Verliebte Paare rudern seit Jahrzehnten im Sonnenuntergang über den See vor dem Schloss Monrepos, Familien verbringen die Wochenenden auf dem Wasser oder ganze Schulklassen machen beim Schulausflug die Tretboote unsicher. Wie viele Hochzeitsanträge sich in den Ruderbooten in all den Jahren ereignet haben oder wie viele Lausbuben es geschafft haben, doch im Wasser zu landen, das weiß niemand so genau. Fakt ist jedoch, dass bei den kleinen Ausflügen auf dem Wasser viele Erinnerungen geschaffen wurden, die man sich bis heute erzählt. Diese Idylle soll zum 1. Juli vorerst ein Ende finden.
Am Mittwoch teilte die Hofkammer des Hauses Württemberg, die Eigentümerin der Domäne Monrepos ist, mit, dass sie den Pachtvertrag mit dem Bootsbetreiber zum 30. Juni dieses Jahres auslaufen lassen und „die gute Zusammenarbeit nach 25 Jahren einvernehmlich beenden“ werde. Grund für die Schließung ist die fehlende Standsicherheit einer Vielzahl von Bäumen im Bereich der Inseln des Monrepos-Sees. „Speziell in den Kanälen zwischen den Inseln können wir unseren hohen Anspruch auf Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht durch umfallende Bäume nicht mehr halten“, sagt Michael Herzog von Württemberg. Das Befahren der Kanäle um die Inseln herum mit Booten wurde daher ab sofort untersagt und die Passagen sind entsprechend abgesperrt. „Uns ist sehr wohl bewusst, dass die Menschen dieses Erlebnis sehr vermissen werden.“ Die Kosten für die Baumpflegemaßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit seien regelmäßig enorm und stünden in einem deutlichen Missverhältnis zu den möglichen Einnahmen aus der Verpachtung des Sees.
Seeschloss muss saniert werden – das dauert mehrere Jahre
Außerdem soll in den nächsten zwei bis drei Jahren eine umfangreiche Dachsanierung des Seeschloss Monrepos einschließlich Einrüstung des gesamten Denkmals gemacht werden, die nicht nur optisch temporär Einfluss auf die Nutzung des Sees, sondern auch die Begehmöglichkeiten der Wege um den See herum haben werden. Nachdem der konkrete Sanierungsbeginn und -ablauf zum heutigen Zeitpunkt allerdings noch nicht im Detail feststehen, sind die Einschränkungen für ein neues Pachtverhältnis noch nicht zu beurteilen. Deshalb habe sich die Hofkammer des Hauses Württemberg dazu entschieden, den Pachtvertrag mit der Familie Leitz auslaufen zu lassen. Man wolle sich während der Sanierung des Seeschlosses genügend Zeit für konzeptionelle Überlegungen nehmen, die möglicherweise in einer Neuverpachtung eines Bootsverleihes oder ähnlichem münden werden.
Seit 25 Jahren betreibt Thomas Leitz den Bootsverleih am Monrepos-See, und würde das auch gerne weiterhin tun. „Wir verhandeln schon seit etwa einem halben Jahr“, berichtet der 57-Jährige und macht deutlich, dass für ihn das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. „Ich werde weiter kämpfen, um den Pachtvertrag zu verlängern.“ Er habe sich unter anderem schon an Stadträte und die Stadtverwaltung gewandt. Für Leitz bedeutet die Schließung seines Verleihs den Verlust seines Lebenswerkes. „Mein ganzes Erspartes steckt in dem Bootsverleih. Das ist meine Altersvorsorge.“
Der Bootsverleiher ist verzweifelt
Auch die Aussicht auf eine eventuelle Neuvermietung nach der Sanierung ändere nichts an seiner Situation. „Ich kann keine fünf Jahre warten.“ So müsse er wohl oder übel seinen Verleih auflösen und versuchen alles zu verkaufen. Dass er einen Käufer für seine hochwertigen Holzboote finden wird, bezweifelt Leitz. „Es gibt keine Käufer für solche Boote“, sagt er. Auch der Rest seines Bootsverleihs wie die Werkstatt oder das Bootshaus wird wenig Gewinn abwerfen. „Auch für die Maschinen und Werkzeuge, die ich habe, werde ich nicht viel bekommen.“ Einen Plan B hat der Selbstständige bislang nicht. „Ich sehe mich in Zukunft irgendwann im Bürgergeld“, sagt er fast zynisch. Die Ersparnisse seien schnell aufgebraucht, und in seinem Alter sei es schwer, einen neuen Job zu finden.
Michael von Württemberg heißt weiterhin die Öffentlichkeit in der Domäne Monrepos auch ohne einen Bootsverleih willkommen. Das heiße nicht, dass es in Zukunft keinen Bootsverleih mehr geben werde. Für Leitz wird es dann wahrscheinlich zu spät sein.