochen Müller erinnert sich zwar nicht an richtig schlimme gesundheitliche Vorfälle, aber Stürze und Schnittwunden waren schon dabei. „Da geht einfach mal eine Flasche kaputt, selbst dann, wenn es diszipliniert zugeht, aber zum Glück war eigentlich nichts Dramatischeres.“ Stattdessen erinnert sich der Bürgermeister der Gemeinde Korb immer wieder an die Probleme mit Müll und Dreck. Aber auch hier wurde Abhilfe geschaffen. Steht ein 1. Mai an – denn nur an diesem Feiertag sind die zwei Ausflugsziele so problembehaftet – werden sowohl am Kleinheppacher Kopf als auch am Hanweiler Sattel im Bereich des Spiel- und Grillplatzes mobile Toiletten aufgestellt. So soll verhindert werden, dass die Notdurft in der freien Landschaft verrichtet wird.
Damit die Besucher ihren Müll, der durchs Grillen anfällt, nicht ins Gebüsch werfen, werden Container sowie Papierkörbe aufgestellt. „Wir schauen auch, dass wir mit Mitarbeitern des Bauhofes beziehungsweise beim Hanweiler Sattel auch mit dem Förster vorab alles ordentlich machen, damit wir den Besuchern mitgeben können, dass sie den Platz so verlassen sollen, wie sie ihn vorgefunden haben“, sagt Müller. Weil das trotz Mülleimern und erhobenem Zeigefinger wohl nicht immer fruchtet, ist es zur Tradition geworden, dass am Tag danach Klassen beim Aufräumen helfen. Belohnt werden die fleißigen Schüler mit einem Zuschuss zur Klassenkasse. „Wir müssen das Ganze einfach auch künftig begleiten“, sagt Müller.