Zwischen Ausblick, argentinischen Tapas und Live-Musik – das ist die Pfarrstraße. Foto: Tanja Simoncev
Dass Stuttgarts Stadtmitte urban, bunt und vielfältig ist, zeigt sich besonders in der Pfarrstraße. Zuletzt eröffnete dort das Café Mira – seitdem treffen argentinische Snacks auf Streetart und Spieleabende.
Das Bohnenviertel ist ein besonderer Ort im Kessel, das weiß man spätestens, wenn man mal über das gleichnamige „Straßenfeschtle“, dem Bohnenviertelfest, geschlendert ist. Es ist ein urbaner Schmelztiegel an allem, was ein Stadtzentrum mit(sich)bringen sollte. Punkt.
Hier skaten die Teenies an Graffiti-Wänden vorbei, ein paar Meter weiter lassen sich Eltern Empanadas schmecken, während ihre Kids auf dem Spielplatz nebenan die Rutsche hinaufklettern. Und weiter drüben lädt das Bernstein zu Brettspielen aller Art ein (If you know, you know).
Trotz Baustelle: Im Bohnenviertel geht’s weiter. Foto: Tanja Simoncev
Kurz, aber prall gefüllt: die Pfarrstraße
Klingt nach Brooklyn, isch aber s’Bohnenviertele. Hmmm. Egal. Es geht bunt, wild und fröhlich zur Sache – und das ist die Hauptsache. Die Straße ist schließlich prall gefüllt – mit Leben – bis zum Anschlag oder auch Vorschlaghammer. Denn was wäre Stuttgart ohne seine Baustellen!?
Auch Marcela Brenner beklagt, dass weniger Menschen den Weg in die Pfarrstraße finden, seit die Unterführung beim abgerissenen Breuninger-Parkhaus der Baustelle zum Opfer gefallen ist. „Es ist viel weniger los, das ist schade. Aber die Nachbarschaft ist super, sehr nette Leute leben hier.“
Erst im Februar hatte die leidenschaftliche Gastronomin mit ihrem Mann Thomas das „Mira“ eröffnet, eine Mischung aus Tages- und Tapasbar. Und das im ältesten Haus Stuttgarts. Zumindest, was die Vorderfront angeht. Denn die wunderschöne Fachwerk-Fassade stammt aus dem 16./17. Jahrhundert und ist ein echter Hingucker.
Im Mira trifft die argentinische auf die schwäbische Küche. Foto: Tanja Simoncev
Also, watch out – in der Pfarrstraße gibt es viel zu entdecken. Wir nehmen euch mit.
Wenn der Name, Programm ist: Sardine
Wer die Pfarrstraße ansteuert, kommt an der Sardine nicht vorbei. Die Weinbar mit Fokus auf erlesenen Dosenfisch hat im Frühjahr 2023 eröffnet, befindet sich eigentlich in der Esslinger Straße – und belebt die früher eher roughe Nachbarschaft rund um die Pfarrstraße mit guten Weinen und delikaten Happen aus kunstfertig gestalteten Dosen.
Sardine, Esslinger Str. 6, Stuttgart-Mitte, Di+Mi 17-0, Fr+Sa 14-3 Uhr
Brettspiele bei Bernstein
Zum Schnitzel ein Brettspiel? Das geht im Bernstein. Foto: Tanja Simoncev
Ist es noch ein Geheimtipp oder längst Legende. Viele haben noch nie vom Bernstein gehört, andere schwören auf die Spielabende und Schnitzel-Sonntage dort. Vor allem junge Leute zieht dieser entspannte Ort an.
Nach zehn Jahren verließ Familie Brenner die Weinstube Klink in Degerloch und mischt nun mit einem Mix aus argentinischen und schwäbischen Spezialitäten den Kessel, genauer die Pfarrstraße, auf. Im Mira hilft die ganze Family mit. Und apropos Familie: Direkt gegenüber ist ein Spielplatz.
Mira, Pfarrstr. 23, Stuttgart-Mitte, Mo-Sa 10-23, So 11-18 Uhr
In Paddy’s Irish Pub gibt’s am Wochenende Live-Musik. Foto: Tanja Simoncev
Auch ein kleines Stück Irland lässt sich mitten im Bohnenviertel finden – und das bereits seit rund 15 Jahren. Im Paddy’s Irish Pub gibt es neben Bier, Cocktails und am Wochenende sogar Live-Musik.
Daneben, am Ende der Pfarrstraße, lässt sich mit der Galerie Sichtbar Kunst, die berührt, entdecken. Denn hier wird „Outsider Kunst“ präsentiert: kraftvolle Werke von Künstler:innen mit bewegenden Lebensgeschichten.
Und apropos Kunst. Das Züblin Parkhaus, das sich zwischen der Lazarett- und Pfarrstraße befindet, ist dank der Ausstellung „Fumes and perfumes“ seit mehr als zehn Jahren eine urbane Galerie, die zunächst das Kultur und nun das Utopia Kiosk – ein queerfreundlicher Safe-Space – beheimatet.
Eigentlich sollte „Fumes and Perfumes“ 2023 mit der zehnten Auflage enden. Da die Schließung des Züblin Parkhauses allerdings verschoben wurde, fand auch im vergangenen Jahr eine Ausstellung statt. Und die hatte es in sich: Neben zeitgenössischer Fotografie, Fotokunst und Mixed Media wurde das Kunst-Feuerwerk um Photography Related Art, erschaffen von generativer KI, ergänzt.
Auf dem obersten Parkdeck kann man hingegen neben (Street-)Art einen tollen Ausblick – mit Blick auf den Fernsehturm – erhaschen. Und wer lieber auf dem Boden der Tatsachen bleibt, findet neben dem Bolzplatz eine imposante Ansammlung an Graffiti, eine legale Mural-Wand (ähnlich der Hall of Fame in Bad Cannstatt), wo sich die Sprayer nur so die Klinke, genauer die Dosen, in die Hand geben.
Im Bohnenviertel zwischen Bolzplatz und Graffiti auf Beton. Foto: Tanja Simoncev
Utopia Kiosk, Lazarettstr., Stuttgart-Mitte, Fr+Sa 18-0.30, So, 12-18 Uhr
Zwischen Sportplatz, Meze und dem besten Döner Deutschlands
Wem die Pfarrstraße zu kurz oder wenig oder sonst was war, dem empfehlen wir nicht den Jakobsweg, sondern in die Jakobstraße zu gehen. Vorbei am Meze Meze, das nicht nur für seine griechischen Leckereien, sondern auch für sein wunderschönes Interior bekannt ist, zieht es uns am Non-Profit-Café Natan (alle Einnahmen fließen in die Stuttgarter Hilfsorganisation Stelp) vorbei zum Kicho, wo es das beste Sushi der Stadt geben soll.
Kicho, Jakobstr. 19, Stuttgart-Mitte, Mo-Mi, Fr+Sa 12-14+18-23, So 18-23 Uhr
Und wer dann noch nicht gesättigt genug ist, der muss natürlich noch ein kleines Stück weiter in die Olgastraße zum besten Döner-Place to be Deutschlands (2023 gekürt) – zu Alaturka. Die Schlange ist oft lang, der Fleischspieß schnell am Ende, aber das Warten lohnt sich. Unser Tipp: Unbedingt die Sigara Börek (Böregi) Röllchen mit dem selbst gemachten Ayran probieren.