Ausgelastete Standesbeamte in der Innenstadt Individuelle Trauungsorte liegen im Trend

Das Schloss Solitude zählt zu den beliebtesten Trauorten in Stuttgart. Foto: dpa
Das Schloss Solitude zählt zu den beliebtesten Trauorten in Stuttgart. Foto: dpa

Dem Standesamt Mitte fehlt es an Personal, um allen Wünschen der Brautpaare nachzukommen. Die Zahl der Anfragen überschreitet die Zahl der verfügbaren Termine deutlich.

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Stuttgart - Der weiße Saal im Schloss Solitude und der Marmorsaal im Weißenburgpark sind die beiden beliebtesten individuellen Orte für Trauungen in der Stuttgarter Innenstadt. 58 Hochzeitspaare haben 2013 einen der beiden Orte für ihre Eheschließung gebucht – viele andere kamen nicht zum Zug. Mit insgesamt 125 Trauungen an Wunschorten wie dem Bahnhofsturm, dem Le-Corbusier-Haus und der Stadtbibliothek am Mailänder Platz sind die zehn für die fünf Innenstadtbezirke zuständigen Standesbeamten mehr als ausgelastet, schließlich sind sie neben Eheschließungen auch für Geburten- und Sterberegister sowie für Kirchenaustritte zuständig.

Jährlich bis zu 900 Eheschließungen in der Innenstadt

Deshalb hofft Verena Rathgeb-Stein, die Leiterin des Standesamts Mitte, dass der Gemeinderat in den Haushaltsberatungen eine zusätzliche 50-Prozent-Stelle für die Behörde genehmigt. Rathgeb-Stein nimmt an, dass sich diese durch die zusätzlichen Gebühren, die für die Trauungen an den Wunschstandorten anfallen, rechnet. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat unterstützt das Anliegen. Es sei ein untragbarerer Zustand, dass das Standesamt den vielen Wünschen nach mehr Individualität nicht nachkommen könne, heißt es in dem entsprechenden Haushaltsantrag der Fraktion. Rathgeb-Stein geht davon aus, dass mit einer zusätzlichen halben Stelle, jährlich um die 200 Paare einen der acht Wunschorte für Trauungen in der Innenstadt wählen können.

Bisher schließen in der Innenstadt jedes Jahr zwischen 850 und 900 Paare die Ehe, hinzu kommen zwischen 90 und 100 eingetragene Lebenspartnerschaften. Vornehmen können diese Trauungen nur die Standesbeamten der Innenstadt, da Standesbeamte fest an ein Gebiet gebunden sind. Die Kollegen aus anderen Stadtbezirken oder gar anderen Städten können also nicht ersatzweise einspringen. Dazu müssten die Standesamtsbezirke vergrößert und neu aufgeteilt werden.

Weit mehr Anfragen als verfügbare Termine

Für Hochzeitspaare bedeutet dies, dass sie entweder beim Datum der Eheschließung flexibel sein müssen, oder Monate im Voraus mit der Planung der Feier beginnen müssen. „Wer spontan ist, findet meist eine Lücke, allerdings eher an einem Freitagnachmittag als an einem Samstag“, sagt Rathgeb-Stein. Dennoch muss zum Beispiel Hanne Wiedemann-Neu, die Geschäftsführerin der Marmorsaal GmbH, bereits jetzt Paaren für das Jahr 2014 absagen, weil ihr Wunschtermin bereits vergeben ist und an den Ausweichterminen kein Standesbeamter verfügbar ist. „Wir haben weit mehr Anfragen, als es dem Standesamt möglich ist, Termine anzubieten“, sagt Wiedemann-Neu nicht ohne zu betonen, dass die Standesbeamten der Innenstadt sich wirklich bemühten, die Wünsche der Brautpaare zu erfüllen.

Für den besonderen Ort sind viele Paare bereit, einiges an Geld zu investieren. Dabei sind die zusätzlichen Kosten für den Standesbeamten oft noch die geringsten. Während das Standesamt 60 Euro für eine Trauung am Freitagnachmittag und am Samstag und noch eine zusätzliche Pauschale von bis zu 117 Euro je nach Trauort berechnet, sind die eigentlichen Saalmieten deutlich höher. Der weiße Saal im Schloss Solitude ist ab 1190 Euro pro Veranstaltung zu haben, der Marmorsaal kostet für eine eineinhalbstündige Trauung mit Stehempfang an die 600 Euro Miete, für eine ganztägige Feier – ohne Catering – sind es um die 2000 Euro.




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