Es herrscht entspannte Stimmung an Bord der MS Weinkönigin, die an diesem Donnerstagvormittag an der Anlegestelle in Ludwigsburg-Hoheneck liegt. Der überdachte Freiluftbereich ist fast voll besetzt, aber auch im Innenbereich, der mit Weinreben und Trauben themengerecht dekoriert ist, sitzen einige Gäste. An einigen Tischen wird schon vor der Abfahrt mit Sekt angestoßen, vielfach ist entspanntes Lachen zu hören. Auf einer Truhe liegen mehrere Gesellschaftsspiele, zwei circa zehn und zwölf Jahre alte Mädchen schnappen sich eines und verziehen sich in eine Chill-Ecke, die mit weichen Kissen und Premiumaussicht auf den Neckar zum Hinfläzen einlädt.
Erste Station: Neckarschleuse in Marbach
Als die 41 Meter lange MS Weinkönigin pünktlich um 10.30 Uhr die Leinen löst, erklingt das Lied „Komm an Bord“. Anschließend ertönt die Stimme von Entertainer Michael Gaedt aus dem Lautsprecher, der Details zu Schiff und Route gibt und am Ende auf Schwäbisch warnt: „In den Schleusen Hände weg von den Mauern, sonst sind die Griffel weg.“ Sanft zerteilt der Bug der MS Weinkönigin dann den Neckar bis zur ersten Schleuse in Marbach, links und rechts schlagen die Wellen sanft an die Ufer.
Seit 8.30 Uhr ist die Projektleiterin Yvonne-Nadine Delucheux an Bord des Schiffes. Sie und ihre dreiköpfiges Serviceteam sorgen während der dreistündigen Fahrt nach Besigheim dafür, dass es den Gästen an nichts fehlt. Die gelernte Zahnarzthelferin arbeitete 16 Jahre lang als Servicekraft in der Gastronomie, ehe sie im April 2021 die Serviceleitung auf der MS Weinkönigin übernahm und im November 2021 die Projektleitung. Seit Mai dieses Jahre gibt es die Genuss-Tour.
Der Höhepunkt der Schiffstour: die Hessigheimer Felsengärten
„Ich liebe meinen Job. Die MS Weinkönigin ist wie ein Baby für mich geworden“, erzählt die 43-jährige Projektleiterin mit strahlenden Augen. Der Höhepunkt ist für sie jedes Mal die Fahrt vorbei an den Steillagen der Felsengärten in Hessigheim. „Man entdeckt immer wieder etwas Neues, vor allem im Herbst bietet sich ein ganz besonderes Farbenspiel“, schwärmt sie. Für viele Gäste sei die Fahrt auf dem Neckar wie ein Tag Urlaub. Der Clou: An Bord können einige Weine verkostet werden, die in den Weinbergen reifen, an denen die MS Weinkönigin vorbeifährt. Für den großen und kleinen Hunger gibt es schwäbische Hausmannskost, unter anderem einen Schwabenteller mit Fleischküchle, Maultaschen und Kässpätzle (19,50 Euro) – mit Schnaps für zwei Euro mehr.
Am Steuer der MS Weinkönigin, auf der schon einmal eine Folge der ZDF-Krimiserie Soko Stuttgart („Mord an Bord“) gedreht wurde, steht Jörg Störmer. Wie viele kleine Jungs hatte auch er den Wunsch, Kapitän zu werden – aber er setzte ihn auch um. Mit 16 Jahren begann er seine Ausbildung in Dresden, mittlerweile ist der 48-Jährige seit 17 Jahren Schiffsführer, wie seine Berufsbezeichnung richtig heißt. Den Neckar kennt er wie seine Westentasche, seit fast 30 Jahren ist er auf verschiedenen Schiffen des Neckar-Käptn’s unterwegs. „Eigentlich wollte ich 1996 nur eine Saison bleiben, aber ich bin irgendwie hängengeblieben“, erzählt er mit leicht sächsisch gefärbtem Akzent.
Wie läuft die Abstimmung zwischen den Neckarschiffen?
Die Strecke zwischen Ludwigsburg und Besigheim mag er am liebsten. „Es ist nie langweilig, nie Routine“, erklärt er. Die Schleusenwärter, mit denen er über Funk kommuniziert, duzt er, man kennt sich seit Jahren. Auch mit der Schiffsführerin eines Lastkahns ist er per Du. Über Funk wird abgesprochen, wer Backbord und wer Steuerbord fährt. „Begegnungsverkehr ist nur auf bestimmten Abschnitten des Neckars erlaubt“, erläutert Jörg Störmer, der das Absinken in einer Schleuse zu einer kleinen Pause und einem Plausch mit den Servicekräften an der Theke nutzt.
Als die MS Weinkönigin an den Steillagen von Mundelsheim und Hessigheim vorbeigleitet, läuft Michael Gaedt zur Höchstform auf: „Hessigheim hat 2500 Einwohner, aber 148 Hektar Weinberge – kein schlechter Schnitt“, erzählt er, und „In den Felsengärten haben sich schon manche Kletterfreunde auf ihre Dolomitentouren vorbereitet.“
Pünktlich um 13.30 Uhr erreicht die MS Weinkönigin Besigheim. Von der Anlegestelle aus können die Genuss-Tour-Teilnehmer in die Altstadt von Besigheim schlendern – wo der Genuss bei manch wunderschönem Blick auf den Neckar, auf dem man gerade selbst noch unterwegs war, seine Fortsetzung findet. Besigheims historischer Teil lädt zum Verweilen ein, und auch der Weg zum Bahnhof für die Rückfahrt ist in zehn Minuten entspannt zu schaffen.
Auf ein Weinchen nach Besigheim